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Medienarchiv

DB-Nummer: 784
10.20379/dbaud-0784

Als ich 32 Jahre alt war, wurde ich berühmt : Eine akustische Collage

Intemann, Gabriele; Schmitz-Köster, Dorothee; Weber, Walter; Blum, Gabriele

Manuskript ist mit Vorsicht zu genießen! Es ist zuweilen ungenau bis fehlerhaft: Die Musik stammt aus "Da sagte der Butt", der erste Abschnitt "Der Ruhm" ist keinem Gespräch, sondern "Aus dem Tagebuch einer Schnecke" entnommen. (A. Weyer) Manuskript Musik: Baby Sommer CD: Der Butt Der Ruhm "Als ich 32 Jahre alt war, wurde ich berühmt. Seitdem beherbergen wir den Ruhm als Untermieter. Er steht überall rum, ist lästig und manchmal nur mit Mühe zu umgehen. (...) Besucher, die glauben, mich zu meinen, blicken sich nach ihm um. Nur weil er so faul und meinen Schreibtisch belagernd unnütz ist, habe ich ihn in die Politik mitgenommen und als Begrüßgustav beschäftigt. Das kann er. Überall wird er ernst genommen, auch von meinen Gegnern und Feinden. Dick ist er geworden. Schon beginnt er sich selbst zu zitieren. Oft leihe ich ihn gegen geringe Gebühr für Empfänge und Gartenfeste aus. Hübsch, was er hinterher zu erzählen weiß. Er läßt sich gerne fotografieren, fälscht meisterlich meine Unterschrift und liest, was ich kaum anlese: Rezensionen und Feuilletons. (...) Die Zahl der Freunde wird, je berühmter man wird, entsprechend geringer. Es lässt sich nicht ändern: Der Ruhm vereinzelt. Dort, wo er hilft, besteht er darauf, geholfen zu haben. Ich will nicht von Neid, Hass und ähnlichen Teilhabern des Ruhmes sprechen. Auch das Körnchen Bitterkeit will ich nicht wuchern lassen. Ich will den Ruhm langweilig und nur selten nützlich nennen. (Blenden) ["Über mich", Gespräch mit Ekkart Rudolph (SDR 1971)] Blechtrommel (Filmzitat) Ich erblickte das Licht dieser Welt in Gestalt zweier Sechzig-Watt-Glühbirnen. .... Bis auf den obligaten Dammriß verlief meine Geburt glatt. Mühelos befreite ich mich aus der von Müttern, Embryonen und Hebammen gleichviel geschätzten Kopflage. Damit es sogleich gesagt sei: Ich gehörte zu den hellhörigen Säuglingen, deren geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur noch bestätigen muß. So unbeeinflußbar ich als Embryo nur auf mich gehört und mich im Fruchtwasser spiegelnd geachtet hatte, so kritisch lauschte ich den erste spontanen Äußerungen der Eltern unter den Glühbirnen ... Äußerlich schreiend und einen Säugling blaurot vortäuschend, kam ich zu dem Entschluss, meines Vaters Vorschlag, ... was das Kolonialwarengeschäft betraf, schlankweg abzulehnen, den Wunsch meiner Mutter jedoch zur gegebenen Zeit, also anläßlich meines dritten Geburtstags, wohlwollend zu prüfen ... nur die in Aussicht gestellte Blechtrommel hinderte mich damals, dem Wunsch nach Rückkehr in meine embryonale Kopflage stärkeren Ausdruck zu geben. Zudem hatte die Hebamme mich abgenabelt; es war nichts mehr zu machen. [GWA 3, Ausschnitte aus S. 52-55] Oskar arbeitet für mich (Interview) Ich lebe seit ein paar Jahren eigentlich nur, also vorherrschend nur von der Blechtrommel, also Oskar Matzerath arbeitet für mich. (Frage: Und kann man sagen, recht gut?) Ja, ich brauch ihm gar nichts sagen, er macht das von ganz alleine und ... es ist eine wechselseitige Beziehung. Bestandsaufnahme (Interview Bienek, NDR 1962) Der Reichtum (Lesung/Prosa) "Ich könnte mir, wenn ich alles zusammenkratzen wollte, hier in Berlin eine der kleineren so gut wie leerstehenden Kirchen kaufen, dann meine gekaufte Kirche in ein Gasthaus verwandeln, das in Anlehnung an die päpstliche Bank des Heiligen Geistes heißen könnte. Alles gäbe es dort zu essen, was ich selber gerne koche und esse: Hammelkeule und Linsen, Kalbsnieren auf Sellerie, Aal grün, Kutteln, Miesmuscheln, Fasan mit Weinkraut, Saubohnen und Spanferkel, Erbsen-, Fisch-, Lauch- und Pilzsuppen, am Aschermittwoch Lungenhaschee und zu Pfingsten ein mit Backpflaumen gefülltes Rinderherz. Denn soviel lässt sich über mich sagen: Ich lebe gerne." ["Über mich", Gespräch mit E. Rudolph (SDR 1972)] Meine alte Olivetti ist Zeuge, wie fleißig ich lüge und von Fassung zu Fassung der Wahrheit um einen Tippfehler näher bin. Fundsachen für Nichtleser (RB 1998) Der besessene Leser Ich las auf besondere Weise: mit den Zeigefingern in den Ohren. Erklärend muß dazu gesagt werden, daß meine jüngere Schwester und ich in beengten Verhältnissen, nämlich in einer Zweizimmerwohnung, also ohne eigene Kammer oder sonst einen noch so winzigen Verschlag aufgewachsen sind. Auf Dauer gesehen war das für mich von Vorteil, denn so lernte ich früh, mich inmitten von Personen und umgeben von Geräuschen dennoch zu konzentrieren. Wie unter einer Käseglocke aufgehoben, war ich so