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DB-Nummer: 895
10.20379/dbaud-0895

Ein Abend für die Aufklärung

Grass, Günter

Ein Abend für die Aufklärung, Teil 1 1. O-Ton Max Frisch: Aufklärung ist gescheitert; man möchte nicht wissen, sondern glauben; Pessimismus bringt keine Wählerstimmung; man wünscht Heiterkeit der Postmoderne (ab 00:00). 2. Zwischenmoderation: Ist sie wirklich gescheitert oder leben wir noch immer in ihren Wärmeströmen? Zeitreise ins 18. Jahrhundert und zurück; Zeitenwende im 18. Jahrhundert mit den Klassikern Herder, Klopstock, Mendelssohn, Lessing, Kant, Schiller, Forster, bürgerliche Vernunftskultur, Erziehung, Erschütterung im Blut der Französischen Revolution. Was bleibt? (Ab 01:10). 3. Musik: Johann Friedrich Fasch: Concerto in D-Dur (ab 03:08). 4. Dialektik der Aufklärung, das schwärzeste Buch des 20. Jahrhunderts, rationalistischer Selbstzerstörungsprozess. Wie erscheint Kant im Lichte der Philosophie Adornos? (Ab 06:40). 5. Theodor W. Adorno: "Kants unvergleichliche Größe bewährte nicht zuletzt sich darin, daß er die Einheit der Vernunft noch in ihrem widerspruchsvollen Gebrauch, dem naturbeherrschenden der nach seiner Sprache theoretischen, kausalmechanischen, und dem versöhnlich der Natur sich Anschmiegenden der Urteilskraft unbestechlich festhielt und ihre Differenz strikt in die Selbsteingrenzung der naturbeherrschenden Vernunft verlegte. Eine metaphysische Interpretation Kants hätte diesem keine latente Ontologie zu imputieren, sondern die Struktur seines gesamten Denkens als eine Dialektik von Aufklärung zu lesen, die der Dialektiker par excellence, Hegel, nicht gewahrt, weil er im Bewußtsein der Einen Vernunft deren Grenze tilgt und damit in die mythische Totalität gerät, die er für »versöhnt« hält in der absoluten Idee" (Adorno: Kulturkritik und Gesellschaft I/II: Fortschritt. In: Gesammelte Schriften 10.2, S. 628, ab 07:30). 6. Moderation: Hegels absolute Idee wird Ursprungsort des späteren Totalitarismus (ab 08:40). 7. Musik: Klavierstück von Theodor W. Adorno aus dem Jahre 1934 (ab 09:15). 8. Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w.: so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben, und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften: so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern, und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab. Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar lieb gewonnen, und ist vor der Hand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit heraus zu wickeln, und dennoch einen sicheren Gang zu tun. Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende, sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens, finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen, selbst zu denken, um sich verbreiten werden. Besonders ist hiebei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie hernach selbst zwingt, darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt worden; so schädlich ist es, Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die, oder deren Vorgänger, ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotism und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zu Stande kommen; sondern neue Vorurteile werden, eben sowohl als die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen. Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen." (Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Weischedelausgabe Bd. 11, S. 53 ff., ab 10:35). 9. Musik (ab 15:30) 10. Anmoderation: Horkheimer sieht das Aufklärungsvermächtnis Kants als etwas noch zu erreichendes, Aufklärung muss erst einmal ins Bewusstsein dringen (ab16:10). 