Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

DB-Nummer: 667

Davor : Premiere am Berliner Schiller-Theater

Grass, Günter

Moderation Härtling: Grass' neues Theaterstück "Davor" hatte in Berlin Premiere; die Kritiken waren "erbittert", "sehr heftig" und "zum Teil spöttisch"; von der APO und jungen Leuten wird Grass' politische Einstellung verurteilt, während Härtling dies gutheißt; vier Prominente Kritiker haben nach der Premiere in einer Diskussion ihre Urteile über "Davor" gefällt, "wiederum sehr heftig" (Härtling); Bericht von der Premiere: Berlins Oberbürgermeister Schütz spricht von einer "schönen Premiere"; die APO "verschläft einen Termin"; der Berichterstatter fasst die Dackelverbrennungsszene zusammen; unter den Premiere-Zuschauern befinden sich u.a. Klaus Schütz, Horst Ehmke mit seiner Frau, Hans Schwab-Felisch und Ernst Schnabel Ausschnitt aus der Aufführung. Diskussion kurz nach der Premiere (5 Gesprächsteilnehmer. V. R. n. L.: Joachim Kaiser, Dieter Hildebrandt, Peter Hamm, George Schlocker, unbekannter Interviewer): Joachim Kaiser: versucht Gründe für die Enttäuschung und die "matte" Reaktion des Publikums zu finden; was im Stück passiert, das "ein reines Hörspiel zu sein scheint", in dem "Gedanken miteinander spazieren gehen" (ein "Dackeldenkspiel"), sei in einen schwer verständlichen Zusammenhang gebracht worden und manchmal sehr derb und direkt; die Resignation sei eine "Mischung aus Weisheit und Alterskitsch"; formal bisher das schlechteste Stück von Grass; Dieter Hildebrandt: der politisch engagierte Grass versuche ein "Argumentationsspiel"; dort setzt er seine eigene Argumentation aufs Spiel; Stück "zwischen den Generationen"; ein Stück "beinah gegen Günter Grass selbst"; Hildebrandt gibt Kaiser Recht, was die theatralische Wirkung betrifft; große Spannung des Stücks aber als "Stück des Dramatikers gegen sich selbst"; Peter Hamm: stört die "nachgemachte Realität" auf der Bühne; "nachgemachte APO" muss zwangsläufig scheitern; für Hamm ist das Stück "unbegreiflich heiter"; Grass verschweige, was es überhaupt für Probleme gibt; nicht einmal zur Hundeverbrennung beziehe er klare Stellung; das Stück stehe "im luftleeren Raum" und provoziert bei Hamm nichts; George Schlocker: "luftleerer Raum" treffe nicht ganz zu; es würden "unendlich viele Türen aufgemacht" in dem Stück; das Stück liefere alle bekannten Argumente; "mangelnde intellektuelle Schärfe"; Pointierung müsse in die Gedanken gelegt werden und "nicht in den aufgesetzten kabarettistischen Spitzen"; Kaiser: nimmt Bezug auf Hildebrandts Meinung, es handle sich um ein Stück über bzw. gegen den Autor selbst: Zusammenhalt des Stücks eigentlich nur hergestellt durch "Anspielungen auf die letzten zehn Reden von Günter Grass"; was Grass' Reden sonst so lebendig mache, könne man hier gar nicht wiederfinden; <Schnitt> Frage an Hildebrandt: "greisenhafte Züge" in diesem Stück? Hildebrandt: nur, wenn man den Generationenwechsel anders versteht; dann aber "positige Greisenhaftigkeit", wegen Erfahrungszuwachs; "einen Mittelweg gehen heißt, einen Spießrutenlauf machen"; auf diese Kunst verstehe sich Grass; Hamm: das schlimmste am Stück sei "diese unglaublich fade, schulmeisterliche Toleranz"; die "wirkliche Intoleranz, die in der Gesellschaft ist", wird auf der Bühne nicht dargestellt, "noch nicht mal verbal"; das sei "diese SPD-Toleranz"; Grass mache sich zum SPD-Sprecher; <Stimmengewirr> Schlocker: in dem Stück mag man die Formel finden "Alles verstehen heißt alles verzeihen"; der Aufruf zum Engagement, den man von Grass kenne, komme aber in dem Stück zum Ausdruck; Kaiser: widerspricht Hamm; stellt sich die Frage, ob das politische Engagement die Phantasie von Grass "beschneidet und verengt"; "Anarchie und Phantasie" der früheren Figuren von Grass gehten verloren. (Endet bei 15:27, dann folgen weitere "kulturelle Berichte und Informationen")



Urtitel:
Frankfurter Studio - Kulturelle Berichte und Informationen. Günter Grass: Davor
Anfang/Ende:
(Trailer, Anmoderation) Guten Abend meine…eine gewisse Tragik.
Genre/Inhalt:
Kultur
Präsentation:
Dokumentation
Historischer Kontext:

Grass' Stück "Davor" ist am Schillertheater in Berlin uraufgeführt worden.

Schlagworte:

Person:
Härtling Peter; Schütz Klaus; Ehmke Horst; Schwab-Felisch Hans; Schnabel Ernst; Schneider Romy
Werke:
Davor
Sach:
APO; Kritik; SPD; Theater; Wirkung; Spannung; Generationenwechsel
Geo:
Berlin
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
18.02.1969
Aufnahmeort:
Berlin, Schiller Theater
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Originallänge:
00:14:30
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
MAZ-Beta
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:15:27
Tonträger:
DVD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
AVI
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Sendereihe:
Frankfurter Studio - Kulturelle Berichte und Informationen
Archivnummer:
44842.000
Produktionsnummer:
2320-0840
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Härtling, Peter (Vorredner(in))
Person:
Kaiser, Joachim (Vorredner(in))
Person:
Schütz, Klaus (Vorredner(in))
Person:
Hildebrandt, Dieter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Grass, Günter: Frankfurter Studio - Kulturelle Berichte und Informationen. Günter Grass: Davor. Berlin, Schiller Theater .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export