ans Buch und dessen erzählte Welt verloren, daß meine Mutter, die zu Scherzen neigte, nur um einer Nachbarin die gänzliche Absenz ihres Sohnes zu beweisen, eine Butterstulle, die neben meinem Buch lag und in die ich ab und zu biß, gegen ein Stück Seife - nehme an, Palmolive - eintauschte, woraufhin beide Frauen - meine Mutter mit gewissem Stolz - Zeugen wurden, wie ich, ohne den Blick vom Buch zu lösen, nach der Seife griff, zubiß und kauend eine gute Minute brauchte, um aus dem gedruckten Geschehen geworfen zu werden. [CD Grass/Böll: Nobelvorlesungen] Erinnerung an Danzig Von Gewicht glaub ich schon sind diese frühen prägenden Eindrücke, die natürlich bei mir auch noch - ich war 11 Jahre alt bei Kriegsbeginn - Gewicht bekommen haben durch den Einbruch von Gewalt in eine kindliche, bis dahin wie unbeschadete Welt. Dieser Onkel, der auf der polnischen Post gearbeitet hat, ein sehr liebenswerter Mann, der zur Familie gehörte, gehörte zu den Verteidigern der Post und wurde standrechtlich erschossen. Das brach in die Familie hinein, das wurde dann verschwiegen, es war nicht mehr opportun, halbkaschubisch zu sein. Der Kontakt mit dem Kaschuben, die es ja weiterhin gab, jetzt war nicht mal mehr eine Grenze zwischen dem Freistaat und Polen dazwischen, sondern es ging über in den sogenannten Reichsgau Danzig Westpreußen, wurde zwar von meiner Mutter weiterhin gehalten, aber doch mehr oder weniger verschämt. [Erinnerung an Danzig (SDR 1990)] Jugend gegen Erwachsene Wir waren prinzipiell gegen alles Erwachsene, ganz gleich, woher es kam. Die Erwachsenenwelt zeigte sich natürlich sehr oft in Parteiuniform, deswegen war ein bestimmter Typ, den wir den Goldfasan nannten, der Parteifunktionär, der nicht Soldat war, der sich um den Frontdienst drückte, aber das Maul zu Hause aufriss, das war eigentlich für uns der Prototyp des Erwachsenen. An dem wir uns gerieben haben, aber niemals im politischen Sinn, sondern nur, weil es sich um Erwachsene handelte. Es war eine Aggression aus dem Alter heraus, die sich eigentlich auch nach der Kapitulation fortsetzte. Da brach dann wieder ein ganz anderes Bild zusammen. Ich habe dann gleich, sowie die Amerikaner, ich war im Lazarett, weil ich noch bei Berlin verwundet wurde, und hab dann erlebt, wie im ersten Gefangenenlager deutsche Offiziere, die vorher ja das Erziehungsbild, überhaupt das Bild des Mannes sehr bestimmt hatten, hemmungslos hinter amerikanischen Zigarettenkippen hinterher sprangen, die Müllkästen nach Essbarem durchwühlten ... Es brach also ein zweites Bild des Erwachsenen zusammen. Und das multiplizierte die Aversion, das Mißtrauen gegen die Erwachsenen, die Skepsis. Und das ist mir geblieben, die Skepsis gegen jede Ideologie. [Als ich 17 war ... (RB 1968)] Der Dichter Böse, wie nur eine Sütterlinschrift böse sein kann, verbreitet er sich auf liniertem Papier. Alle Kinder können ihn lesen und laufen davon und erzählen es den Kaninchen, und die Kaninchen sterben, sterben aus - für wen noch Tinte, wenn es keine Kaninchen mehr gibt! [Gleisdreieck (RB 1960)] Schreiben nach 1945 Wenn ein Autor in den fünfziger Jahren, meiner Generation, anfängt zu schreiben, dann ist er von vornherein jemand, der in jungen Jahren schon mehrmals gebrochen wurde, dessen politisch-ideologisch vorgewärmte, vorgeformte Welt spätestens 45 zerbrach oder frühestens - bei mir oder bei anderen hat es Jahre gebraucht, um die letzten Reste davon abzuschütteln, eine Auseinandersetzung damit. Also musste das auch in den Schreibprozess hinein, musste diese Gebrochenheit zum Stilmittel werden. Und etwas ganz Wichtiges alle drei Bücher betreffend - "Blechtrommel", "Katz und Maus" wie "Hundejahre" - ist natürlich der Umgang mit etwas Verlorenem, absolut Verlorenem, aus politischen Gründen Verlorenen. ['Werkstattgespräche', Langfassung RB 1998] Lyrikpreis SDR 1955 Der dritte Preis fiel an den in Berlin lebenden Schriftsteller und Bildhauer, Herrn Günter Grass für sein Gedicht "Lilien aus Schlaf". Das Preisgericht fand für dieses Gedicht das folgende Urteil: Zunächst erscheint das Gedicht "Lilien aus Schlaf" von Günter Grass voll widerspruchsreicher Assoziationen. Sie stammen aus dem Unterbewusstsein, aus einer Traumsphäre, in deren Bildern Bedrängendes und Beseligendes sich unablässig überkreuzt. Alles wird verschlüsselt. Unterhalb eines scheinbar zerstörten logischen Zusammenhanges aber wird die Vielfalt der Bilder durch magische Analogien und Kontraste zur Einheit gebunden. Die beziehungsreiche Sprache bezwingt durch ihre rhythmische Bildfolge und die geheimnisvollen Zwischentöne. [1. Lyrikwettbewerb des SDR 1955: Begründung für die Vergabe des 3. Preises an Günter Grass durch Dr. Fritz Eberhard (Intendant, SDR)] Entdeckung als Autor Meine Frau hat eines Tages in der Frankfurter Allgemeinen eine Kulturnotiz gelesen, da stand drin, dass der Süddeutsche Rundfunk einen Gedicht, einen Lyrikwettbewerb ausgeschrieben hat. Und da hat sie drei Gedichte von mir eingeschickt und daraufhin bekam ich den dritten Preis und war somit entdeckt. [Bestandsaufnahme (Bienek, NDR 1962)] Steinmetzlehre und Kunstakademie Mit 15 Jahren steckte ich in Uniform, war ich Luftwaffenhelfer, mit 16 Jahren kam ich zum Arbeitsdienst, anschließend zum Militär. (...) Und ich war dieser Schulzeit entwachsen und habe mich dann anschließend mehr praktischen Aufgaben zugewendet, hab ein Jahr im Kalibergwerk gearbeitet: (...) Koppeljunge nannte man das. Ich war damit beschäftigt also die Kaliloren miteinander anzukoppeln, dafür zu sorgen, dass bei dem Transport der Kalizüge auf der Förderlore die Wettertüren immer geöffnet waren. (0:32) (...) Und hinterher habe ich eine Steinmetz- und Steinbildhauerlehre begonnen, (...) eine Praktikantenzeit, weil ich wie viele ja nach dem Krieg, die etwas älter waren, nicht die normale Lehrzeit machen mussten, sondern mit einer kürzeren Zeit fertig wurden. Und als ich das abgeschlossen hatte, ging ich dann auf die Kunstakademie Düsseldorf als Bildhauer. (...) Dort war ich bis Ende 1952. Dann erst habe ich Wohnort und Lehrer gewechselt und ging dann sehr bewusst (...) von Düsseldorf nach Berlin zu Karl Hartung (?) auf die Hochschule für bildende Künste und blieb dort bis '56. [Stimme etwas oben] (1:06) ["Über mich", Gespräch mit Ekkart Rudolph (SWR 1971)] Vertrockende Plastiken Ich habe seit 1956, also als mein erster Gedichtband dann da war, da habe ich die Bildhauerei weitergemacht. Dann ging ich nach Paris, und als ich mit dem Manuskript der Blechtrommel begann, vertrockneten alle Plastiken. Das ist ... beide Arbeitsvorgänge, das epischen Schreiben und die Bildhauerei ... ist auch ein epischer Vorgang, das geht nicht zusammen. [Interview mit Halstenberg, 1986] Der Stein den ich wälze, ist nicht mein Eigentum. Auf Zeit und gegen Gebühr verleiht ihn die Firma Sisyphos in verschieden gewichtigem Format; und neuerdings gehören faltbare Steine, die bei Bedarf aufzublasen sind, günstig zum Angebot. [Fundsachen für Nichtleser (RB 1998)] Frühe Förderer Ich hab also in meinem Fall außer Walter Höllerer, der mich sehr unterstützt hat, in jeder Beziehung, und meine ersten Gedichte gedruckt hat und indem er mir auch mit Hilfe der Akzente auch finanziell geholfen hat, dass ich die Blechtrommel überhaupt schreiben konnte, ich mußte deswegen also keinen Vorschuss vom Verleger aufnehmen, seh ich eigentlich in meinem Fall keinen einzigen Manager, der sich da so ... Im Gegenteil, mehr Leute, die der Sache mit Skepsis begegneten. Die Gruppe 47 natürlich ist eine Art Sprungbrett, aber auch dort kann man nicht von Management sprechen, denn die Kritik ist doch so scharf, dass eigentlich ... [Bestandsaufnahme (Bienek) (1962)] Gruppe 47 "Es darf nur aus unveröffentlichten Manuskripten gelesen werden. An die Lesung schließt sich sofort oder nach einer kurzen Pause die Diskussion an. Der Vorlesende darf sich zu dem vorgelesenen Text nicht äußern, darf also seinen Text nicht verteidigen, Er ist dadurch in einer bevorzugten Lage, denn ein Schriftsteller, der seinen Text verteidigt, blamiert sich meistens. Die Diskussion bleibt ganz im Auditorium...." [Deutsch-lateinamerikanisches Schriftstellerkolloquium, DW 1967] Die Blechtrommel Meine Großmutter Anna Bronski saß an einem späten Oktobernachmittag am Rande eines Kartoffelackers. Am Vormittag hätte man sehen können, wie es die Großmutter verstand, das schlaffe Kraut zu ordentlichen Haufen zu rechen, mittags aß sie ein mit Sirup versüßtes Schmalzbrot, hackte dann letztmals den Acker nach, saß endlich in ihrem Rock zwischen zwei fast vollen Körben. Vor senkrecht gestellten, mit den Spitzen zusammen strebenden Stiefelsohlen schwelte ein manchmal asthmatisch auflebendes, den Rauch flach und umständlich über die kaum geneigte Erdkruste hinschickendes Kartoffelkrautfeuer. Man schrieb das Jahr 99, sie saß im Herzen der Kaschubei, nahe bei Bissau, noch näher der Ziegelei, vor Raumkau, hinter Viereck, in Richtung der Straße nach Brenntau, zwischen Dirschau und Karthaus, und schob mit einem an der Spitze verkohlten Haselstock Kartoffeln unter die heiße Asche. [Die Blechtrommel (BR 1958)] Katholische Buchhändler Ich bekomme ab und zu Briefe von katholischen Buchhändlern, die mir sagen, dass sie zu Anfang die Blechtrommel überhaupt nicht verkaufen wollten. Dann haben sie aber doch verkauft und sehen sie aber nach der Novelle überhaupt keinen Grund mehr, sie zu verkaufen und dass sie sich auch noch weitere