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DB-Nummer: 591

In gemischter Gesellschaft - Ausstellung zur Doppelbegabung Günter Grass

Der Mensch kann mit seinen Händen sehr Verschiedenes tun. Zum Beispiel Skulpturen meißeln, Gestalten aus Ton modellieren, in eine Schreibmaschine hacken oder einen Zeichenstift führen. Günter Grass hat sich voller Neugier in all diese Metiers hineingearbeitet, was speziell in "Fundsachen für Nichtleser" zum Ausdruck kommt. Ursprünglich wollte er Künstler werden. Grass-O-Ton: "Unter Schriftsteller konnte ich mit zunächst nichts vorstellen". Vor 55 Jahren, als die "Gruppe 47" gegründet wurde, begann er eine Steinmetzlehre. Erst zehn Jahre später debütierte er als Lyriker, Dramatiker und Schriftsteller. Bis 1956 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie Bildhauerei. Erst danach - in den Pariser Jahren - gab er die Bildkunst zugunsten der Schreibkunst auf, um mit der "Blechtrommel" sogleich den internationalen Durchbruch als Autor der deutschen Nachkriegsgeneration zu schaffen. Der so früh begonnenen und so solide begründeten künstlerischen Handarbeit ist er auch als erfolgreicher Autor sein Leben lang treu geblieben. Zufast allen seinen Romane und Erzählungen hat er Titelbilder, Illustrationen und Embleme, Kritzeleien und Skizzen geschaffen. Doch auch freie Themenstränge begleiten sein Werk. Betrachtet man die Geschichte der sogenannten "künstlerischen Doppelbegabungen" - von Johann Wolfgang Goethe bis Victor Hugo, von Friedrich Dürrenmatt bis zu Peter Weiss - , fragt man sich, ob Dichter und Schriftsteller sich nicht gerade deswegen immer wieder der bildenden Künste bedienen, um neue, andere Wege zu ihrem Schreiben zu erkunden. Auch bei Grass ist der Sprung zwischen den Künsten nur ein kleiner. O-Ton-Grass: "Optische Vorstellungen und Konstellationen von Figuren werden skizzenhaft festgehalten. Während der zweiten Fassung mit der Olivetti beginnen die Zeichnungen dann ein Eigenleben, das Thema wird weitergetragen." Günter Grass ist ein Augenmensch; charakteristisch für seine Texte sind die sinnlichen Sujets, die begreifbaren Formen und die plastischen Bilder. Zugleich hat er seine Grafiken, Malereien und Skulpturen immer sowohl für den eigenen wie für den öffentlichen Bedarf geschaffen. Diesen Weg begleitet die Ausstellung bis zu seinem Kurzgeschichtenband "Mein Jahrhundert", für den er etwa 100 eigenständige Aquarelle gemalt hat, die mehr als bloße Text-Illustrationen sind. Die Ausstellung "In gemischter Gesellschaft" zeigt den Schriftsteller Günter Grass vorwiegend von der anderen, der weniger bekannten bildnerischen Seite seines Schaffens. Hier findet man den Jubilar buchstäblich "in gemischter Gesellschaft": Menschen, Tiere und anderes Gelichter - zwischen Portrait und Groteske, Gleichnis, Fabel und Pamphlet, Illustration und Ideenskizze. Und doch: das Disparate mischt sich zum unverwechselbar eigenständigen Profil einer originellen Sicht auf Alltag und Mythos, Gegenwart und Geschichte. (Jörg-Dieter Kogel)



Urtitel:
In gemischter Gesellschaft
Anfang/Ende:
Der Mensch kann…Gegenwart und Geschichte.
Genre/Inhalt:
Kultur
Präsentation:
Dokumentation
Historischer Kontext:

