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DB-Nummer: 840

DAS! Vom Tage: Günter Grass vor PEN-Kongreß in Moskau : PEN-Zentrum

Deutsche PEN-Delegation mit Günter Grass will in Moskau Tschetschenien-Krieg anprangern Die deutsche PEN-Delegation mit Günter Grass will auf der internationalen PEN-Konferenz in Moskau vor allem die russische Haltung im Tschetschenien-Krieg anprangern. "Wir wollen ein paar unangenehme Dinge in der russischen Öffentlichkeit verbreiten", sagte der Generalsekretär der Deutschen Pen-Zentrums, Johano Strasser, in einem dpa-Gespräch anlässlich des Treffens; es begann am Sonntag, 21. Mai 2000 und dauert bis zum 28. Mai. Die deutsche Autorenorganisation mit Sitz in Darmstadt beabsichtige zudem, auf die Verletzung der Meinungsfreiheit in Russland sowie auf die "ziemlich weit fortgeschrittene" Einschränkung der Publikationsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Prominentester Tagungsteilnehmer in der elfköpfigen deutschen Delegation ist Nobelpreisträger Grass. Seine Anwesenheit solle helfen, "mögliche Barrieren in den russischen Medien zu überwinden", sagte Strasser. Grass wird am Montagabend (22.5.) auf der Willkommensfeier der Konferenz sprechen. "Es wird eine Rede sein, die sicherlich für den einen oder anderen nationalistisch gesonnenen Russen eine Provokation sein wird", kündigte Strasser an. Die Position des russischen PEN-Zentrums in der Tschetschenien- Frage sei nicht einheitlich. "Es gibt einige Mitglieder des russischen PEN, auch in der oberen Etage, die dem nationalistischen Klima im eigenen Land Tribut zollen, und das ist sehr umstritten." Der russische PEN-Generalsekretär vertrete dagegen eine deutliche Position gegen den Krieg. Andere Präsidiumsmitglieder seien ihrerseits so vorsichtig, "dass es schon nicht mehr ganz hinnehmbar ist". Hohe Rate von Schreibverboten Bei ihrer Kritik am Tschetschenien-Krieg wissen die deutschen Delegationsmitglieder den Angaben zufolge die große Mehrheit der weltweit insgesamt 134 nationalen PEN-Zentren hinter sich. Vor allem Organisationen aus Skandinavien, Polen, Portugal, USA und Kanada hätten ihre Unterstützung signalisiert. "Wir, die wir von außen kommen, haben es leichter, weil wir nichts zu befürchten haben, aber wir haben dann auch die Verantwortung, diese Dinge anzusprechen, die andere möglicherweise nicht in derselben Deutlichkeit ansprechen", sagte Strasser. An der allgmeinen Situation der Schriftsteller weltweit hat sich nach den Worten des Generalsekretärs wenig geändert. Die Hoffnungen auf ein Ende der Repressalien in vielen Ländern seien auch nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes 1989 unerfüllt geblieben. "Wir haben nach wie vor eine sehr hohe Rate von Schriftstellern, Journalisten, Verlegern und Buchhändlern, die in Gefängnissen sitzen, mit Schreibverboten belegt sind, verfolgt werden." Die Arbeit des PEN auf diesem Gebiet sei mindestens ebenso wichtig wie vor zehn oder 20 Jahren, sagte Strasser. Kein Raum für innovative Literatur Für die Autoren in den westlichen Ländern ohne Einschränkung der Meinungsfreiheit gebe es Probleme anderer Art. Als Beispiele nannten Strasser Veränderungen im Verlagswesen, die Kommerzialisierung der Kultur und die Jagd der Verlagshäuser nach Quoten und Auflagen. "Insbesondere für innovative Literatur wie Lyrik wird vielfach kein Raum mehr zugelassen." Die Möglichkeiten des PEN-Zentrums, die Verhältnisse für die schreibende Zunft vor allem in Diktaturen zu verbessern, sind nach Strassers Worten begrenzt. Wenn es gelinge, zum Tode verurteilte Schriftsteller über den Druck der Öffentlichkeit frei zu bekommen, dann sei das ein großer Erfolg. Der Verband kooperiere mit der freien Presse, schreibe Briefe an Instanzen und erstelle Listen von Verfolgten, nach denen sich deutsche Politiker im Rahmen ihrer Staatsbesuche erkundigen könnten. Die Organisation pflege zudem den Kontakt mit den Familien der Verfolgten, damit sie sich nicht allein fühlten. "All das ist nicht nichts, aber es ist manchmal doch verzweifelt wenig."



Urtitel:
DAS! - Das Abendstudio F: 2597 / Norddeutschland und die Welt
Anfang/Ende:
(ATMO) Zum Auftakt des…in Russland statt.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Dokumentation
Historischer Kontext:

67. internationaler PEN-Kongress in Moskau im Jahr 2000; Zweiter Tschetschenien-Krieg (1999-2009)

Schlagworte:

Sach:
PEN; Krieg
Geo:
Tschetschenien; Moskau
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
23.05.2000
Datum Erstsendung:
23.05.2000
Aufnahmeort:
Russland, Moskau
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:44:58
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
Band
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:00:26
Tonträger:
DVD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
AVI
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sendereihe:
DAS! - Das Abendstudio
Archivnummer:
1082671
Produktionsnummer:
9950930139
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Kühn, Thomas (Redaktion)
Person:
Kunz, Rudibert (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

DAS! - Das Abendstudio F: 2597 / Norddeutschland und die Welt. Russland, Moskau .

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