Schritte, geeignete Schritte sagen sie zumeist, überlegen wollen. Und dass man zum Boykott aufruft. Nun ist es aber gottseidank so, dass auch katholische Buchhändler gerne Geld verdienen und dieser Boykott nach einer gewissen Zeit nicht mehr aufrecht erhalten wird und das läßt mich für die katholischen Buchhändler und auch für die Zukunft meiner Bücher hoffen. [Bestandsaufnahme (Bienek, NDR 1962)] Von "Blechtrommel" zu "Hundejahre" Die "Blechtrommel" kann man gerne als ‚Wurf' bezeichnen, mit dem Ich-Erzähler, der die Antiposition zu sich selbst auch noch herstellt und erfindet, indem er von Oskar in der dritten Person spricht und es ist der für ihn durchlebte und überschaubare Raum. Die "Hundejahre" holen weiter aus. Ein Autorenkollektiv, zwei Autoren der älteren Generation, die also auch noch in der Weimarer Republik tätig sind, ihre Kindheit gemeinsam an der Weichselmündung erlebt haben: Matern, der als Sohn eines Müllers in Nickelswalde aufwächst und auf der gegenüberliegenden Seite Eddie Amsel, der Sohn eines jüdischen Krämers, kugelrund, beide sind befreundet. Und dieser Eddie baut von Jugend an Vogelscheuchen und in diesem Weichselanbaugebiet findet er auch Abnehmer dafür, während Matern ein düsterer, in sich gekehrter Junge ist, zur Gewalttätigkeit, aber auch zu merkwürdigen Freundschaftsbezeugungen und Zärtlichkeiten neigt. Die treten als ... Amsel als Erzähler des ersten Buches auf. Das ganze Weichselmündungsgebiet ist Grundlage. Und das ist aus der Perspektive eines Jüngeren - Harry Liebenau - erzählt, der meiner Generation angehört. Und im dritten Teil, im Nachkriegsteil ist dann Matern, der alle Ideologien durchlaufen hatte, als nun erklärter Antifaschist rächerisch tätig in seinen ‚Materniaden'. [Langfassung von 'Werkstattgespräche', RB 1998] Hundejahre Es war einmal ein Führer und Reichskanzler, der beging am 20. April 1945 seinen 56. Geburtstag. Da an jenem Tage das Zentrum der Reichshauptstadt und also das Regierungsviertel mit der Reichskanzlei zeitweilig unter Artelleriebeschuss lag, fand die schlichte Feier im Führerbunker statt. [...] Als die Gratulanten ihre Glückwünsche vorgetragen hatten, blickte der Führer und Reichskanzler sich suchend um, als fehlte ihm noch ein letzter und notwendiger Gratulant: "Wo ist der Hund?" Sogleich begann die Geburtstagsgesellschaft den Lieblingshund des Führers zu suchen. "Prinz!" wurde gerufen. "Hierher Prinz!" Des Führers persönlicher Adjutant, SS-Hauptsturmführer Günsche, durchkämmte den Garten der Reichskanzlei, obgleich dieses Gelände nicht selten von Artillerieschlägen gezeichnet wurde. Im Bunker wurden viele unsinnige Vermutungen laut. Jeder wußte Vorschläge zu unterbreiten. Als einziger erfaßte SS-Obergruppenführer Fegelein die Situation. Er griff, vom Oberst von Below sogleich unterstützt, zu Telefonen, die den Führerbunker mit allen Stäben und dem Wachbatallion rings um die Reichskanzlei verbanden: "An Alle! An Alle! Hund des Führers wird vermißt. Hört auf den Namen Prinz. Deckrüde. Schwarzer deutscher Schäferhund Prinz. Verbinden Sie mich mit Zossen. Weisung an alle: Des Führers Hund wird vermißt. [Hundejahre (NDR 1962)] Politisches Engagement Der äußere Anlass, mich politisch zu engagieren, hatte mit Literatur direkt wenig zu tun. Ich kam 1960 zurück aus Paris und erlebte ein Jahr später, 1961, als die Mauer gebaut wurde und Willy Brandt zum ersten Mal als Bundeskanzler für die SPD kandidierte, dass eine abscheuliche Diffamierungswelle gegen ihn lief, ausgelöst von dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer, in Regensburg. Auf einer Rede hat er es zum ersten Mal ausgesproche, die Diffamierung der deutschen Emigration, zusätzlich noch Brandt als uneheliches Kind. Diese Diffamierung ist sehr wirkungsvoll gewesen und ich weiß es aus eigener Erfahrung und wir können es in der Literatur nachlesen: Der Diffamierte kann sich selbst schlecht wehren. Deswegen hab ich es unter anderem als eine Aufgabe des Schriftstellers angesehen, auch nach französischem Vorbild, hier den Part des Diffamierten zu ergreifen und ihn zu verteidigen. Und damit begann eigentlich meinen Zusammenarbeit. Das ging dann weiter. Ich bin zwar immer vom Wahlgang her und von meiner politischen Überzeugung her Sozialdemokrat gewesen, aber offen hab ich es vorher nicht getan. [Vom Phantastischen zum Politischen (Interview mit Klaus Colberg, 1971)] Warum SPD? Ich sagte vorhin, dass ich als Schriftsteller gleichwohl Bürger bin, deshalb beschränkte sich meine politische Arbeit nicht auf das wohlfeile Verfassen und Unterschreiben von Resolution, sondern rieb sich oft bis zum Verschleiß am politischen Alltag und seinen Wechselfällen. Von keinerlei Glauben geschlagen und