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Medienarchiv

DB-Nummer: 160
10.20379/dbaud-0160

Bericht über Günter Grass und sein neues Buch "Zunge zeigen" (bengali)

Wessler, Heinz Werner

Grass: ist bereits vor 15 Jahren in Indien gewesen und damals auch kurz in Kalkutta; darauf gebe es auch eine literarische Reaktion. Grass' Plan für einen längeren Aufenthalt in Indien löst in Deutschland Verwunderung aus; er hat angekündigt, für ein Jahr dort zu bleiben und hat bereits ein Haus in Kalkutta gemietet; er sieht dies als längeren Urlaub an und hat nicht die Absicht, permanent in Indien zu leben; seine Absicht war möglicherweise, Probleme außerhalb Europas kennenzulernen; seine Kritiker sind der Meinung, er wolle vor den Kritiken in Deutschland fliehen Grass lebt während seines Aufenthalts in Kalkutta in Baruipur und Lake Town; in dieser Zeit hat er die Stadt aus vielen Blickwinkeln gesehen; er hat die gesamte Stadt durchquert, von den Slums in Dhapa bis zum Reichenviertel Alipore; in regionalen Zügen ist er mit millionen Menschen zusammen gereist; auch einen Trip nach Dhaka hat er unternommen; er ist mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammengetroffen, von Dichtern und Künstlern bis zu Obdachlosen nach sechs Monaten kehrt Grass nach Deutschland zurück und hat Aufzeichnungen für sein neues Buch "Zunge zeigen" dabei; der erste Teil dieses Buches ist ein Tagebuch, der zweite Teil besteht aus Skizzen, die hauptsächlich die Armut in Kalkutta darstellen, und der dritte Teil ist ein langes Gedicht, das ebenfalls den Titel "Zunge zeigen" trägt Günter Grass im Interview mit Heinz Werner Wessler: Frage: Das Buch "Zunge zeigen" ist kürzlich erschienen. Es basiert auf Gras' Erfahrungen in Kalkutta. Warum hat er wieder Kalkutta besucht? Grass: ist vor 15 Jahren bereits in Indien gewesen und hat damals auch Kalkutta besucht; leider sei sein Aufenthalt damals dort sehr kurz gewesen; aber selbst diese kurze Zeit habe Einfluss auf sein Schreiben gehabt; in "Der Butt" ist dieser Einfluss im Kapitel "Vasco kehrt wieder" spürbar; von diesem Zeitpunkt an habe er den Wunsch gehabt, nach Kalkutta zurückzukommen und länger dort zu bleiben; die Stadt habe einen besonderen Platz in seinem Herzen; dieser langersehnte Aufenthalt liege nun schon zwei Jahre zurück; er habe sein bestes getan, um seine Erlebnisse und Erfahrungen in Kalkutta in Texten und Zeichnungen festzuhalten Frage: Es wird oft behauptet, Grass habe es nicht länger als sechs Monate in Kalkutta ausgehalten; ist im das Leben in dieser Stadt, die eine der ärmsten in der Welt ist, zu rauh geworden? Grass: verneint; die Kritik habe zu viel in das Buch hineininterpretiert und Gerüchte verbreitet, die nicht wahr seien; offenbar gebe es ein Motiv für solche Vorstellungen; wenn "Der Spiegel" oder die FAZ derartiges verbreiten würden, hätte dies einen Einfluss auf die Menschen; die Kritik lese das Buch nicht sorgfältig genug, sie versuche sich zu sehr auf die Person des Autors zu konzentrieren Frage: Einige Kritiker behaupten, "Zunge zeigen" sei weder Fiktion noch Dokumentation; was kann Grass dazu sagen? Grass: Viele Kritiker würden zu diesem Schluss kommen; das Buch besteht aus drei Teilen: der erste Teil ist ein Tagebuch, also ganz offensichtlich kein Roman; er habe auch gar nicht beabsichtigt, einen Roman zu schreiben; der dritte Teil ist ein langes Gedicht, das einen anderen Wert habe und nicht logisch zu erklären sei Frage: Wird das Buch in indische Sprachen übersetzt werden, insbesondere in Bengali? Grass: Vor wenigen Tagen ist ein Verlger mit diesem Anliegen an Grass herangetreten; Verträge für Übersetzungen seien seines Wissens nach bereits geschlossen worden Frage: Die Armut und das Elend der Menschen werden im Buch oft erwähnt; dies gilt auch für die Zeichnungen; sind die Zeichnungen eine alternative Möglichkeit für Grass, seine Gefühle auszudrücken, die er nicht in Worte fassen kann? Grass: bejaht; Worte hätten eine Begrenzung, sie könnten nicht alles darstellen; immer wenn er Schwierigkeiten habe, seine Gefühle in Worten auszudrücken, würde er zeichnen Frage: Dies auch auch der Grund, warum der zweite Teil des Buches aus Zeichnungen besteht? Grass: bejaht; die Teile würden sich komplementär zueinander verhalten; man müsse fühlen, was er in dem Gedicht und in den Zeichnungen ausdrücken wolle Frage: Die Kritik bemängelt, dass die Sichtweise in dem Buch zu pessimistisch sei Grass: Pessimismus sei eine europäische Idee; in Kalkutta gebe es weder Optimismus noch Pessimismus; es gelte dort nur der Kampf ums Überleben; die Menschen hätten keine Obdach, aber das halte sie nicht davon ab zu lachen; dies würde Europäer verblüffen, passiere aber in Kalkutta jederzeit Frage: Bedeutet Armut für diese Menschen Glück? Grass: Würde dem nicht zustimmen; aber die Menschen würden es verstehen zu lachen; die würden die ganze Zeit um ihre Existenz kämpfen, von einem Tag auf den anderen; sie hätten nicht viel Hoffnung, nur ihren Überlebenswillen; dies habe er deutlich gesehen



Urtitel:
Bericht über Günter Grass und sein neues Buch "Zunge zeigen"
Anfang/Ende:
(Trailer) Ich bin vor…chokh bhore dekhechhi (Trailer)
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Veröffentlichung von "Zunge zeigen"

Schlagworte:

Werke:
Zunge zeigen; Der Butt
Sach:
Kritik; Slums; Armut; Gedicht; Zeichnung; Tagebuch; Übersetzung
Geo:
Indien; Kalkutta; Dhaka; Europa; Baruipur; Lake Town; Dhapa
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
24.10.1988
Datum Erstsendung:
25.10.1988
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
bengali
Betriebsarten:
Mono
Original:

Originallänge:
00:09:00
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
Band
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:09:03
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kulturprogramm
Archivnummer:
3404778000 Tontr. Verweisnr.:1712068000
Produktionsnummer:
9219241088220
Teilnehmende:

Person:
Wessler, Heinz Werner (Autor(in))
Person:
Talukder, Abdul (Übersetzer(in))
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Talukder, Abdul (Übersetzer(in))
Person:
Nesa, Nazmun (Vorredner(in))
Person:
Khan, Rob (Vorredner(in))
Person:
Weßler, Heinz Werner (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Wessler, Heinz Werner: Bericht über Günter Grass und sein neues Buch "Zunge zeigen". Köln .

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