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DB-Nummer: 385
10.20379/dbaud-0385

Günter Grass stellt sein neues Buch ''Das Treffen in Telgte'' vor

Grass kannte den Wallfahrtsort bei Münster noch gar nicht, als er seine Erzählung begann. Nun ist er erstmals dort. Die Erzählung berichtet von einer fiktiven Versammlung etwa zwei Dutzend diverser Autoren des Barock, die auf Einladung des Königsbergers Simon Dach zusammentreffen, um Probleme von Poetik und Politik zu diskutieren. Warum Telgte? O-Ton Grass: "Ich suchte einen Ort, weil die Absichten mir klar waren erstens ein Treffen zu veranstalten. Dann ein Treffen zu diesem Zeitpunkt 47. Und einen Ort, von dem man hoffte, ein politisches Wörtchen mitsprechen zu können. Also konnte das nur an einem Ort passieren, die zu diesem Zeitpunkt über vier Jahre lang der Mittelpunkt des Geschehens gewesen ist. Das mag man in Münster vielleicht vergessen haben, in Osnabrück auch, aber es ist zu beweisen, dass Münster und Osnabrück vier Jahre lang der Mittelpunkt Europas, gewissermaßen sogar der Welt gewesen sind. Und dass der Friedensschluss, der hier ausgehandelt wurde, auf lange Zeit hin die Gründe lieferte, die Anlass für spätere Kriege waren - das haben Friedensschlüsse so an sich. Telgte liegt genau an der Straße, die zu der Zeit viel befahren war und bot sich an. Dritter Grund: Telgte war und ist ein Wallfahrtsort. Ich wollte einen neuen Grund für eine Wallfahrt liefern. Und das war eben das Treffen. Weil es Protestanten waren, hatten sie eigentlich Oesede als Ort geplant, und es war vielleicht ganz gut, dass die Schweden zu der Zeit Oesede besetzt hatten und auf ihre Art überall Quartier machten. So mussten sie mit Hilfe des Gelnhausen nach Telgte ziehen." Grass spricht den Ort nicht "original" westfälisch, mit klingendem ch statt dem g. Der äußere Anlass der Erzählung war der 70. Geburtstag von Hans Werner Richter, der Initiatior und Vorsitzende der Gruppe 47. Ihm zum Geschenk erfand Grass ein Treffen jahrhunderte zuvor. Dem Zeitalter des Barock kann Grass viele Parallelen zur Nachkriegszeit abgewinnen. Vor allem die: In einer Zeit der Zersplitterung Deutschlands besteht die Einheit in der Sprache und Literatur trotz mancher Spaltungsbemühen fort. Grass erfindet Fakten hinzu und stellt nach eigener Ansicht damit eine neue, umfassendere Wahrheit her. Grass meint nicht, dass es nur ein Buch für Kenner des Barock sei. Die Erzählung soll als solche von jedermann verstanden werden. Lesung aus dem 5. Kapitel von "Das Treffen in Telgte": "Sobald Simon Dach sein Handzeichen gegeben hatte..." bis "Dort lehre ein gewisser Cromwell die Dichter Eisen fressen" (S. 31).



Urtitel:
Uwe Gehrke: Das Treffen in Telgte - Günter Grass stellt sein neues Buch vor
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Er kannte ihn…Dichter Eisen fressen.
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Feature
Schlagworte:

Person:
Dach Simon; Richter Hans-Werner; Buchner Augustus; Grimmelshausen Hans Jakob Christoph von; Weckerlin George; Greflinger Georg; Zesen Philipp von; Rist Johann; Harsdörffer Georg Philipp
Werke:
Das Treffen in Telgte
Sach:
Politik; Sprache; Gruppe 47; Wallfahrtsort; Poetik; Protestanten
Geo:
Münster; Osnabrück; Telgte; Oesede
Zeit:
Barock; Dreißigjähriger Krieg; Nachkriegszeit; Westfälischer Frieden
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
27.11.1978
Aufnahmeort:
Telgte
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Anmerkung Qualität:
Die Aufnahme läuft etrwas zu langsam.
Original:

Originallänge:
00:05:10
Kopie:

Länge der Kopie:
00:05:47
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Archivnummer:
DOK1831/4
Teilnehmende:

Person:
Gehrke, Uwe (Beitragende(r))
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Uwe Gehrke: Das Treffen in Telgte - Günter Grass stellt sein neues Buch vor. Telgte .

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