ohne Heilslehre auf der Zunge, begann ich nach nüchterner Prüfung der Alternativen die sozialdemokratische Partei zu unterstützen. Demnach entschied ich mich für den langsamen parlamentarischen Weg, für das unveräußerliche Recht auf Opposition und handelte aus der Erkenntnis, dass es nicht nur eine Wahrheit und eine Wirklichkeit gibt, dass vielmehr mehrere, demnach relative Wahrheiten und Wirklichkeiten miteinander wettstreiten und sich tolerieren müssen. Solch liberale Einsicht schloss nicht aus, dass sich Verlauf langjähriger politischer Nebenarbeiten die Einsicht verfestigte, es könne mit Vorrang der demokratische Sozialismus in der Lage sein, dem Menschen jenes Mehr an sozialer Gerechtigkeit, also die gesetzliche Garantie chancengleiche Entwicklung und das Recht auf Mitbestimmung erkämpfen, das ihm bislang von den vorherrschenden Systemen - hier von den privatkapitalistischen westlicher Prägung, dort von staatskapitalistischen kommunistischer Prägung - vorenthalten worden ist. [Rede vor dem Europaratssymposium in Florenz 1973] Wahlkampf 1965 in Braunschweig Zwei private Wahlredner bereisen zur Zeit die Bundesrepublik. Eines haben sie gemeinsam: Sie halten es für ein Unglück, wenn Ludwig Erhard weiterhin die Richtlinien der Politik bestimmen wird. Der eine Privatreisende, unser Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer (Lachen), hilft gegen seinen Willen der SPD, der andere bin ich (Lachen). Bürger der Stadt Braunschweig, kein Kandidat spricht zu ihnen, sondern jemand, der am 19. September nicht wählen darf, weil er in Berlin wohnt. Grund genug meine ich, den Mund aufzumachen und anzuklagen. Grund genug, seinen Koffer zu packen und den Chor der Wahlredner mit einen Zwischentönen aus dem allzu selbstsicheren Konzept zu bringen. Also ein Störenfried auf Missionsreise? Nein, hier spricht jemand zu Ihnen, dem es wie allen Berlinern auf den Nägeln brennt, wenn in Bonn ein schwacher Bundeskanzler einerseits das Zögern und Zaudern zum Prinzip erhebt und andererseits seinen restlichen Willen dahin verschwendet, an der Macht zu bleiben, um jeden Preis an der Macht zu bleiben." [Dich singe ich Demokratie, Lesung im Audimax der Technischen Hochschule Braunschweig, NDR 1965] So macht man das "Aha! Ruckzuck" So macht man das, gelernt ist gelernt" [CD Grass/Baby Sommer: Der Butt] Büchnerpreis 9.10.1965 (ATMO) Grass: Meine Damen und Herren ... Etwas vergessen? ... (ATMO) Präsident (Akademie für Sprache und Dichtung): Das war ein kleines Versehen. Aber Sie sehen, wie gutartig Günter Grass ist. Er wollte sich schon für den Preis bedanken, ehe er ihn hat. Ich verlese die Urkunde: Die ‚Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung' verleiht den Georg-Büchner-Preis 1965 an Günter Grass für sein Werk in Lyrik und Prosa, worin er kühn ausgreifend und kritisch das Leben unserer Zeit darstellt und gestaltet. (BEIFALL) [Büchnerpreis-Rede(RB 1965)] Örtlich betäubt Einer meiner Schüler hat einen Plan. Hören Sie sich das an. Nach der Stunde kommt der Junge zu mir und sagt: Ich hab was vor. Ich darauf: Darf ich wissen, was? Etwa auswandern? Er: Ich werde meinen Hund verbrennen. Ich machte 'Soso', was uach hätte heißen können: Was Sie nicht sagen. Er wurde genauer: Auf dem Kudamm, vor dem Kempinski. Und zwar am Nachmittag, wenn da Betrieb ist. Jetzt hätte ich abwinken sollen. (Ihre Sache, Scherbaum) Einfach Kehrtmachen. (Was soll der Unsinn?) Aber ich blieb: Und warum gerade dort? -Damit die kuchenfressenden Topfhüte was zu sehen bekommen. - Ein Hund ist nicht zum Verbrennen da. - Menschen auch nicht. - Zugegeben. Aber warum ein Hund? - Weil die Berliner Hunde am meisten lieben. - Und warum Ihren Hund? - Weil ich an Max hänge. - Also ein Opfer? - Ich nenne das: Demonstrative Aufklärung. - Ein Hund brennt nicht so einfach. -Ich werde ihn mit Benzin übergießen. - Aber ein Tier. Es handelt sich um ein Tier. - Benzin kriege ich noch. Ich werde die Presse, das Fernsehen hinbestellen und ein Schild malen: Das ist Benzin und kein Napalm. Die sollen das sehen. Und Max wird, wenn er brennt, laufen. Auf die Tische zu mit dem Kuchen drauf. Vielleicht fängt was Feuer. Vielleicht begreifen sie dann ... -Was sollen sie begreifen? - Na wie das ist, verbrennen. - Totschlagen wird man Sie. - Schon möglich. - Wollen Sie das? Nein. [Örtlich betäubt - Lesung (NDR 1969)] Jugendprotest 66/67 1966 kommen die ersten, in Berlin, Antivietnam-Proteste. 