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Medienarchiv

DB-Nummer: 153
10.20379/dbaud-0153

Ein Tag mit Günter Grass (bengali) : Porträt des Schriftstellers, Grafikers und Bildhauers, Grass-O-Töne (?)

Dasgupta, Subhoran Jan

Porträt des Schriftstellers, Graphikers und Bildhauers zu seinem 55. Geburtstag in der Reihe "Arts and Culture" Grass ist nicht nur ein renommierter Romanautor, er ist ein Poet und ein Künstler, der auch durch Zeichnung und Bildhauerei seine Kritiker begeistert. Grass braucht diese verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten. Er ist zudem ein politisch aktiver Mensch, der sich mit den Problemen der Gegenwart auseinandersetzt. Interview mit Günter Grass, übersetzt von Subhora Dasgupta und Subharanjan Dasgupta: Frage: Grass verbringt eine Zeit in einem kleinen Dorf in der Nähe von Glückstadt in Norddeutschland [gemeint ist Wewelsfleth]. Erholt er sich dort von Berlin? Oder hat er andere Gründe? Grass: findet dort Ruhe und Frieden. Grass wechselt immer wieder vom Garten ins Haus, stets seine Pfeife im Mund. Das Haus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Urlaub bedeutet für Grass nicht, auf das Arbeiten zu verzichten. Er sagt selbst von sich, er könne nicht längere Zeit ohne Arbeit sein. Manchmal legt er jedoch den Stift zur Seite, um Pilze verschiedener Formen und Farben sammeln zu gehen. In seinem Atelier zeichnet er sie dann. Grass: immer wenn er einen Pilze finde, würde er versuchen, ihn zu zeichnen. Zwischen Schreiben und Zeichnen sehe er eine enge Verbindung. Manchmal konzentriere er sich ganz auf das Zeichnen. Beim Schreiben stehe er manchmal, und manchmal laufe er dabei umher. In Grass' Atelier sieht man einige Skulpturen, die teilweise surrealistische Einflüsse zeigen Grass: hat nach zwanzig Jahren wieder angefangen, mit Ton zu experimentieren; anfangs sei sein Kopf dabei völlig leer gewesen; gleichzeitig mit der Bildhauerei habe sich in seinem Kopf wieder wie von selbst Lyrik geformt; sein Leben als Künstler habe er mit der Bildhauerei begonnen; heutzutage würde er dies mehr als körperliche Übung betreiben; es gebe aber einen deutlichen Einfluss der Bildhauerei auf seien literarischen Werke; Grass ist ein Bewunderer der lateinamerikanischen Literatur: Grass: In Grass' Skulpturen und Zeichnungen spiegelt sich Natur wider; auch in seinen Texten ist dies der Fall; im Roman "Der Butt" gibt es detaillierte Beschreibungen von Pilzen; Pilze dienen Grass sowohl als Motiv für seine Skulpturen als auch für seine Zeichnungen; Grass versucht, verschiedenen Ausprägungen der Natur herausszustellen; ebenso behandelt er das Thema Religion; das Wort "sinnlich" hat in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung für Grass: Grass: hat keinen Zweifel, dass die katholische "Sinnlichkeit" aufregender ist als die protestantische; dies könne einen Autor inspirieren; wenn man beispielsweise an das innere einer katholischen Kirche denke, gebe es dort die verschiedensten Gerüche von Kerzen, Weihrauch usw. - so, als würden sie nur darauf warten, von einem Schriftsteller entdeckt zu werden. Auch im Haus von Grass duftet es: Grass' Frau Ute hat Ente zubereitet, die Grass nicht mit Gabel und Messer, sondern mit den Fingern zu essen pflegt; auch die Söhne, der 14jährige Malte und der 12jährige Hans sitzen mit am Tisch, nehmen jedoch nicht an den Gesprächen der Eltern teil; sie scheinen an der Werken und der Berühmtheit ihres Vaters nicht sehr interessiert zu sein. Grass hebt immer wieder hervor, dass er ein Schaffender ist; er zeigt einige Bilder von seinen lateinamerikanischen Freunden; diese stehen bei Kritikern hoch im Kurs; es ist erwähnenswert, dass Grass bei einer Schriftstellerkonferenz in Mexiko der einzige Deutsche gewesen ist, der eingeladen war; Grass ist ein größer Liebhaber lateinamerikanischer Literatur: Grass: lateinamerikanische Literatur sei nicht mit westdeutscher Literatur vergleichbar; seit Jahren stelle er fest, dass erstere viel lebendiger sei und dass man mehr mit neuen Formen experimentiere. Grass nimmt sehr am politischen Geschehen teil, er ist der SPD sehr verbunden; seine politischen Äußerungen sind sehr direkt und unverblümt; er weiß, dass die Politik das Leben der Menschen verändert und somit auch die Freiheit der Literatur. Grass: hat in seinem Buch "Aus dem Tagebuch einer Schnecke", wie sich Literatur der Politik ausliefert; es sei die Pflicht von Schriftstellern, dem entgegenzuwirken. Macht die gegenwärtige politische Situation Grass Angst für die Zukunft? Philosophisch gesprochen: Hat Grass "Existenzangst"? Hat er Zweifel an einer sicheren Zukunft für seine Kinder? Grass: hat keine Angst; es sei aber deutlich, dass man sich in einem Prozess der Selbstzerstörung befinde, darin sei man hineingeboren; die Politiker seien oft mit unwichtigen Dingen beschäftigt, dies störe ihn etwas; früher habe man den warnenden Worten von Schriftstellern mehr Aufmerksamkeit geschenkt; heute habe niemand mehr Zeit, ihnen auch nur zuzuhören; als Schriftsteller habe man daher eine Sisyphos-Aufgabe; das Gleichgewicht müsse wieder hergestellt werden; der Fels am Fuße des Berges müsse immer wieder bewegt werden. Man könnte nach diesen Worten denken, Grass sei ein Pessimist; dies ist aber nicht zutreffend; er ist lediglich besorgt umd die Welt und die Menschen; in diese ländliche Gegend kommt er nicht, um vom Alltag Abstand zu nehmen, sondern um seine Überzeugungen zu stärken.



