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Medienarchiv

DB-Nummer: 783
10.20379/dbaud-0783

Gesprächszeit mit Helmut Frielinghaus

Kogel, Jörg-Dieter; Frielinghaus, Helmut

Jörg Dieter Kogel im Gespräch mit Helmut Frielinghaus Kogel: Ist es ein besonderer Beruf für Frielinghaus, Grass-Lektor zu sein? Frielinghaus: Nur am Anfang; Grass sei sehr freundlich, er habe sich inzwischen mit ihm angefreundet; die Berühmtheit vergesse er meistens; Kogel: Lässt sich Grass überhaupt lektorieren? Frielingshaus: Grass lasse mit sich reden; die Manuskripte seien meist schon sehr ausgearbeitet, er bekomme die dritte Manuskriptversion, die Grass auf seiner Olivetti tippe, zu sehen; Korrektur der Rechtschreibung und dann Diskussion über das Manuskript; Frielinghaus erinnert sich, dass er in "Mein Jahrhundert" eine Geschichte (Willy Brandt in Warschau, Kapitel "1970") nicht mochte; es sei ihm aber nicht gelungen, Grass diese Geschichte auszureden; bei öffentlichen Lesungen sei diese Geschichte dann eine der erfolgreichsten gewesen; Kogel: Wie weit kann ein Lektor in Grass' Texte eingreifen? Frielinghaus: Nur minimale Eingriffe (einzelne Wörter, Satzbau); in den Text selbst greife er nicht ein; Kogel: Wie unterscheidet sich die Lektoratstätigkeit bei Grass von der bei anderen Autoren? Frielinghaus: Mit anderen Autoren sei die Arbeit in der Regel viel schwieriger; ein Lektor müsse sich in einen Text einfühlen; bei anderen Autoren müsse man das umsetzen, was der Autor eigentlich gewollt habe; dies sei bei Grass nicht notwendig; Kogel: Grass ruft bei jedem neuen Buch eine Übersetzerkonferenz ein; wie sehen Frielingshaus' Erfahrungen mit diesen Übersetzerkonferenzen aus? Frielinghaus: Sehr angenehme Erfahrungen; Einladungen in der Regel nach Lübeck; beim letzten Buch "Im Krebsgang" Treffen von über 20 Übersetzern in Lübeck; Grass sei immer dabei, Frielinghaus moderiere; Grass sei immer gesprächs- und auskunftsbereit, er gehe liebevoll mit den Übersetzern um; zusammen gehe man das Manuskript Seite für Seite durch; zwischendurch ermuntere Frielinghaus sie, auch 'dumme' Fragen zu stellen; [Musik von 9:54 bis 13:21] Im weiteren Verlauf folgende Themen: - 11. September 2001 - Frielinghaus in New York (7 Jahre) - Gründe für die Rückkehr nach Deutschland - Beiträge von Frielinghaus über den 11. September und die Folgezeit in der NZZ - Gründe für Aufenthalt in New York Frielinghaus: erinnert sich an die gute Zusammenarbeit mit Grass bei "Ein weites Feld"; dieser Roman, der in den negativen Kritiken untergegangen sei, müsse noch einmal neu entdeckt werden; mit Grass verbinde ihn die Zugehörigkeit zur gleichen Generation; Kogel: Wie ist Grass' Erfolg in den USA? Frielinghaus: Sehr großer Erfolg, der aber in Kurven verlaufe; die "Danziger Trilogie" werde als Hauptwerk angesehen, dies habe sich aber in den letzten Jahren geändert; "Ein weites Feld" sei mit großem Respekt zur Kenntnis genommen worden und habe sich sehr gut verkauft; "Mein Jahrhundert" sei ein sehr großer Erfolg gewesen in New York, ebenso bahne sich ein Erfolg mit "Im Krebsgang" an; in den Buchhandlungen seien Grass' Werke sehr präsent. Weitere Themen dann: - Werdegang von Frielinghaus als Leser und Lektor - Auslandsaufenthalte in den 1950er Jahren - Leben in Madrid für fünf Jahre als Buchhändler - Tätigkeiten als Übersetzer _____________ Track 2: [Musik von Anfang bis 3:35 min.] Fortsetzung des Gesprächs: Themen: - Rückkehr nach Deutschland - Arbeit für den Rowohlt-Verlag - Freundschaft und Arbeit mit Heinrich Maria Rowohlt-Ledig - Entwicklung der Verlagsbranche in den letzten fünfzig Jahren - Veränderungen im Beruf des Lektors - Veränderungen des Buchmarktes [Musik von 17:00 min. bis 20:08 min.] Themen: - Frielinghaus als Verlagschef in Düsseldorf - Arbeit für den Luchterhand Verlag ab 1987 Frielinghaus: nach dem Wechsel zu Luchterhand Diskussionen zur bevorstehenden Deutschen Einheit, an denen sich Grass sehr rege beteiligt habe; damit sei Grass wieder in die engagierte politische Arbeit eingestiegen; Grass habe viele Artikel geschrieben und Reden gehalten; in dieser Zeit habe die intensive Zusammenarbeit mit Grass begonnen; 1991 gemeinsames Ende der Arbeit bei Luchterhand; seitdem ist Frielinghaus nicht mehr angestellt, sondern freier Lektor; Kogel: Sind Frielinghaus und Grass über die Jahre der Zusammenarbeit Freunde geworden? Frielinghaus: bestätigt; Kogel: Ist die Arbeit mit Grass ein Schlussstein der Karriere von Frielinghaus? Frielinghaus: stimmt zu; er arbeite aber auch immer noch gerne mit jungen Autoren zusammen; Kogel: Arbeitet Grass an einem neuen Buch? Frielinghaus: Grass habe angekündigt, dass Frielinghaus sich etwas ansehen solle…



Urtitel:
Gesprächszeit
Anfang/Ende:
Track 1: (Anmoderation) Am Mikrofon ist…September in New York; Track 2: (MUSIK) Ein Auszug aus…Vielen Dank, Danke.
Genre/Inhalt:
Kultur
Präsentation:
Gespräch
Schlagworte:

Person:
Brandt Willy; Unseld Siegfried; Wagenbach Klaus; Krüger Michael; Rowohlt-Ledig Heinrich Maria; Nabokov Vladimir
Werke:
Mein Jahrhundert; Im Krebsgang; Ein weites Feld
Sach:
Lektorat; Manuskript; Übersetzung; Übersetzertreffen; Übersetzerkonferenz
Geo:
Warschau; Lübeck; Behlendorf; New York; USA; Madrid; Bremen; Braunschweig
Zeit:
1950er Jahre
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
21.04.2003
Aufnahmeort:
00:
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Anmerkung Qualität:
Enthält Musik! Ton sehr leise und Hintergrundpiepen
Original:

Originallänge:
00:57:39
Analog/Digital:
reformatted digital
Kopie:

Länge der Kopie:
00:57:40
Tonträger:
MC
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Sendereihe:
Gesprächszeit
Teilnehmende:

Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Interviewpartner)
Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Autor(in))
Person:
Frielinghaus, Helmut (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

Kogel, Jörg-Dieter / Frielinghaus, Helmut: Gesprächszeit. 00: .

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