67 steigert sich das dann, also dort entwickeln sich diese Streitgespräche und diese Bewegungen zu allererst und das greift dann um sich und hatte voll und ganz Berechtigung, doch schon nach kurzer Zeit ging es nicht mehr um gesellschaftliche Veränderungen, sondern in der Stillage eines Seminar-Marxismus um eine Revolution, für die jegliche Gundlage fehlte - und das in einem Deutsch vorgetragen, das außer einem Teil der Studenten niemand verstand. Auch hier wieder die Hochmutsgeste den Arbeitern gegenüber, die von jungen Menschen, die auch erst seit jüngster Zeit sich politisch engagierten, aufgeklärt werden sollten. Und das stieß natürlich auf Widerstand. [Langfassung 'Werkstattgespräche' RB 1998] Aus gewerkschaftlicher Sicht Lange glaubte ich, Hammer zu sein, doch der Amboß, der im Schatten meiner Werkstatt vor sich hin rostet, will, daß ich mich klassenbewußter erleide. [Fundsachen für Nichtleser (RB 1998)] Worüber ich schreibe Über das Essen, den Nachgeschmack. Nachträglich über Gäste, die ungeladen oder ein knappes Jahrhundert zu spät kamen. Über den Wunsch der Makrele nach gepresster Zitrone Vor allen Fischen schreibe ich über den Butt Ich schreibe über den Überfluß Über das Fasten und warum es die Prasser erfunden haben. Über den Nährwert der Rinden vom Tisch der Reichen. Über das Fett und den Kot und das Salz und den Mangel. [CD Grass/Baby Sommer: Der Butt] Der Butt: Ernährung Es ist sicher so, dass ich das ernährungspolitische Thema oder ernährungsgeschichtliche Thema als episches Grundmuster habe. Es beginnt in der Jungsteinzeit und reicht bis in die Gegenwart. Ich versuche, das, was in unserer Geschichtsschreibung entweder überhaupt nicht vorkommt oder zu kurz kommt - das ernährungshistorische und auch der Anteil der Frauen in unserer Geschichte, all das, was unterschlagen wird - hier mit den Mitteln eines Erzählers nachzuliefern. Ich glaube in der Tat, dass also die Einführung der Kartoffel in Preussen und anderswo und damit die Ablösung der Hirse als Hauptnahrungsmittel im 18. und 19. Jahrhundert mehr verändert hat als der Siebenjährige Krieg und alle anderen gloriosen Daten, die uns in Geschichtsbüchern überliefert worden sind. Ich glaube, dass die Ernährungsfrage die zentrale Frage unserer Zeit ist, wenn wir nicht die Augen verschliessen wollen vor der Tatsache, dass über die Hälfte der Weltbevölkerung permanent unterernährt ist und zum gleichen Zeitpunkt haben wir ein Höchstmass an technischem know-how, an technologischem Fortschritt auf allen möglichen Gebieten erreicht - wir sind in der Lage den Mond zu bewandern etc. und sind aber nicht in der Lage auf der anderen Seite, die Weltbevölkerung zu ernähren. Das hat es in den zurückliegenden Jahrhunderten in diesem katastrophalen Ausmaß nicht gegeben. Das ist, glaube ich, eine Bankrotterklärung des menschlichen Vermögens. [Über "Der Butt" (DW 1976)] Die Rättin Protagonist: Die Ratten sind aus ihren Löchern gekrochen, zu tausenden. Im Mittelalter folgten darauf Pest und Cholera und Weltuntergang. Warum, Rättlein, warum seid ihr gekommen? Warum? (unverständliches Rattenwelsch) Was ist, was sagst du? (unverständliches Rattenwelsch) Sprich deutlich. Ich kann dein Rattenwelsch nicht verstehen. Ratte: Schluß. Aus. Wir sind gekommen, euch zu warnen. Doch nichts begreift ihr. Nennt uns Rattenplage. Versteht gar nichts. Blöde Besserwisser. Auch du. Bloß Staub bleibt. Schluß. Euch gabs mal. Gewesen seid ihr, ausgeschissen habt ihr. Wurde auch Zeit. In Zukunft nur Ratten noch. Protagonist: Was heißt hier Schluß, Rättin? Es ist ja nichts fertig. Kein Loch gestopft, kein Rätsel gelöst. Und da redest du, Rättin, von Schnitt, ausblenden, Kassensturz? Nein, Rättin, das ist zu früh. Hier sitz ich, mich gibt es! Von dir träum ich nur! [Film: Die Rättin, SR 1997] Nach der Rättin Ich fing an die "Rättin" zu schreiben, d.h. die Geschichte der freiwilligen Selbstzerstörung des Menschengeschlechts auf vielfältige Art und Weise. Es ist nicht nur die atomare Vernichtung, die nach wie vor gegeben ist, es ist auch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen im ganzen ökologischen Bereich, auch das ist ein ungehemmt fortschreitender Prozeß. Ich bin jemand, der das nicht vom Tisch aus machen kann, ich muß hinfahren, ich muss das sehen und bin dann mit meiner Frau Ute insbesondere nach Asien gereist: Japan, China, Indonesien, Thailand, Indien. Und bin dann bei einer ersten Reise, die ich noch alleine machte, bin ich zwar in Indien in verschiedenen Stationen herumgekommen, war aber nur drei Tage lang in Calcutta - das war Mitte der siebziger Jahre und mir fiel schreckhaft auf: in dieser Stadt überfüllt mit Flüchtlingen, weite Slumgebiete, dennoch eine ungeheure Vitalität in der Stadt auf, daß eigentlich dieses Calcutta der Ort ist, in dem die Problematik von reichem Westen und Norden und armem Süden zusammenkommt. Und anfangs war nicht zu schreiben, das war nicht möglich, die Wirklichkeit war nicht in Worte zu fassen; und dann hat mir meine andere