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Medienarchiv

DB-Nummer: 788
10.20379/dbaud-0788

Lesung "Zu Ehren Walter Höllerers" von Günter Grass in der ausverkauften Maxhütte : Grass gastiert in Sulzbach-Rosenberg

Grass über sein Verhältnis zu Walter Höllerer, sein Engagement im Berlin nach dem Mauerbau. Höllerers Einfluss auf die "Blechtrommel". Die Stadt Sulzbach-Rosenberg kann stolz auf ihn sein und sein Literaturarchiv. Zunächst Lesung von einigen Gedichten von Walter Höllerer. Dann Lesung aus der "Blechtrommel": "Glaube Hoffnung Liebe" Artikel vom 22.12.2003 in Oberpfalznetz: "Der hoffnungsvolle Anfang nach dem Schluss" Beeindruckende Lesung "Zu Ehren Walter Höllerers" von Günter Grass in der ausverkauften Maxhütte Von Stefan Voit Sulzbach-Rosenberg. Dieser Abend hätte Walter Höllerer wohl gefallen: ein ausverkauftes Haus, Literaturinteressierte aus der ganzen Oberpfalz, aus allen Altersschichten und nicht zu vergessen ein Nobelpreisträger, der mit der "Blechtrommel" Welterfolg erlangte. Zu seinen Ehren - und an seinem 81. Geburtstag - war Günter Grass nach Sulzbach-Rosenberg gekommen und zog, fast wie ein Popstar, am Freitag die Massen in die Hauptwerkstätte der Maxhütte. Der Medienrummel war sehr groß, und bereits vor der Lesung hatte der Schriftsteller zahlreiche Autogramm- und Signierwünsche zu erfüllen. Am Ende der Veranstaltung kam er dieser Aufgabe noch eine Stunde lang nach! Stimmungsvoll angerichtet Zwischen stillgelegten Maschinen war die Bühne aufgebaut, es war wohlig warm - Grass legt später sogar seine Jacke ab - und stimmungsvoll angerichtet. "Das" literarische Highlight des Jahres darf man diesen Abend sicher mit Recht nennen, denn Grass ist nicht nur ein begnadeter Schriftsteller und Künstler, sondern auch ein Vorleser par excellence. In seiner Einführung erinnerte Grass an Höllerer, der für seine literarische Entwicklung unwahrscheinlich wichtig war und mit dem ihm eine tiefe Freundschaft verband. Er erzählte, wie er ihm in Paris erste Kapitel aus der "Blechtrommel" vorlas, welch guter Zuhörer Höllerer war und welche Bedeutung dieser für die Literatur der Nachkriegszeit hatte. "Die Stadt kann stolz auf das Literaturarchiv sein. Unterstützt es und werdet neue Mitglieder", forderte Grass die 900 Zuhörer auf. Dem Gründer des Literaturarchivs zu Ehren las er anschließend - im Stehen - Gedichte von Höllerer, darunter "Der andere Gast", "Subjektives Gedicht" und "Denkmalsdämmerung". Damit erinnerte er nicht nur an den "Literaturvermittler, sondern auch an den Dichter Walter Höllerer. Ein Schmunzeln ging durch die Halle, als von Grass der Satz "Kein Wasser" zu hören war: Bürgermeister Gerd Geismann wollte dem Dichter eine Flasche Wasser für die Lesung öffnen. Der Nobelpreisträger hielt sich - von seiner Grippe wieder sichtlich erholt und bei bester Laune - lieber an ein Glas "Trollinger"-Rotwein. "Die Blechtrommel" stand im Mittelpunkt des Abends. Grass hatte das letzte Kapitel des ersten Buches "Glaube Hoffnung Liebe" ausgewählt. Die Geschichte, die Oskar Mazerath erzählt, handelt von einem Volk, das an den Weihnachtsmann glaubte, der in Wirklichkeit der Gasmann war; vom Musiker Meyn, der seine vier Katzen erschlug und vom Spielzeughändler Markus, der weiß-rot gelackte Blechtrommeln verkaufte. Diesen Abschnitt, der deutlichst die "braune Zeit" mit all ihren Gräueln beschreibt, trug Grass mit solcher Sicherheit und Brillanz vor, die nicht nur die Besucher andächtig zuhören ließen, sondern auch Appetit darauf machten, das Buch wieder einmal zu lesen. Nach seiner jüngsten Novelle "Im Krebsgang", die ihn sehr anstrengte, wie Grass betonte, widmete er sich wieder seinem künstlerischen Beruf. Er wechselte das Handwerkszeug und modellierte tanzende Paare aus rotem Töpferton, parallel dazu entstanden Lithografien und erste Strophen von Gedichten. Dies alles fand Eingang in seinem aktuellen Buch "Letzte Tänze", aus dem er zum Schluss Gedichte vortrug. Leichtfüßig, ja fast tänzelnd erzählt Grass darin von seiner Leidenschaft für das Tanzen. "Früh gelernt", "Tango Notturno", "Tango Mortale", "Als der Walzer in Mode kam" oder "Military Blues" waren die Titel, die - eindringlich und vielen vielleicht bislang nicht so bewusst - den Lyriker Grass zeigten, der nicht nur Bildhauer und Romanschreiber ist, sondern der auch mit kurzen Zeilen umgehen kann, der weiß, wie er die Zeilen und Strophen zu setzen hat. Mit dem Gedicht "Walter Höllerer nachgerufen", in dem er noch einmal an seinen Freund erinnerte, endete unter lang anhaltendem Applaus ein großer literarischer Abend.



Urtitel:
Anfang/Ende:
Track 1: (setzt abrupt ein) der Gruppe 47…wieder wunderschön Trompete; (BEIFALL) Track 2: Kleckerburg. Gestrichenes Korn…darunter seltsam schräge. (BEIFALL)
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Lesung
Schlagworte:

Person:
Höllerer Walter; Ginsberg Allan
Werke:
Die Blechtrommel; Glaube Hoffnung Liebe
Sach:
Mauerbau; Siemens; Gruppe 47; Arbeitslosigkeit; Nouveau Roman; Subjektives Gedicht; Denkmalsdämmerung
Geo:
Berlin
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
21.12.2003
Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
Laufgeschwindigkeit von Track 2 zu langsam.
Kopie:

Länge der Kopie:
01:16:24
Tonträger:
DAT
Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

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