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Medienarchiv

DB-Nummer: 192
10.20379/dbaud-0192

Verleihung des Friedenspreises 1972 der Freda-Wüsthoff-Stiftung an Egon Bahr in Bonn : Egon Bahrs Kärrnerarbeit

Es gebe zwar Gegner der Ostpolitik und damit auch Gegner davon, gerade Bahr diesen Preis zu verleihen, es komme aber auf die Mittel an: O-Ton Grass: "Im Sommer 1963, relativ früh, hat Egon Bahr den Mut gehabt, vergleichbar dem Kind im Märchen 'Des Kaisers neue Kleider', die deutschen Tatsachen nackt zu nennen. Seit seiner Rede in Tutzing hat er Gehör gefunden, aber auch die Tiefen- und Flächenwirkung schlagzeilenfetter Verdächtigung und leisetretender Verleumdung zu spüren bekommen und wortkarg zu tragen gelernt. Mehr noch, geprägt von solchen gallebittren Erfahrungen hat Egon Bahr es verstanden, seine Galle zu immunisieren. Wir, die wir ihn während der letzten drei Jahre auf dem Fernsehschirm sprechen und schweigen gehört haben, konnten beobachten, wie es unserem Mann gelang, auf dem Verhandlungsweg gelang, den Hasserzeugnissen seiner politschen Gegner eine in deutschen Bereichen neu anmutende Qualität von Humor abzugewinnen. Möge es dem frischgewählten Bundestagsabgeordneten gelingen, diesen Humor, und sei es als anzustrebende Qualität des Lebens, in den Bundestag einzubringen. Dem stünde nach soviel verletzender Schärfe und blöder Witzelei ein Bahrsches Quentchen geistreichen Witzes gut zu Protokoll." Anschließend sprach Grass über den von Bahr geprägten Begriff des "Wandels durch Annäherung". Der Feind sei ein politischer Gegner geworden, den man mit Respekt behandelt. Bahr bedankte sich kurz. O-Ton Bahr: Ich finde solche Feierlichkeiten schrecklich und ungewohnt. Ich bin eher gewohnt, kritisch betrachtet zu werden, worin ich eine gewisse Routine gewonnen habe. Ich will dies deshalb schnell hinter mich bringen. Der Verstand als Maß der Beziehungen zwischen den Völkern hat noch einen langen Weg vor sich. Bahr hat hiermit gezeigt, dass er bei aller Initiative ein großer Skeptiker geblieben ist.



Urtitel:
Preisverleihung des Freda-Wüsthoff-Preises an Egon Bahr
Anfang/Ende:
Diese Preisverleihung war…Skeptiker geblieben ist.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Freda Wuesthoff (* 16. Mai 1896 in Berlin; † 5. November 1956 in München) war eine deutsche Patentanwältin und Pazifistin. Sie war eine der Mitbegründerinnen der organisierten Friedensbewegung in Deutschland. Die Freda-Wuesthoff-Stiftung wurde 1960 gegründet. Ihr Stiftungszweck: Förderung von Maßnahmen der tätigen Menschenhilfe; daneben Förderung von Bemühungen, die der friedlichen Zukunft der Menschheit, der Völkerverständigung und der Friedenssicherung dienen.

Schlagworte:

Person:
Bahr Egon; Andersen Hans Christian; Wüsthoff Freda
Werke:
Egon Bahrs Kärrnerarbeit
Sach:
Außenpolitik; Des Kaisers neue Kleider; Friedenspolitik; Humor; Wandel durch Annäherung
Geo:
Tutzing
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
23.01.1973
Aufnahmeort:
Bonn
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Kopie:

Länge der Kopie:
00:04:07
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Südwestrundfunk (SWR/SDR: Stuttgart)
Sendereihe:
Südfunk aktuell
Archivnummer:
6330412-003
Teilnehmende:

Person:
Scheid, Ruth (Redaktion)
Person:
Merten, Dietmar (Vorredner(in))
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Bahr, Egon (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Preisverleihung des Freda-Wüsthoff-Preises an Egon Bahr. Bonn .

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