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DB-Nummer: 964

Unabhängig bleiben, Engagement zeigen : Günter Grass im Wahlkampf für die SPD 2005

Grass, Günter

SPD als Garant für demokratische Fortentwicklung Günter Grass fordert die Bürger der Bundesrepublik Deutschland auf, sich zu engagieren und es nicht nur beim "Kreuz machen" zu belassen. Für Grass als "gelernten Sozialdemokrat" ist die SPD als die älteste Partei der Garant für demokratische Fortentwicklung. Er bewertet positiv, dass Rot-Grün Reformen in Angriff genommen habe, die schwierig seien und weh tun und die von der Regierung Kohl verschleppt worden seien. Der fast 78-jährige Schriftsteller engagiert sich in fünf Wahlveranstaltungen, zu denen er auch junge Schriftsteller eingeladen hat. Kapitalismusdebatte kam zu spät Günter Grass engagiert sich im Bundestagswahlkampf für Rot-Grün, kritisiert aber auch das Regierungsbündnis. Die Kapitalismusdebatte, die von Franz Müntefering angestoßen worden ist, sei zu spät gekommen und müsse weitergeführt werden. Rot-Grün habe den Versprechungen der Unternehmerseite, die nie eingehalten worden seien, zu sehr vertraut. Die Globalisierung bezeichnet Günter Grass als "Schicksalserscheinung". Die Gewerkschafter hätten allerdings versäumt sich, gleichfalls zu "globalisieren". Verhältnis zu den USA nicht grundsätzlich geschädigt Günter Grass hat Gerhard Schröder zwar nicht für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, gleichwohl hält er ihn für einen geeigneten Kandidaten. Schröder habe von der 1990 erreichten Souveränität der Bundesrepublik Gebrauch gemacht. Ihm sei es gelungen "Nein" zum Irak-Krieg zu sagen, ohne mit den USA zu brechen. Das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und den USA sei nicht grundsätzlich geschädigt worden. Tiefes Misstrauen gegenüber der Linkspartei Die PDS hat sich von der SED, deren Nachfolgepartei sie ist, nicht genügend distanziert, sagt Günter Grass. Das Bündis der Nationalsozialisten und der Kommunisten habe den Zerfall der Weimarer Republik herbeigeführt. Nach 1945 seien die Sozialdemokraten in der SED untergebuttert worden. Das alles sei Grund genug für tiefes Misstrauen. Die Kulturpolitk der Regierung Schröder war nicht auschlaggebend für Günter Grass, sich in diesem Bundestagswahlkampf zu engagieren. Aber das Klima für Kultur habe sich in den vergangenen sieben Jahren "ungeheuer verbessert", sagt er. Besonders das von Schröder neugeschaffenen Amt des Kulturstaats-ministers habe dazu beigetragen, dass kulturelle Themen nun bundesweit ausgetragen würden. Auch wenn man sich zum Förderalismus bekenne, gebe es bestimmte übergeordnete Kulturaufgaben, die "zentral von Berlin angefasst werden müssen". Audio "Mit viel Augenmaß und Behutsamkeit", [5'09] Schröder im Amt gewachsen Günter Grass beschreibt Gerhard Schröder, den er bereits aus Schröders Juso-Zeiten kennt, als Staatsmann. Er sei mit seinem Amt gewachsen. Ein Prognose über den Ausgang der Bundestagswahl wagt Grass nicht. Ihm ist die Wahliniative mit den jungen Schriftsteller wichtiger, weil damit die Tradition des engagierten Schriftstellers als Bürger fortgeführt werde.



Urtitel:
Unabhängig bleiben, Engagement zeigen - Günter Grass exklusiv in der Gesprächzeit des Nordwestradios
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Gespräch
Historischer Kontext:

40 Jahre trommelt der Schriftsteller Günter Grass jetzt schon für die Sozialdemokra-ten. 'Willy wählen' lautete, in den Sechzigerjahren, die Parole, unter der Künstler für den politischen Wechsel eintraten. Eine Liebesheirat ist das, wie sich bald zeigte, durchaus nicht immer gewesen. Unabhängig bleiben, aber Engagement zeigen, so sieht Grass das Spannungsverhältnis, in dem Intellektuelle stehen, wenn sie sich in die Politik einzumischen versuchen. 1982 wurde Grass sogar SPD-Mitglied, 1993 verließ er die Partei wieder, aus Protest gegen deren Asylpolitik. Im Zweifelsfall allerdings entscheidet er sich ein ums andere Mal für sie. Auch im derzeitigen Bundestagswahlkampf steht Grass wieder an der Seite des noch amtierenden sozialdemo-kratischen Kanzlers. Termine der Wahlkampfveranstaltungen: * 6. September: Lübeck, Media Docks mit Michael Kumpfmüller * 8. September: Hamburg, Museum für Arbeit mit Eva Menasse * 13. September: München, Schlachthof mit Johano Strasser und Benjamin Lebert * 14. September: Bischofswerda, (Ort noch unbekannt) mit Jens Sparschuh. Was ihn dabei antreibt, wie er Schröder und dessen Reformpolitik sieht, was er von seinen Gegnern hält und vom Zustand der Republik, darüber gibt Grass in seinem einzigen Hörfunk-Interview vor dieser Wahl im Nordwestradio Auskunft. Gesendet wird das von Jörg-Dieter Kogel mit ihm geführte Gespräch am Mittwoch, dem 31. August von 9:05 bis 10:00 Uhr im Nordwestradio.

Schlagworte:

Person:
Schröder Gerhard; Kohl Helmut; Müntefering Franz
Sach:
Engagement; PDS; Friedensnobelpreis; Rot-Grün; Kapitalismus; Globalisierung; Föderalismus; Kulturpolitik; Weimarer Republik
Geo:
Irak; USA
Zeit:
Bundestagswahl 2005; 1990
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
31.08.2005
Aufnahmeort:
Moehn
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:55:00
Herkunft:

Sendereihe:
Nordwestradio (NWR)
Teilnehmende:

Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Interviewpartner)
Person:
Grass, Günter (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Grass, Günter: Unabhängig bleiben, Engagement zeigen - Günter Grass exklusiv in der Gesprächzeit des Nordwestradios. Moehn .

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