Möglichkeit, das Zeichnen, geholfen. Ich habe mich zeichnend dieser Wirklichkeit genähert, skizzierend, bis dann auch wieder Worte kamen und so ist dann aus diesen alltäglichen Abfällen, Tagebucheintragungen, Skizzen, der erste Entwurf eines grossen ausholenden Calcutta-Gedichtes, dieses merkwürdige Buch entstanden, "Zunge zeigen", in dem sich Prosa, Lyrik und Zeichnung einander die Hand reichen. Es geht ineinander über, das eine zitiert das andere, in Wechselbeziehung zu sich und macht auch deutlich, wie fremd wir auch wirklich, was ich vorher gewußt hatte, bleiben. [Langfassung von 'Werkstattgespräche', RB 1998] Mein Schwamm mit dem ich Papier anfeuchte, ist ohne weitere Bedeutung; es sei denn verglichen mit meiner Saugfähigkeit: Man drücke mich aus, immer wieder. [DB-Nr. 434: Fundsachen für Nichtleser (RB 1998)] Zeichnung und Gedicht Die Zeichnung ist ja näher dem Gedicht eigentlich, weil Gedicht und Zeichnung mit Aussparung arbeiten. Und so wie ich Lyrik verstehe, und da komme ich vom Gelegenheitsgedicht her, und das kann ich auch auf die Zeichnung übertragen, da ist irgendeine Fundsache, oder zwei Fundsachen, irgendetwas, was ich gesehen habe, was ich gegeneinander stelle und zum Bild werden lasse - das ist das eigentlich Reizvolle daran. Und setzt eine, na, Epiphanie voraus. Und Prosaschreiben etwas ist, das mit Landvermessung zu tun hat, mit Erforschung von unbekanntem Gelände, mit Abtragen von Geröllmassen. Da kann dann die Zeichnung und das Gedicht, so wie ich seit einigen Jahren die Gedichte zwischen die Prosaabteilungen setze, kann die Funktion haben, das Gedicht wie die Zeichnung, der Landvermessungsmarke, der Markierungen eines noch gar nicht zu überschauenden Geländes. [im Gespräch mit Armin Halstenberg (NDR 1986)] Seitdem die Mauer weg ist wird Berlin kleinlich größer und größer. Unterm Sommerloch träumt die Stadt, wieder geteilt zu sein. [Fundsachen für Nichtleser (RB 1998)] Einheit um jeden Preis? Das langsamere Beginnen mit einer Konföderation im Hinblick auf einen späteren deutschen Bund halte ich nach wie vor für die richtige Gangart, aber die Handlungsweise der Bundesregierung, insbesondere des Bundeskanzlers, dann leider auch unterstützt vom Bundesaußenminister, hat eine solche gedankenlose Hast in den Vereinigungsprozess gebracht, dass jeder Einspruch dagegen, bevor er überhaupt ausgesprochen worden ist, schon abgetan zu sein scheint. Und jetzt stehen wir kurz vor dem ersten greifbaren Ergebnis dieser gedankenlosen, sich allein aufs Geld verlassenden Politik, die Einführung der D-Mark in die DDR. Und das wird katastrophale Folgen haben. Das zeichnet sich jetzt schon ab. Die Wirtschaft und die Menschen in der DDR sind nicht vorbereitet darauf. Wenn vor einem halben Jahr noch, im November, berechtigte Freude herrschte, sogar diese deutsche Revolution Elemente von Humor hatte bis in die Plakate hinein, so ist das eben ein halbes Jahr später einer Freudlosigkeit gewichen, Ängste sind geweckt worden. Die Leute schauen ungewiss in ihre Zukunft, mittlerweile auch in beiden deutschen Staaten. Und das geht alles in die Verantwortung des Herrn Kohl, der unbedingt als deutscher Einigungskanzler in die Geschichte eingehen will. [Interview: Einheit um jeden Preis (WDR 1990)] Mein Jahrhundert 1994. Beinhart sei ich, heißt es. Was soll's. Hätte ich etwa, nur weil ich eine Frau bin, Schwäche zeigen sollen? Der mich hier niederschreibt und meint, mir ein Zeugnis ausstellen zu dürfen - "Sozialverhalten mangelhaft!" - wird, bevor er meine unterm Strich stets erfolgreichen Tätigkeiten als Pleiten auspinselt, zur Kenntnis nehmen müssen, dass ich alle, aber auch alle Untersuchungsausschüsse bei bester Gesundheit, das heißt unbeschadet überstanden habe und auch im Jahr 2000, wenn dann die Expo läuft, allen Korinthenkackern und Fliegenbeinzählern gewachsen sein werde. [CD Grass: Mein Jahrhundert (RB, Steidl 2000)] Treuhand: Kriminelle Vereinigung Indem ich die Tätigkeit der "Treuhand" von ihren Anfängen her beschreibe, indem ich diese Besitznahme des Ostens durch den Westen von den Anfängen her darstelle und erzählend wiedergebe, ist die katastrophale bis in die nächste Generation hineinreichende Schädigung des Einheitsprozesses vorweggenommen. Man möge bitte heute mit Abstand prüfen, das was ich dort über die "Treuhand" geschrieben habe - ich fürchte, dass diese kriminelle Vereinigung namens "Treuhand" mehr Schaden angerichtet hat, als ich geahnt habe und ahnend aufgeschrieben habe, als das Ganze anfing. [Langfassung der 'Werkstattgespräche' RB 1998] Ein weites Feld Bei McDonald's lief der übliche Betrieb. Dennoch fanden sie dem langen Tresen und den sechs Kassen schräg gegenüber einen Zweiertisch, von dem aus Blicke auf anschließ



