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DB-Nummer: 106
10.20379/dbaud-0106

Regierungspolitik der sozialliberalen Koalition : Gespräch mit Günter Grass

Grass kritisiert die Politik der sozialliberalen Regierung (zu wenig Reformen, Personalquerelen) und benennt Aufgaben, die zu bewältigen seien (Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit). Er erkärt sein Verständnis von Liberalismus und Liberalität und seine Einstellung zu den Kirchen, die seiner Meinung nach weniger unter Mitgliederschwund leiden würden, wenn sie eine konsequentere Sozialarbeit leisteten. Die Aufforderung der Jungsozialisten, aus der Kirche auszutreten, hält er für kurzschlüssig. Zum Schluß erwähnt er, dass er selbst seit dem 14. Lebensjahr "nicht im Glauben" lebt und trotzdem weiter Mitglied der katholischen Kirche geblieben ist. (Ab 00:02) Moderator; (ab 00:13) Grass kritisiert Kleinmütigkeit der Regierung, z.B. gegenüber Springer-Presse, außerdem "starhafte Auseinandersetzung innerhalb des Kabinetts". Von einer sozialliberalen Regierung dürfe man mehr erwarten. (Ab 01:58) Moderator; (ab 02:15) Grass lobt "vortreffliches Grundgesetz", kritisiert jedoch Verfassungswirklichkeit (keine Chancengleichheit im Bildungswesen, ungleiche Vermögensverteilung); nur SPD sei in der Lage, diese Missstände zu verringern. (Ab 03:33) Moderator; (ab 04:03) Grass mahnt den Liberalismus, sich auf seine Ursprünge zurückzubesinnen (gegen Manchesterliberalismus). Sieht im Übergang von Mende zu Scheel den richtigen Weg. Die Bundesrepublik brauche die liberale Partei nicht als Zünglein an der Waage, sondern als Vertreterin des modernen Liberalismus, der begreifen müsse, das Sozialismus und Liberalismus beide Kinder der Aufklärung seien. (Ab 05:39) Moderator; (ab 05:59) Zur Rolle der Kirchen befragt, sagt Grass, dass Franz von Assisi, wenn er heute lebte, Betriebsratsvorsitzender in einem Hüttenwerk wäre. Das Christentum habe sich im sozialen Alltag zu beweisen (Entwicklungspolitik). Die Kirchensteuer solle für soziale, nicht für repräsentative Zwecke verwendet werden. Die Kirche müsse "Mut zur Armut" zeigen. (Ab 07:28) Moderator; (ab 07:39) Grass hält nichts von öffentlichen Aufforderungen, aus der Kirche aus- oder in sie einzutreten. Er lebe seit seinem 14. Lebensjahr "im Zweifel", sei aber weiterhin Mitglied der Katholischen Kirche.



Urtitel:
Gespräch mit Günter Grass zur Regierungspolitik der sozialliberalen Koalition
Anfang/Ende:
Herr Grass, Sie…ist letzte Konsequenz.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Gespräch
Historischer Kontext:

Im November 1971 ist "Halbzeit" der ersten sozialliberalen Koalitionsregierung.

Schlagworte:

Person:
Mende Erich; Scheel Walter; Bismarck Otto von; Naumann Friedrich; Assisi Franz von; Augustinus
Sach:
SPD; Grundgesetz; Politisches Engagement; FDP; Kirche; Kirchensteuer; Regierungspolitik; Reformen; CDU/CSU; sozialliberale Koalition; soziale Gerechtigkeit; Liberalismus; Sozialismus; Sozialarbeit; Jungsozialisten; Glauben
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
03.11.1971
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Anmerkung Qualität:
Interviewer und Grass sprechen mitunter undeutlich.
Original:

Originallänge:
00:08:45
Analog/Digital:
reformatted digital
Kopie:

Länge der Kopie:
00:08:52
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Südwestrundfunk (SWF)
Archivnummer:
4120578-000
Teilnehmende:

Person:
Rummel, Alois (Interviewpartner)
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Gespräch mit Günter Grass zur Regierungspolitik der sozialliberalen Koalition.

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