Urtitel:
Kulturprogramm: Subhoranjan Dasgupta: Ein Tag mit Günter Grass - Porträt des Schrifstellers, Graphikers und Bildhauers
Anfang/Ende:
(Trailer) Shilpokola o sankriti … bhalo haste partam (Trailer)
Genre/Inhalt:
Biographie
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Besuch bei Günter Grass in dessen Haus in Wewelsfleth anlässlich des 55. Geburtstages von Günter Grass

Schlagworte:

Person:
Grass Ute; Grunert Hans; Grunert Malte
Werke:
Aus dem Tagebuch einer Schnecke; Der Butt
Sach:
Bildhauerei; Malerei; Pilze; Schreiben; SPD; Politik; Zukunft
Geo:
Wewelsfleth; Norddeutschland; Lateinamerika; Mexiko; Glückstadt
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
19.10.1982
Datumszusatz:
ESD unbekannt
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
bengali
Betriebsarten:
Mono
Original:

Originallänge:
00:11:03
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
Band
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:11:05
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kulturprogramm
Archivnummer:
3404786000 Tontr. Verweisnr.:1702465000
Teilnehmende:

Person:
Dasgupta, Subhoran Jan (Autor(in))
Person:
Dasgupta, Subhoran Jan (Vorredner(in))
Person:
NN, (Beitragende(r))
Person:
Asfaqur, Khan (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Dasgupta, Subhoran Jan: Kulturprogramm: Subhoranjan Dasgupta: Ein Tag mit Günter Grass - Porträt des Schrifstellers, Graphikers und Bildhauers. Köln .

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