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Medienarchiv

DB-Nummer: 544
10.20379/dbaud-0544

Über "Minima Moralia" von Theodor W. Adorno

Anfangs starke Tonstörungen und Sprechproben; im Folgenden nur ein Kanal (links) und zahlreiche Tonstörungen. Gespräch von Harro Zimmermann mit Günter Grass über Adornos Werk "Minima Moralia" von 1951 Grass kann sich nicht erinnern, wann er das Buch zum ersten Mal gelesen hat; der darin enthaltene Satz, dass Auschwitz das Gedichteschreiben unmöglich gemacht habe, habe jedoch Eindruck auf ihn gemacht und eine Auseinandersetzung hervorgerufen; seine Vorlesung an der Frankfurter Universität habe er daher auch bewusst "Schreiben nach Auschwitz" genannt; Grass' Abwehr gegen das Diktum Adornos war eine Umdeutung: kein Verbot, sondern eine Warnung und Bewusstwerdung; diese Umdeutung habe sein Schreiben auch mit beeinflusst; die Übertreibung in der Formulierung Adornos sei wichtig für die Wirkung gewesen; mit Adorno selbst hat sich Grass nicht unterhalten; zuletzt hat Grass ihn 1968 bei der Buchmesse gesehen, wo Adorno "von seinen eigenen Jüngern regelrecht fertig gemacht wurde"; Habermas und Grass haben damals dagegen angesprochen; der tschechische Grass-Übersetzer habe - kurz nach Okkupation der Tschechoslowakei - auf den Vorfall fassungslos reagiert; zu Beginn seiner künstlerischen Karriere habe, so Grass, sein Interesse "mehr im Artistischen" gelegen; dann habe er aber aktuellen Themen nicht mehr ausweichen können; seitdem werde er wie auch andere Künstler immer wieder auf den von Adorno genannten Zivilisationsbruch zurückgeworfen; sein Schreiben kann Grass jedoch nicht direkt auf Adornos theoretisches Werk zurückführen; der Lebensweg von Jürgen Habermas, aber auch der von Oskar Negt, seien ihm dagegen immer gegenwärtig gewesen; den Bruch mit Adorno habe seltsamerweise ein Teil der 68-Generation vollzogen; über den Narr als Spiegel der Gesellschaft (am Beispiel Oskar Matzerath), über die Abkehr der Intellektuellen und Künstler vom Bürgerlichen; Grass sieht das Kleinbürgertum als die gefährlichste Schicht, gleichzeitig aber die einzig funktionierende, internationale Schicht; Kritik an Adorno: Grass ist der Meinung, dass Adornos Theoriegebäude zuwenig konkrete Auseinandersetzung und eine zu große "Realitätsscheu" enthalte; dies habe wohl auch die Studenten damals zu Protesten gebracht; er ab 1969 sei - unter anderem durch die Politik Willy Brandts - eine Alernative in der demokratischen Politik erkennbar geworden; die gesamte Frankfurter Schule habe dagegen eine Scheu gehabt, sich mit Tagespolitik einzulassen.



Urtitel:
Anfang/Ende:
(Sprechproben) Minima Moralia ist…Das war´s. Vielen Dank.
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Präsentation:
Gespräch
Historischer Kontext:

Vor 50 Jahren ist Adornos "Minima Moralia - Reflexionen aus dem beschädigten Leben" erschienen; in diesem durch Aphorismen geprägten Werk fällt unter anderem der Satz, dass das Gedichteschreiben nach Auschwitz unmöglich geworden ist.

Schlagworte:

Person:
Adorno Theodor W.; Habermas Jürgen; Negt Oskar; Matzerath Oskar; Brandt Willy
Sach:
Auschwitz; Lyrik
Geo:
Tschechoslowakei
Zeit:
1968
Aufnahme:

Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
"Einbeinig!" Gelegentliche Störgeräusche und Verzerrungen!
Kopie:

Länge der Kopie:
00:19:30
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Teilnehmende:

Person:
Zimmermann, Harro (Interviewpartner)
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))

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