Urtitel:
Als ich 32 Jahre alt war, wurde ich berühmt
Anfang/Ende:
(PERKUSSION) Als ich 32 Jahre…immer noch er. (SCHREIBMASCHINENGERÄUSCH / PERKUSSION)
Genre/Inhalt:
Biographie
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Mit 32 Jahren veröffentlichte Günter Grass seinen Roman "Die Blechtrommel" (1959), der auf Anhieb ein Welterfolg wurde. Seitdem ist er zum berühmtesten deutschen Schriftsteller avanciert, dessen Aufritte in den Rang von Medienereignissen rückten. In den vergangenen vierzig Jahren hat kein Autor in Rundfunk, Film und Fernsehen derart von sich reden gemacht wie er. Unverkennbar hat sich die Stimme von Grass der Medien-Öffentlichkeit eingeprägt: als kongenialer Rezitator seines Werks, als debattierfreudiger homo politicus und passionierter Erzähler eigener Lebensgeschichten. Aus dem immensen Fundus der Rundfunkarchive haben die AutorInnen 'Fundstücke' aus fünf Jahrzehnten zu einem akustischen Porträt vereinigt, in dem das 'Phänomen' Grass zum faszinierenden Hörerlebnis wird.^ (PRESSETEXT) Für ihr akustisches Porträt haben sich die Autoren Gabriele Blum, Dorothee Schmitz-Köster und Walter Weber auf die Suche gemacht nach dem Menschen hinter dem Erfolgsautor, dem kongenialen Rezitator, Grafiker und Zeichner, dem passionierten Geschichtenerzähler. Das Ergebnis dieser Collage, die von den Tagen der Gruppe 47 bis zum Streit mit Reich-Ranicki ausschließlich aus Grass'schen O-Tönen besteht, ist ein vielschichtiges Hörerlebnis über ein deutsches Phänomen: Günter Grass. Rezension der Deutschen Welle: Günter Grass über Günter Grass. Ein akustisches Porträt des kongenialen Rezitators, Grafikers und Zeichners, des passionierten Geschichtenerzählers. Eine Collage, die von den Tagen der Gruppe 47 bis zum Streit mit Reich-Ranicki ausschließlich aus Grass'schen O-Tönen besteht. Ein vielschichtiges Hörerlebnis über ein deutsches Phänomen. Günter Grass. "Die Blechtrommel", 1959 im Luchterhand Verlag erschienen, hat ihn berühmt gemacht. Der Roman wurde in zwei Dutzend Sprachen übersetzt und erreichte bis heute eine Auflage von über drei Millionen. Auch die spätere Verfilmung von Volker Schlöndorff brachte einen Welterfolg. Das wird im Hörbuch anschaulich dokumentiert: anhand von Erinnerungen, Interviews, Lesungen - ausgesucht und zusammengestellt von Gabriele Intemann, Dorothee Schmitz-Köster und Walter Weber. Schwierige Einordnung Einen erläuternden Text gibt es nicht, was die Einordnung der Originalton-Dokumente von Grass selbst für literarisch Geschulte erschwert macht. Schade. Denn so bleiben die Fundstücke in ihrer Herkunft oft unerkannt, zumal sich auch im Booklet zu den CDs keinerlei Quellenverweise finden und die Überschriften der insgesamt 8 Takes wenig Orientierung bieten: "Schreiben und Leben", "Frohe Jahre", "Erste Erfolge", "Politisches Engagement", "In Bewegung", "Deutsche Einheit", "Kontrovers", "Nobelpreis". Trotzdem: Das Hörbuch ist ein gelungenes akustisches Erlebnis. Vor allem wenn Günter Grass, der gebürtige Danziger, von seiner Motivation zum Schreiben erzählt, von seiner politischen Haltung zum Faschismus und der Demontage der Vätergeneration nach 1945. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Reminiszenzen jene innere Gebrochenheit, die sich spätestens 1945 vollzog. Nicht nur akustische Leckerbissen Ausführlich wird im Hörbuch der Weg des gelernten Bildhauers zur Schriftstellerei rekonstruiert: denn zwei "epische Arbeitsweisen", so Günter Grass, konnten nicht nebeneinander existieren, weshalb er sich bald ganz der Schriftstellerei verschrieb. Und - seinem Lieblingshobby - dem Kochen. Zu diesem "ganz privaten" Grass haben die Hörbuch-Autoren wahre "Leckerbissen" zusammengestellt. Kristine von Soden

Schlagworte:

Sach:
Biographie
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
24.09.2000
Aufnahmeort:
Bremen
Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
Aufnahme sehr leise!
Original:

Originallänge:
00:47:00
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
MC
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:47:23
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Datenformat Archiv:
WAV
Teilnehmende:

Person:
Intemann, Gabriele (Autor(in))
Person:
Schmitz-Köster, Dorothee (Autor(in))
Person:
Weber, Walter (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Karasek, Hellmuth (Vorredner(in))
Person:
Reich-Ranicki, Marcel (Vorredner(in))
Person:
Sommer, Günter "Baby" (Beitragende(r))
Person:
Blum, Gabriele (Autor(in))

Zitieren

Zitierform:

Intemann, Gabriele / Schmitz-Köster, Dorothee / Weber, Walter / et al: Als ich 32 Jahre alt war, wurde ich berühmt. Bremen .

Rechte

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