Eine Ausstellung des Günter Grass Hauses Lübeck und der Casa di Goethe, Rom in Zusammenarbeit mit der Günter Grass Stiftung Bremen und Radio Bremen. Günter Grass - In gemischter Gesellschaft - Eine Ausstellung zum 75. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers Der Mensch kann mit seinen Händen sehr Verschiedenes tun. Zum Beispiel Skulpturen meißeln, Gestalten aus Ton modellieren, in eine Schreibmaschine hacken oder einen Zeichenstift führen. Günter Grass hat sich voller Neugier in all diese Metiers hineingearbeitet. Ursprünglich wollte er Künstler werden. Vor 55 Jahren, als die "Gruppe 47" gegründet wurde, begann er eine Steinmetzlehre. Erst zehn Jahre später debütierte er als Lyriker, Dramatiker und Schriftsteller. Bis 1956 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie Bildhauerei. Erst danach - in den Pariser Jahren - gab er die Bildkunst zugunsten der Schreibkunst auf, um mit der "Blechtrommel" sogleich den internationalen Durchbruch als Autor zu schaffen. Der so früh begonnenen und so solide begründeten künstlerischen Handarbeit ist er freilich auch als erfolgreicher Autor sein Leben lang treu geblieben. Zufast allen seinen Romane und Erzählungen hat er Titelbilder, Illustrationen und Embleme, Kritzeleien und Skizzen geschaffen. Betrachtet man die Geschichte der sogenannten "künstlerischen Doppelbegabungen" - von Johann Wolfgang Goethe bis Victor Hugo, von Friedrich Dürrenmatt bis zu Peter Weiss - , fragt man sich, ob Dichter und Schriftsteller sich nicht gerade deswegen immer wieder der bildenden Künste bedienen, um andere Wege zu ihrem Schreiben zu erkunden. Gedichte leben von inneren Bildern, und Prosa braucht Geschichten, Ereignisse. Bezeichnenderweise kommt dieses Wort vom Sehen: Ereignisse sind 'Eräugnisse'. Günter Grass ist ein Augenmensch; charakteristisch für seine Texte sind die sinnlichen Sujets, die begreifbaren Formen und die plastischen Bilder. Zugleich hat er seine Grafiken, Malereien und Skulpturen immer sowohl für den eigenen wie für den öffentlichen Bedarf geschaffen. Zu seinem Kurzgeschichtenband "Mein Jahrhundert" etwa hat er 100 eigenständige Gouachen gemalt, die mehr als bloße Text-Illustrationen sind. Die Ausstellung "In gemischter Gesellschaft" (so der Titel eines kürzlich entstandenen Bronzereliefs von Grass) war im Sommer 2002 erstmals in der "Casa di Goethe" in Rom zu sehen; sie zeigt den Schriftsteller Günter Grass vorwiegend von der anderen, der weniger bekannten bildnerischen Seite seines Schaffens. Hier findet man den Jubilar buchstäblich "in gemischter Gesellschaft": Menschen, Tiere und anderes Gelichter - zwischen Portrait und Groteske, Gleichnis, Fabel und Pamphlet, Illustration und Ideenskizze. Und doch: das Disparate mischt sich zum unverwechselbar eigenständigen Profil einer originellen Sicht auf Alltag und Mythos, Gegenwart und Geschichte. Eröffnung: Sonntag, 29. September 2002, 11.00 Uhr mit Dr. Henning Scherf (Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen) Dieter H. Berghöfer (Vorsitzender der Günter Grass Stiftung Bremen) Ursula Bongaerts (Leiterin der Casa di Goethe, Rom) 30. September - 14. Dezember 2002 Bremen, Stadtwaage, Langenstraße 13 Öffnungszeiten: Mittwoch - Sonntag, 12.00 - 17.00 Uhr Eintritt: € 3,- /2 ,-

Schlagworte:

Person:
Goethe Johann Wolfgang; Hugo Victor; Dürrenmatt Friedrich; Weiss Peter
Werke:
Fundsachen für Nichtleser; Mein Jahrhundert; Die Blechtrommel
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
29.09.2002
Aufnahmeort:
Bremen: Stadtwaage (Günter Grass Stiftung Bremen)
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:02:59
Kopie:

Länge der Kopie:
00:03:18
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Teilnehmende:

Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

In gemischter Gesellschaft. Bremen: Stadtwaage (Günter Grass Stiftung Bremen) .

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