11. Horkheimer: Kants Werk ist aktuell, nicht so bewahrt, wie es ihm zukommt; unbewältigte Vergangenheit; Wille zur realen Veränderung geht aus dem Elend der bisherigen Geschichte und dem vernünftigen Begriff hervor; an der Unvernunft der Welt könnte sich der Wille zur Verbesserung entzündet werden; es ist zuwenig von Aufklärung und zuviel von Pflicht die Rede; Entmutigung des Vertrauens in eine gerechte Gesellschaft; falsche Darstellung Kants in den Schulen; der Neukantianismus liegt hinter uns, nun muss Kant ins Bewusstsein kommen (ab 16:38). 12. Musik: Friedrich der Große, Konzert No. 3, C-Dur, für Traversflöte, Streicher und Basso continuo (ab 24:15). 13. Moderation: Friedrich der Große als Komponist und Musiker; Horkheimer fragte nach der Vermittlung der Aufklärung, Lessing wusste dies genau (ab 28:28).14. Lessing: Eine Duplik (gelesen von Will Quadflieg, ab 29:35). 15. Musik: Haydn: Die Beredsamkeit (nach einem Text von Lessing, ab 30:37).16. Moderation: Nicht die Wahrheit ist wichtig, sondern der Weg zu ihr, nicht das was, sondern wie zu denken ist, war Lessing wichtig (ab 32:48). 17. Walter Jens: Lessing heute, Allroundwissenschaftler, witzigster Kopf neben Heinrich Heine, scharf und witzig; wer spricht heute wie Lessing zu George W. Bush, wer riskiert heute das Sagen der Wahrheit, es fehlt in der heutigen Zeit der Aufklärung der Aufklärer, Lessing war damals ebenfalls allein, ungeschützt; Lessing schrieb nicht für Gebildete, sondern für Jedermann; Lessing durfte nicht im Nationalsozialismus aufgeführt werden; überall gefürchtet oder geliebt, später vergessen; neben ihm konnte nur Fontane noch so gute Frauenrollen schreiben (ab 33:45). 18. Musik: Carl Philipp Emanuel Bach: Konzert für Cembalo in G-Dur (ab 41:40). 19. Der bedeutendste Bach-Sohn und Friedrich der Große, Zusammentreffen mit Lessing und anderen; wurde damals von Bach gesprochen, so war dieser Bach gemeint, der die Formmöglichkeiten der Musik erweiterte (ab46:25). 20. Lessing: Die Faulheit (gelesen von Hans Paetsch) Fleiß und Arbeit lob' ich nicht. Fleiß und Arbeit lob' ein Bauer. Ja, der Bauer selber spricht, Fleiß und Arbeit wird ihm sauer. Faul zu sein, sei meine Pflicht; Diese Pflicht ermüdet nicht. Bruder, laß das Buch voll Staub. Willst du länger mit ihm wachen? Morgen bist du selber Staub! Laß uns faul in allen Sachen, Nur nicht faul zu Lieb' und Wein, Nur nicht faul zur Faulheit sein. (Lieder, Ausgabe 1771. In: Werke Bd. 1, S. 78, ab 47:58). 21. Moderation: Ein hedonistischer Aufklärer war Lessing, ein revolutionärer Kopf, eine Spielernatur. Dies verbindet ihn mit Mozart (ab 48:37). 22. Hans Mayer: Mozart und Lessing, begegnet sind sie sich nicht, Minna von Barnhelm und das Herr-und-Diener-Schema, freundschaftliche Frauenkonstellation ähnelt jener in Entführung aus dem Serail, in der Männerwelt besteht das Prinzip der Hierarchie (ab 49:20).23. Mozart: Ouvertüre aus Figaros Hochzeit (gespielt vom Scotish Chamber Orchestra, ab 59:25). 24. Moderation (ab 01:03:30). 25. Johannes Bobrowski: An Klopstock (ab 01:03:40). 26. Moderation: Klopstock, die Weltberühmtheit, Deutscher Patriot, Werther (ab 01:04:35). 27. Klopstock: Die Sommernacht (gelesen von Gerd Westphal) Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab In die Wälder sich eigiesst, und Gerüche Mit den Düften von der Linde In den Kühlungen wehn; So umschatten mich Gedanken an das Grab Der Geliebten, und ich seh in dem Walde Nur es dämmern, und es weht mir Von der Blüthe nicht her. Ich genoss einst, o ihr Todten, es mit euch! Wie umwehten uns der Duft und die Kühlung, Wie verschönt warst von dem Monde, Du, o schöne Natur! (Oden. Erster Band, S. 234, ab 01:05:30). 28. Gluck: Sommernacht (Vertonung des Klopstock-Textes, ab 01:06:15). 29. Robert Gernhardt: Mutter Natur oder Variation über eine Zeile von Friedrich Klopstock oder In 20 Strophen über das Thema Nummer 1 (ab 01:08:05). 30. Moderation: Klopstock heute (ab 01:11:15). 2. Teil 1. Musik (ab 00:00). 