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Medienarchiv

DB-Nummer: 614
10.20379/dbvid-0614

Lübecker Werkstattbericht : Sechs Vorlesungen an der Medizinischen Universität Lübeck

Grass, Günter

Literatur für Mediziner Der Schriftsteller und Grafiker Günter Grass im Wintersemester 1997/98 als Gastprofessor an der Medizinischen Universität zu Lübeck Die sechs Vorlesungen: 6., 13., 20. und 27. Januar 1998; 3. und 10. Februar 1998 Der Dichter liest - kurze und lange, alte und neue Gedichte aus dem eigenen Werk, aber auch aus seinen Inspirationsquellen. An seinen Lippen hängen die Zuschauer - der moderne Hörsaal im Klinikum der Uni Lübeck ist bis auf den letzten Platz belegt. Viele reifere Semester, aber auch die, für die das erste Lübecker Literarische Colloquium eigentlich gedacht ist. Track 1: (VHS-Cassette 1) Vorgetragene und kommentierte Werke der ersten Vorlesung: 1. Jakob van Hoddis: Weltende 2. Lichtenstein: Prophezeiung 3. Polnische Fahne 4. Tierschutz 5. Nächtliches Stadion 6. Mißlungener Überfall 7. Prophetenkost 8. Der Kaffeewärmer 9. Mein Radiergummi 10. Onkel, Onkel (letzter Akt) 11. Blechmusik 12. Laurence Sterne: Das Leben und die Meinungen des Tristam Shandy (Anfang des 1. Kapitels) 13. Die Blechtrommel (aus dem Kapitel: Falter und Glühbirne, S. 50ff., die Geburt von Oskar Matzerath) Zweite Vorlesung: Nachruf auf Libusche Monikova 1. Die Blechtrommel (Ende, die letzten zwei Seiten) 2. Kinderlied 3. Im Ei 4. Frost und Gebiß 5. Kleine Aufforderung zum großen Mundaufmachen - oder der Wasserspeier spricht 6. Und was können wir Schriftsteller tun? Offener Brief an Anna Seghers (Anfang) 7. Katz und Maus (Anfang) 8. Hundejahre (aus den Liebesbriefen, die "Hundehüttentage", S. 182ff.) Dritte Vorlesung: 1. Kleine Rede für Arno Schmidt. Laudatio zur Verleihung des Fontane-Preises an Arno Schmidt in Berlin 2. Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos 3. Die Plebejer proben den Aufstand (4. Akt) 4. Mein großes Ja bildet Sätze mit kleinem Nein: Ehe 5. Mein großes Ja bildet Sätze mit kleinem Nein: Advent 6. Aus dem Tagebuch einer Schnecke (Aus dem 8. Kapitel, Porträt Herbert Wehners) ENDE VHS-Cassette 1 DB 614-2a [entspricht VHS-Cassette 2] Vierte Vorlesung vom 27.01.1998, in der es kulinarisch zugehen soll [Beginn Dokument DB 614-2a Lübecker Werkstattberichte] 1. Politisches Tagebuch: In Kreuzberg fehlt ein Minarett (Essays und Reden II, S. 90-92) 2. Grass über die Technik der Radierung 3. Grass über "Der Butt" 4. Worüber ich schreibe 5. Helene Migräne 6. Kot gereimt 7. Klage und Gebet der Gesindeköchin Amanda Woyke (Der Butt, S. 382ff.) 8. Leserbriefe zu "Der Butt", Lektüre im Krankenhaus 9. Ollefritz [Ende 614-2a] DB 614-2b [entspricht VHS-Cassette 2] 10. Andreas Gryphius: Menschliches Elend [Beginn Dokument 614-2b Lübecker Werkstattberichte] 11. Martin Opitz: Von der Widerwärtigkeit des Krieges (Ausschnitt: Die große Sonne hat...) 12. Das Treffen in Telgte [1. Kapitel) (Ende 614-2b] DB 614-2c [entspricht VHS-Cassette 2] Fünfte Vorlesung vom 27.01.1998 1. Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus (Anfang) [Beginn Dokument DB 614-2c Lübecker Werkstattberichte] 2. Schreibpause und Bildhauerei 3. Die Vernichtung der Menschheit hat begonnen - Rede zur Verleihung des Internationalen Antonio-Feltrinelli-Preises für erzählende Prosa in Rom 4. Die Rättin (erstes Kapitel, bis Seite 9) 5. Die Rättin (aus dem 2. Kapitel, Anfang von "Grimms Wälder": Weil der Wald an den Menschen stirbt, S. 48-55) 6. Die Rättin: Mir träumte, ich müßte Abschied nehmen (Anfang des 4. Kapitels) 7. Hinsehen und Aufzeichnen (Essays und Reden, S. 227f.) 8. Ausblick auf "Ein weites Feld", Traum von Ute und Fontane [Ende 614-2c] Sechste Vorlesung – Wo befindet sich diese Vorlesung? Ist es wirklich die 6. Vorlesung? 1. Volker Braun: Das Eigentum 2. Rede vom Verlust (Ausschnitt, Essays und Reden III, S. 369-371) 3. Unkenrufe (Anfang) 4. Ein weites Feld (Ausschnitt aus dem 2. Kapitel: Annähernd schottisch, S. 30-35) 5. Ein weites Feld (Ausschnitt aus dem 29. Kapitel: Vom Denkmal herab gesprochen, S. 502ff.) 6. Über das Sekundäre aus primärer Sicht. Rede zur Verleihung des Großen Literaturpreises der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (Strichfassung) 7. Fundsachen für Nichtleser: 8. Heiter bleiben 9. Heiterer Morgen 10. Rapsblüte 11. Familiärer Versuch 12. Farbenlehre 13. Spargelzeit 14. Kontrastmittel 15. Meine Olivetti 16. Der Stein 17. Seit Grimms Zeiten 18. Kurze Sonntagspredigt 19. Das Beil im Schuppen 20. Geständnis 21. Vorsorglich 22. Meine beweglichen Freunde 23. In diesem trocknen Sommer 24. Kurze Geschichte 25. Wegzehrung ENDE VHS-Cassette 2 DB 614-3 (entspricht VHS-Cassette 3) Danksagung von Günter Grass. Anmerkungen zur Ähnlichkeit von Ärzten und Schriftstellern, schriftstellernden Ärzten wie Alfred Döblin und Gottfried Benn. Ermunterung zum Lesen. Dankrede des Rektors zur Entstehung der Gastprofessor, Zusammenfassung des Gehörten. Diskussion vom 10.02.1998: Grass stellt sich den Fragen 1. Zum Engagement der Schriftsteller und der Jugend sowie der Glaubwürdigkeit von Politikern, die zuhören können müssen, wie Gustav Heinemann und Willy Brandt, zum Scheitern der Weimarer Republik und der Parallele zur Gegenwart. 2. Grass über das glaubhafte Lügen. Beim Butt fiel ihm bei der Arbeit mit historischem Material auf, dass das eigentliche Leben der einfachen Bevölkerung fast nie vorkam. Glaubhaftere Dokumente mussten erfunden werden. Alle Tricks möchte er jedoch nicht verraten. 3. Das Schreiben als einsamer Vorgang, bei dem Grass Publikum imaginiert, etwa seine Mutter. In den letzten zwanzig Jahren liest Ute Grass die fertige dritte Fassung. Auf ein Publikum hin zu schreiben, ist unmöglich. 4. Grass zur Nation, Deutschland und Italien als die verspäteten Nationen. Aufnahmelücke 5. Grass zur Deutschen Einheit 6. Zur Situation der Abschiebehäftlinge, die Rede in der Paulskirche und die Reaktionen von Politikern wie Rita Süßmuth und Norbert Blüm 7. Zur Entstehung neuer Literatur durch den Verlust, Gespräch mit Salman Rushdie über Bombay. 8. Zur Rolle der Einfühlung beim Beruf des Schriftstellers und Hiddensee als Geburtsort seiner Frau Ute. 9. Zu den eigenen Epigonen, zum überkommenen Genie-Begriff und zur Unkenntnis der Deutschen bezüglich ihrer eigenen Klassiker Grass signiert Bücher, nimmt dabei unter anderem Gratulationen zur polnischen Übersetzung der Blechtrommel entgegen. ENDE



