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Medienarchiv

DB-Nummer: 243
10.20379/dbaud-0243

Versuchte Nähe : Günter Grass liest die Titelgeschichte aus dem gleichnamigen Buch von Hans-Joachim Schädlich

Schädlich, Hans-Joachim

Lesung von Günter Grass aus einem Buch von Hans-Joachim Schädlich. Grass begreift sich in einer Einleitung zu dieser Lesung aus seinem "Kollegenverständnis heraus" als Stellvertreter Schädlichs, da dieser wegen seines Wohnsitzes in der DDR sein Buch nicht selbst vertreten kann.



Urtitel:
Versuchte Nähe - Günter Grass liest die Titelgeschichte aus dem gleichnamigen Buch von Hans-Joachim Schädlich
Anfang/Ende:
Hans-Jochen Schädlich ist…auf den Dächern.
Genre/Inhalt:
Erzählung
Präsentation:
Lesung
Historischer Kontext:

"Seit Uwe Johnsons erstem Buch sind nicht mehr so eindringlich aus der Sache heraus die Wirklichkeiten der DDR angenommen und auf literarisches Niveau umgesetzt worden." (Günter Grass zu Schädlichs Prosaband "Versuchte Nähe" (1977)) Hans-Joachim Schädlich 70. Geburtstag Begleiter seiner Zeit Hans Joachim Schädlich - in der DDR wurde der Schriftsteller der "staatsfeindlichen Hetze" bezichtigt, im Westen wurde er hoch gelobt. Am 8. Oktober feierte der gebürtige Vogtländer seinen 70. Geburtstag. In der DDR wurde Hans-Joachim Schädlich staatsfeindliche Hetze vorgeworfen, im Westen lobte ihn die Kritik. Dem Schriftsteller aus Reichenbach im Vogtland ging es vor allem um eins: die Wirklichkeit zu beschreiben. Dafür musste er Ende der siebziger Jahre sein Land verlassen. "Ich will mich schreibend der Wirklichkeit nähern, die mich umgibt." Hans Joachim Schädlich Dialekt-Forschung und brisante Belletristik Schädlich studierte Germanistik und Linguistik in Berlin und Leipzig u. a. bei Theodor Frings. Seine Doktorarbeit schrieb Schädlich über die "Phonologie des Ostvogtländischen". Später arbeitete er an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften. 1969 begann er, eigene literarische Texte zu schreiben, in denen er akribisch und fantasievoll Leben und Machtmechanismen in der DDR darstellte. Doch wegen ihrer politischen Brisanz wurden sie nie veröffentlicht. Keine Veröffentlichung im eigenen Land 1976 protestierte Schädlich in einem offenen Brief gemeinsam mit anderen Schriftstellern gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Kurz darauf verlor er seine Stelle an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften und musste sich als freiberuflicher Übersetzer sein Geld verdienen. Mit Repressalien wollte man ihn auf einen regimetreuen Kurs bringen. Doch Schädlich entschied anders: Im Frühjahr 1977 ließ er seine Prosatexte unter dem Titel "Versuchte Nähe" in der Bundesrepublik veröffentlichen. Schädlichs Bemühungen, die Texte in der DDR zu verlegen, waren gescheitert, weil er gängige Konventionen außer Acht ließ. Schädlich schrieb eben vom "Kommando der städtischen Polizei", wo "Genossen der Volkspolizei" hätte stehen sollen, nannte "Werktätige" nur "Tätige" und sprach von der "Kraft der Lehre" statt von der "Kraft des Marxismus-Leninismus". Die DDR-Behörden warfen ihm daraufhin "staatsfeindliche Hetze" und "öffentliche Herabwürdigung" vor. Kritiker und Schriftstellerkollegen im Westen hingegen waren begeistert.

Aufnahme:

Aufnahmedatum:
22.08.1977
Aufnahmeort:
Berlin
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Originallänge:
00:23:40
Kopie:

Länge der Kopie:
00:23:56
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Sender Freies Berlin (SFB)
Archivnummer:
26/7305
Teilnehmende:

Person:
Schädlich, Hans-Joachim (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Schädlich, Hans-Joachim: Versuchte Nähe - Günter Grass liest die Titelgeschichte aus dem gleichnamigen Buch von Hans-Joachim Schädlich. Berlin .

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