2. Moderation: Nach Klopstock nun Diderot. Denken in dialogischer Form. Kein Schwarz/Weiß, sondern Diskurs als Auffindung der Wahrheit. Rameaus Neffe, übersetzt von Goethe.(ab 08:03). 3. Diderot: Rameaus Neffe. An der Tafel eines königlichen Ministers, nichts ist den Völkern zuträglicher als die Lüge. Die Frage nach dem Genie. Die Wahrheit nutzt auf die Länge. Sokrates und sein Gericht. Eine Gesellschaft sollte keine schlechten Gesetze haben. Racine und sein Genie wird in tausend Jahren noch Tränen entlocken. (ab 08:40). 4. Musik: Dardannos-Ouvertüre von Rameau (ab 13:05). 5. Moderation: Verehrer Diderots war Hans Magnus Enzensberger. Selbstbeschränkung der Aufklärung im Gegensatz zu Rousseau (ab17:10). 6. Enzensberger über den denkenden Schriftsteller Diderot: Die alten Philosophen sind ihm immer lieber. An deutscher Aufklärung bemerkenswert ist die Tatenarmut bei Totalisierung der Gedanken in der Systembildung, Säkularisierung von theologischen Systemen. Bei Bloch ist dieses Element sehr deutlich. Externe Hoffnungen werden der Aufklärung aufgebürdet. Rousseau war ein totalitärer Denker, dessen Antipode ist Diderot, der die Aufklärung nicht geheiligt hat. Er hat sein Projekt nicht zum Erlösungsprojekt gemacht. Selbsteinschränkung des Denkens. Dialogisches Denken, im Dialog behält hier keiner endgültig Recht. Rousseau war wohl einer der humorlosesten Menschen der Weltgeschichte. Dadurch ist bei Diderot eine Korrektur der deutschen Tradition, wie sie in Deutschland nicht zu finden ist. Diderot war kein Profi, akademische Methodik war ihm fremd, vielmehr war er ein denkender Schriftsteller. Er hält sich somit nicht an die gängige Arbeitsteilung von Dichter und Philosoph. Es gibt ja auch eine Tradition der Dummheit in der Dichtung, der Dichterische Wahnsinn. Der Philosoph hingegen darf sprachlich nichts erfinden. (ab17:52). 7. Musik: Jean-Jaques Rousseau: Ouvertüre des Singspiels: Le Divin de Village (ab23:55). 8. Moderation (ab28:27). 9. Georg Christoph Lichtenberg: Aphorismen. Rousseau hat glaube ich gesagt: ein Kind, das bloß seine Eltern kennt, kennt auch die nicht recht. Dieser Gedanke läßt sich [auf] viele andere Kenntnisse, ja auf alle anwenden, die nicht ganz reiner Natur sind: Wer nichts als Chemie versteht versteht auch die nicht recht. [J 860] Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut. [E 286] Vom Wahrsagen läßt sichs wohl leben in der Welt, aber nicht vom Wahrheit sagen. [J 787] (gelesen von Christian Brückner, ab 28:50). 10. Moderation: Lichtenberg ist wohl einer der witzigsten und intelligentesten Köpfe der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Denken, wo noch niemand gedacht hat. Adolf Muschg ist ein heutiger Lichtenbergianer (ab 29:40). 11. Adolf Muschg: Lichtenberg hat sich über das Possessivpronomen "mein Homer" im Werther Goethes lustig gemacht. Lichtenberg behagte die Zuneigung aus Weimar nicht, stattdessen mochte er Bürger oder Forster lieber. Lichtenberg ist radikaler als Siegmund Freud. In seinen Sudelbücher sammelte er Inkohärenzanzeigen. Hier werden Reste gesammelt, kein System aufgebaut. Er sammelt keine Juwelen, sondern Sandkörner auf der Suche nach einem Getriebe, das er lahm legen kann. Lichtenberg als "wit", dessen Noblesse im Understatement liegt (ab 30:35). 12. Musik (ab 37:40). 13. Lichtenberg: Aphorismen Eine seltsamere Ware, als Bücher, gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen. [K 172] Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel heraus sehen. […] [E 215] (gelesen von Christian Brückner, ab 45:00). 14. Moderation: Lichtenberg und Grass. Grass beruft sich seit den sechziger Jahren auf die Aufklärung. Lichtenbergianer in "Aus dem Tagebuch einer Schnecke". Hier tritt ein Oberstudienrat Ott auf, der den Spitznamen Dr. Zweifel trägt. Fasziniert von Schnecken, Deutsch- und Biologielehrer. Liebt die gespitzte Vernunft (ab 45:30). 