Urtitel:
Der Schriftsteller und Grafiker Günter Grass im Wintersemester 1997/98 als Gastprofessor an der Medizinischen Universität zu Lübeck
Anfang/Ende:
614-2a: (BEIFALL) Hier ist noch…wurde. Vielen Dank. (BEIFALL) 614-2b: (BEIFALL) Ich sagte es…Befehle. Vielen Dank. (BEIFALL) 614-2c: (BEIFALL) Wer hätte gedacht…Wochen. Vielen Dank. (BEIFALL, lange Pause) 614-3: (BEIFALL) Bevor wir nun…danke Ihnen noch einmal. (BEIFALL, lange Pause)
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Lesung
Historischer Kontext:

Dr. Hans Wißkirchen, Leiter des Buddenbrook-Hauses in Lübeck und Dozent im Colloquium: Primär an Studierende der Universität, also an Mediziner und Naturwissenschaftler, weil es sicherlich sinnvoll ist, mal den Blick über den Tellerrand hinaus zu richten. Das tun sie heute schon, ganz klar, Günter Grass ist ein Zugpferd, das die Massen bewegt. Bloß - was genau hat eigentlich Medizin mit Literatur zu tun? Das versteh´ ich überhaupt nicht - keine Idee. Aber Günter Grass hat eine Erklärung - kein Wunder, er ist der Initiator des Lübecker Literarischen Colloquiums: Ich meine, die machen ja alle ein Fachstudium - das fordert sie, und das ist auch richtig, und es fehlen die Ergänzungen, und ich glaube, dass die Literatur ein breites, abwechlungsreiches Angebot machen kann, also auch eines, das durchaus auch mit dem Arztberuf zu tun hat - und sehr viele Bücher handeln von... für Krankheit anfälligen Menschen, die gezeichnet sind, und die sich vor Krankheit fürchten, von Krankheit befallen sind. Ein gutes Beispiel hierfür: Thomas Mann, ein weiterer Exportschlager der Hansestadt Lübeck: Nehmen Sie etwa den Zauberberg - der in einem Sanatorium spielt - und da wird im Grunde all das, was die Medizin mit ihren naturwissenschaftlichen, mit ihren medizinischen Methoden analysiert, durchgespielt, auch auf ironische - auf andere Art und Weise - also die Themen werden eben auf andere Art und Weise vorgeführt auch. Bloß wie liest man eigentlich Thomas oder Heinrich Mann oder eben Günther Grass, wie kommt man ´ran an den tieferen Sinn literarischer Werke? Vor allem darum geht es im Lübecker Colloquium, denn die Lesung heute Abend ist nur der Anfang. Noch im laufenden Semester wird´s zusätzlich zu Anatomie und Co. vier literaturwissenschaftliche Seminare geben. Ein gutes Angebot für die Studierenden - sie wissen es - Literatur und Medizin, ja, das passt. Ich muss hier, wie man sieht, total viel lernen, und es ist mal toll, sich auch geisteswissenschaftlich zu beschäftigen - Ich finde, man sollte nicht irgendwie nur so einspurig Medizin...darauf festgefahren sein, sondern doch auch kulturelle Angebote wahrnehmen - und das ist ja sicher auch die Literatur hier - Ja doch, ich find schon das´ses jedenfalls ´ne gute Abwechslung ist, und das man hier auch andere Sachen machen kann an der Uni. Das Studium Generale wird in der ansonsten rein naturwissenschaftlichen Uni Lübeck groß geschrieben. Veranstaltungen rund um die fünf Sinne sind diesen Winter im Angebot, die Literatur steht ganz neu auf dem Plan. Schön, findet Prorektor Prof. Peter Schmucker. Er sieht zwischen Lesen und Heilen noch eine tiefere Verbindung: Es ist sehr wichtig, für die Auseinandersetzung mit der Welt, dass man die Vieldeutigkeit von Zeichen versteht, und es ist geradezu eines der Qualitätskriterien von literarischen, fiktionalen Texten, dass sie vieldeutig sind. Wenn Sie sich ansehen, jedes Krankheitssymptom ist ein Zeichen, ein Zeichen ist vieldeutig, mit anderen Krankheitssymptomen zusammen bildet es einen Text, und es ist entscheidend für die Diagnose, dass dieser Text korrekt gelesen wird, und dass die Vieldeutigkeit nicht übersprungen wird. Im Vordergrund der Literaturveranstaltung stehen die Originaltexte, keine Sekundärquellen. Dr. Dieter Stolz aus Berlin wird in Lübeck Grass lesen mit den Studierenden und hat vor allem ein Ziel dabei: Dass sie wieder Lust gewinnen, genau hinzuschauen, wenn´s um Literatur geht, also sich diesem Abenteuer Literatur zu stellen. Bleibt bloß noch die Frage, ob den Studierenden angesichts der Vielschichtigkeit ihres Stundenplans dazu noch Luft bleibt. Das kann ich noch nicht so sagen, ich bin jetzt Erstsemester, deswegen - äh - weiß man nicht, wie viel man jetzt doch noch zu tun hat, aber wenn sich die Zeit bietet, bestimmt, wär´ sicher interessant, ja - Nein - ich hab´ überhaupt keine Zeit - Ich muss mal gucken, ob ich das schafffe

Schlagworte:

Person:
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Geo:
Düsseldorf; Berlin; Stuttgart; Paris; Danzig; Spanien; Indien; Kalkutta; Heilbronn; Polen; Münster; Osnabrück; Telgte; Wewelsfleth; Asien; China; Rom; Lübeck; Hiddensee; Marienkirche (Lübeck)
Zeit:
1. Weltkrieg; 2. Weltkrieg; 17. Juni 1953; Barock; Westfälischer Frieden; xxx; xxx; xxx; xxx; xxx; Vietnamkrieg
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
06.01.1998
Datumszusatz:
Die 5 Vorlesungen fanden statt am 6., 13., 20. und 27 Januar 1998 und am 3. und 10. Februar.
Aufnahmeort:
Medizinischen Universität Lübeck
Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
DB 614-2a: Tonstörung bei 36:45 bis 36:51
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
VHS
Kopie:

Länge der Kopie:
03:45:09
Tonträger:
DVD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Produktionsnummer:
ISBN 3-88243-618-2
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Grass, Günter: Der Schriftsteller und Grafiker Günter Grass im Wintersemester 1997/98 als Gastprofessor an der Medizinischen Universität zu Lübeck. Medizinischen Universität Lübeck .

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