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Medienarchiv

DB-Nummer: 316
10.20379/dbaud-0316

Günter Grass auf seiner ersten Wahlreise in München

Track 1: Einleitungsworte zur Rede "Es steht zur Wahl" von Günter Grass Track 2: Bericht über die Diskussion Grass-Dalmer; Grass spricht sich dabei für die "Poltik der kleinen schritte" und gegen die "Poltik der Stärke" aus. Ausschnitt aus der Diskussion: Grass zur "Politik der Stärke", zur neuen wirtschaftlichen Stärke der DDR und zur jungen marxistischen Generation in der DDR, die ein Staatsbewusstsein entwickelt hat, das aufgrund der "Politik der Stärke" der BRD eingetreten sei. (Schnitt) Altstalinismus vs. (Alt-)Kommunismus. Adenauer und Ulbricht seien, auch als "Todfeinde" nach dem Krief aufeinander angewiesen gewesen; Adenauer habe Ressentiments gegen das größtenteils protestantisch und von sozialdemokratisch bzw. kommunistisch orientierten Wählern geprägtes Land gehabt; Rückfrage/Gegenwort von Dalmer (?): "Die Gegenüberstellung von Konrad Adenauer und Walter ist rein literarisch"; in der Politik bekämen die Politiker ihre Haltungen durch die "Mechanik der Ereignisse" aufgezwungen; Grass hält dies für eine Behauptung und spricht der Demokratie die Macht zu, ohne "Gegenideologie" mit dem Kommunismus "fertig zu werden"; Grass: "Man muss keinen Antikommunismus betreiben!" Der Reporter urteilt, dass die Diskussion "im Sande verläuft" und dass Grass "müde und abgespannt" sei. Track 3: Im Hinterhof des Zirkus Kronebau stürmen ca. 500 Menschen den Haupteingang um den "Star des Abends" zu sehen: Günter Grass; dessen "neuestes Experiment" sind Wahlreden; Grass reist als Privatmann, die Gewinne aus seinen Vorträgen gehen an die Bundeswehr (Bücher für Bibliotheken); Grass wendet sich an die Jungwähler und plädiert für die SPD. Ausschnitt aus Grass-Rede: "Unser Grundgesetz ist unser größter Besitz"; er präsentiert den Zuschauern das Grundgesetz im Taschenbuchformat, das er immer bei sich trage. Grass Vorschlag zum Wehrpflichtgesetz: "wer mit dem 18.Lebensjahr wehrpflichtig ist, sollte auch wahlberechtigt sein". Grass zu Ludwig Erhard: "seine Lieblingsworte heißen: redlich, ehrlich, folglich, gnädig(?)"; Erhardt sehe als "Volkskanzler" jede Kritik an seiner Politik als "volksfremd" an. Grass lobt dagegen die "Politik der kleinen Schritte" von Willy Brandt. Grass spricht über seine Rolle als Schriftsteller, die die Rolle als politisch engagierter Bürger mitgetragen hat. Track 4: Pressekonferenz zur ersten Wahlreise von Günter Grass durch die Universitätsstädte Deutschlands, die in München endet; dem Reporter gelingt ein kurzes Interview: - Wie ist Grass' Fazit der Wahlreise? Zu den Ergebnissen zählen für Grass "Heiserkeit" und ein Verständnis dafür, was Politiker im Wahlkampt leisten; Grass selbst hat 16 Reden gehalten und 9 Diskussionen geführt; er sei nun zwar müde aber sehr froh, den "Sprung ins Wasser" gemacht zu haben; vor allem bei den Jungwählern und Unentschiedenen hätten seine Reden nachdenklich gestimmt, was Grass' Intention entspricht. - Plakat zu Wahlveranstaltungen: Hahn auf einem Misthaufen, der "Es-Pe-De" kräht;deutet die andere Schreibung an, das Grass nicht als Sprecher der SPD als solcher auftreten will? Spricht Grass also als Nicht-SPD-Mitglied, als Privatmann? Grass sagt er spreche als Bürger, "der in Berlin wohnt, aber nicht wählen darf", dessen Interesse somit auf das politische Geschehen in der BRD gerichtet ist; gleichzeitig trete er auf als "Advocat der Landsleute der DDR zur Wahl zu sprechen". - Konflikt Schriftsteller-Wahlredner; die Wahlreden und Romane sind mit der gleichen Tinte geschrieben; Grass sagt, das politische Reden sei für ihn eine schriftstellerische Arbeit; auch dies sei eine Form, sich zur momentanen gesellschaftlichen Lage zu verhalten, Stellung zu beziehen. - Weitere Pläne: weitere Wahlreise mit den selben Veranstaltern, dem sozialdemokratischen und dem liberalen Studentenbund, diesmal in kleinere Städte mit weniger studentischem Publikum Ende August, Anfang September; Grass freue sich bereits darauf. - Oktober: Wahl in der DDR: Grass will auch in der DDR eine Wahlreise beantragen; Grass ist gespannt auf die Reaktion des sogenannten "Friedenslagers". - Ist dies die Politik der kleinen Schritte, die Grass propagiert? Ja, der potentielle politische Gegener muss angegangen werden, auch mit kleinen Mitteln, die konstruktiv sein sollen.



Urtitel:
Günter Grass in München
Anfang/Ende:
Track 1: (BEIFALL) Meine Münchner Rede…Strauß kein Wort. (LACHEN, BEIFALL) Track 2: (Anmoderation) Auch das Kino…Gespräch zu kommen. (Abmoderation) Track 3: (Anmoderation) Montag, 19 Juli…Kino. Davon später. (Abmoderation) Track 4: Pressekonferenz am Dienstag…Interview. Danke schön.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Dokumentation
Historischer Kontext:

Erste Wahlreise 1965 von Günter Grass Harro Zimmermann (Günter Grass unter den Deutschen, S.165): "Grass zieht Ende Juli eine positive Bilanz seiner ersten Wahlreise. Sie hat über vierzehntausend Mark an Eintrittsgeldern gebracht - für die Bibliotheken der Bundeswehr -, es sind Zehntausende von Zuhörern erreicht worden, der mediale Aufmerksamkeitseffekt ist riesig, und mehrfach ist Bundeskanzler Erhard gezwungen gesesen, sich mit dem provokanten Schriftsteller öffentlich auseinanderzusetzen"; zur ersten Wahlreise weiterhin: Zimmermann, S.60ff.

Schlagworte:

Person:
Strauß Franz-Josef; Ulbricht Walter; Erhard Ludwig; Brandt Willy; Dalmer Alfons; Höcherl Hermann
Werke:
Es steht zur Wahl
Sach:
CSU; Kommunismus; DDR; Wirtschaft; Wahl; SPD; Grundgesetz; Demokratie; Wahlredner; Kino; wirtschaftlicher Zusammenbruch; Ostblock; Zusammenbruch; Stalinismus
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
23.07.1965
Aufnahmeort:
München
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Originallänge:
00:11:15
Kopie:

Länge der Kopie:
00:11:23
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Bayerischer Rundfunk (BR)
Archivnummer:
65/16325
Produktionsnummer:
5460/PR31817/1a-d
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Stolze, Rüdiger (Beitragende(r))
Person:
Scherf, Henning (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Günter Grass in München. München .

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