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DB-Nummer: 798
10.20379/dbaud-0798

50 Jahre Bremer Literaturpreis : Aberkennung des Preises an Grass 1959/1960

Der Bremer Literaturpreis wird seit 1954 vergeben. Seinen größten Skandal erlebte er, als der Bremer Senat sich 1959/60 weigerte, der Entscheidung der Jury den Preis für das Jahr 1960 zu folgen und die Auszeichnung Günter Grass für seinen Roman "Die Blechtrommel" zu verleihen. Begründung der damaligen Jugendsenatorin Annemarie Mevissen: Einige Kapitel der "Blechtrommel" gehörten auf den Index jugendgefährdender Schriften und sie könne nicht einerseits einer Preisverleihung an Grass zustimmen und andererseits das Werk für Jugendliche verbieten lassen. Die Entscheidung fand ein Echo in den Feuilletons und literaturpolitischen Debatten der gesamten Republik. Zahlreiche Schriftsteller solidarisierten sich mit Grass, die Preisjury fiel auseinander, und der Bremer Literaturpreis wurde weder 1960 noch 1961 vergeben. Im April 1961 organisierte die Stadt die Preisvergabe neu: War die Auszeichnung bisher auf Vorschlag einer Jury durch den Senat verliehen worden, wurde nun die Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung ins Leben gerufen. Sie sollte fortan in voller Souveränität über die Preisvergabe entscheiden. Aus dem "Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen", wie er offiziell hieß, wurde der "Literaturpreis der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung". Erster Preisträger des 'neuen' Preises war 1962 Siegfried Lenz.



Urtitel:
50 Jahre Bremer Literaturpreis
Anfang/Ende:
Zuerst machte Nurri…einem internationalen Bestseller.
Genre/Inhalt:
Kultur
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Bremer Literaturpreis - Preisträger 1954 - 2005 Der Bremer Literaturpreis, dotiert mit 20.000 Euro, gehört zu den angesehensten Literaturpreisen in der Bundesrepublik Deutschland. Er wird seit dem Jahr 1954 verliehen. Anlass der Preisstiftung war es, den Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder (1878-1962), Ehrenbürger der Hansestadt Bremen, zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 1953 zu ehren - der Preis hieß in seinen Anfangsjahren denn auch Rudolf-Alexander-Schröder-Preis. Rudolf Alexander Schröder selbst war bis zu seinem Tod Vorsitzender des 8-köpfigen Preisrichterkollegiums. Der Preis wird an deutschsprachige Schriftsteller verliehen, wobei nicht das Gesamtwerk, sondern ein bestimmtes Einzelwerk ausgezeichnet wird. In den Anfangsjahren musste dem Votum der Jury der Bremer Senat zustimmen - der dies bis zum Jahr 1960 auch getan hat. 1960 sollte der Roman "Die Blechtrommel" des damals 33-jährigen Autors Günter Grass mit der Auszeichnung bedacht werden. Der Senat verweigerte - vornehmlich aus "moralischen" Gründen - seine Zustimmung: Ein Skandal, mit der Folge, dass 1960 und 1961 kein Preis vergeben wurde. Im April 1961 wurde beschlossen, die Preisverleihung zukünftig in alleiniger Verantwortung durch die neu gegründete "Rudolf Alexander Schröder-Stiftung" organisieren zu lassen. Derzeitiger Vorsitzender der Stiftung ist Dr. Rolf Michaelis. Seit 1977 wird zusätzlich ein mit 6.000 Euro dotierter Förderpreis vergeben. Die Geschäftsführung und die Organisation der Preisverleihung obliegt seit Januar 2002 der Stadtbibliothek Bremen. In den Jahren 1955, 1957 und 1977 gab es übrigens jeweils zwei Preisträger. 1970 verweigerte der Schriftsteller Christian Enzensberger, Bruder von Hans Magnus Enzensberger, die Annahme der Auszeichnung. 2002 wurde der Preis erstmals posthum verliehen: an den ein Jahr zuvor bei einem Autounfall verstorbenen Schriftsteller W.G. Sebald. Alexander Kluge ist der bisher einzige Autor, der den Bremer Literaturpreis zweimal erhielt: 1979 und 2001. Die Reden und Laudationes werden jährlich als Dokumentation herausgegeben und können gegen eine Gebühr von 2,00 Euro in Briefmarken bei der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung, c/o Stadtbibliothek Bremen, Friedrich-Ebert-Straße 101/105, 28199 Bremen, angefordert werden. Alle Reden und Laudationes der Jahre 1954 bis 1998 sind nachzulesen in dem Band: Der Bremer Literaturpreis von 1954-1998. Hrsg. Von Wolfgang Emmerich. Bremerhaven: Neuer Wirtschaftsverlag 1999. (= edition die horen.)

Schlagworte:

Person:
Bachmann Ingeborg; Mevissen Annemarie
Werke:
Die Blechtrommel; Katz und Maus
Sach:
Buchhändler; Boykott; Radio Bremen; Bremer Literaturpreis; Frankfurter Allgemeine Zeitung; Pornographie; Kultursenator; Index; Jury; Jugendgefährdung
Geo:
Bremen
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
06.01.2004
Sprachen:
deutsch
Original:

Original-Tonträger:
unbekannt
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:03:12
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
WAV
Teilnehmende:

Person:
Wagner, ... (Vorredner(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

50 Jahre Bremer Literaturpreis.

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