15. Günter Grass: Aus dem Tagebuch einer Schnecke. Beschreibung von Ott ("Auch wenn ich ihn erfinden muss, es hat ihn gegeben" über "die linken und die rechten wollten den Weltgeist beritten und galoppierend sehen" bis "Zweifel versucht eine Ranke sein" "keiner Bohne bietet sie Halt" "den Mond fand und zugriff. Das hatte Folgen" (ab 46:30). 3. Teil 1. Musik. Klaviersonate von Adolph Freiherr von Knigge aus Bremen ab 0(0:00). 2. Günter Kunert: Herr Knigge war glücklicher- und verständlicherweise nicht auf der Höhe seiner Zukunft. Sonst hätte er den Begriff "Umgang" anders definiert, im Sinne von umgehen. Eine Korrektur bedarf es heute (ab 05:54). 3. Moderation: Lichtenbergianer Kunert und Knigge. Knigge als in den bürgerlichen Künsten versierter Mann. Öffentlicher Erzieher in Hannover. Benimm-Apostel war ein großer Republikaner, Parteigänger der Französischen Revolution (ab 06:42).4. Knigge: Über Aufklärung in Bremen. Aufklärung, Geschäft, Humor, Literatur, etc. Physikalische Gesellschaft, Museum, Bibliothek, Sammlung von Instrumenten (ab 07:55). 5. Musik: Beethoven: Egmont-Ouvertüre (gespielt von der Kammerphilharmonie Bremen, dirigiert von Harding, ab 16:10). 6. Moderation: Geschichte von Beethovens Musik. Beeinflussung durch Goethes Trauerspiel. Aufbegehren gegen Herrschende hat Beethoven oftmals komponiert, etwa in Eroika, Fidelio, in der 9. Simphonie. Keiner kam ihm wohl so nahe wie Schiller (ab 23:30). 7. Schiller: Hoffnung Es reden und träumen die Menschen viel Von bessern künftigen Tagen, Nach einem glücklichen goldenen Ziel Sieht man sie rennen und jagen. Die Welt wird alt und wird wieder jung, Doch der Mensch hofft immer Verbesserung. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, Sie umflattert den fröhlichen Knaben, Den Jüngling locket ihr Zauberschein, Sie wird mit dem Greis nicht begraben, Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf, Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf. Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn, Erzeugt im Gehirne des Toren, Im Herzen kündet es laut sich an: Zu was Besserm sind wir geboren! Und was die innere Stimme spricht, Das täuscht die hoffende Seele nicht. (Ab 24:32) 8. Moderation: Schillers Ausbeutung durch ideologische Zwecke, Vakuum in der gegenwärtigen Schiller-Rezeption. Kein Rationalismus (ab 25:30). 9. Rüdiger Safranski: Schillers Aufklärung. Aufgeklärt werden soll im Sinne Kants der Kopf, der geistige Habitus soll reifer werden. Aber auch das Gefühlsleben soll bei Schiller kultiviert werden. Französische Revolution missraten wegen der Gefühlswelt. Kunst kann die Gefühle veredeln, lichtvoller machen, von innen her strahlen. Dialektik der Aufklärung bereits bei Schiller präsent, in den Briefen über Don Carlos ausgeführt. Posa hat die Menschheit im Visier, ist ein Republikaner, der befreien will. Dieser behandelt seinen Freund Carlos instrumentell. Er will dem Ganzen dienen und verfehlt den Einzelnen. Verschwörungen finden sich bei Schiller von Links wie von Rechts, etwa im "Geisterseher", dem für die Romantik so wichtigen Bundesroman (ab 26:26) 10. Musik (ab 35:00). 11. Erich Kästner: Die Entwicklung der Menschheit. Einst haben die Herren auf den Bäumen gehockt (ab 40:35). 12. Abmoderation: Frisch und Kästner sind wohl einig in ihrer Einschätzung, dass die Aufklärung nicht vorwärts schreitet (ab 42:20). 13. Musik: Jazz (ab 44:45). Walter Weber (Wortbeiträge). Im Studio: Harro Zimmermann (A. Weyer)



Urtitel:
Genre/Inhalt:
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Präsentation:
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Aufnahme:

Datum Erstsendung:
13.11.2004
Sprachen:
deutsch
Kopie:

Tonträger:
CD
Teilnehmende:

Person:
Zimmermann, Harro (Interviewpartner)
Person:
Weber, Walter (Redaktion)
Person:
Grass, Günter (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

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