Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

DB-Nummer: 1059

Günter Grass von der Lelewelastrasse (Poln.)

Günter Grass von der Lelewelastraße. Autorin: Anna Sobecka. Eine Sendung aus Anlass des literarischen Nobelpreises – Archivaussagen des Schriftstellers, ein Gespräch mit den Freunden Boleslaw Fac, Maria Gorna, Slawomir Blaut, I. E. Naganowski, Zygmunt Kraize. Fragmente der Werke gelesen von Jaroslaw Tyranski. Zunächst wird ein Fragment des Gedichts „Kleckerburg“ vorgelesen und Günter Grass von der Autorin der Sendung, Anna Sobecka, kurz vorgestellt. Dann unterhält sie sich mit Bolesław Fac darüber, ob das Haus in Lelewela-Staße 13 ähnlich aussieht, wie vor dem Krieg. Fac erklärt, dass das Haus neu verputzt und der Eingang zum Lebensmittelgeschäft eingemauert wurde. Auch war die Straße schmaler und es gab Vorgärten. Bis heute gibt es gemeinsame Toiletten. In der heutigen ul. Danusi (!) [falsch: es handelt sich um ul. Grażyny/Elsenstraße] hatte der Großvater väterlicherseits eine Tischlerei. An der Ecke zum Platz Wybickiego/Neuer Markt gab es einen Gemüseladen, der vom Schriftsteller geschildert wurde. Grass hat seine frühere Wohnung 1971 oder 1972 besucht. Er ist damals im Treppenhaus auch einer früheren Einwohnerin des Hauses, Frau Bolin, begegnet. Schlöndorff soll gesagt habe, dass hier alles so einfach und armselig ist, und war erstaunt, was der Autor mit der armseligen Realität gemacht hat. Fac hat den Roman „Die Blechtrommel“ von Grass 1961 bekommen und gelesen, aber bei der Lektüre noch nicht gewusst, welche Straße früher Labesweg hieß. Anschließend wird ein Fragment mit der Darstellung der Wohnung von Oskar Matzerath vorgelesen. Die Autorin der Sendung befindet sich mit Bolesław Fac und Zygmunt Krauze vor der Kirche in Matarnia/Mattern. Auf dem hiesigen Friedhof liegen die Verwandten von Herrn Krauze. Hier wurden die Tante von Grass, Anna, sein Onkel Józef, Grass’ Cousin Jan, Vater von Zygmunt, und dessen Mutter Łucja auf dem Hügel am Ende des Friedhofs beigesetzt. Bis 1971/72 hatte die Familie Krauze einen Bauernhof in Bysewo/Bissau. Grass soll gesagt haben, dass er in der Kaschubei etwa 100 Verwandte hat. Kraus erzählt von den Kontakten Grass’ mit den kaschubischen Verwandten seit 1958, sein Vater hat mit Grass deutsch gesprochen, auch hat Bolesław Fac den Schriftsteller als Dolmetscher begleitet. Es wird ein Fragment aus dem zweiten Kapitel der „Blechtrommel“ vorgelesen über die Großmutter von Oskar, die Józef Koljaiczek geheiratet hat und in die Stadt an der Motlau gezogen ist. Es folgt ein Gespräch der Autorin mit Bolesław Fac und der Redakteurin Aleksandra Górna. Sie erzählt über die Bekanntschaft mit G. Grass im Sommer 1958, der damals Materialien für „Die Blechtrommel“ sammelte und sich u.a. für die Verteidigung der Polnischen Post 1939 interessierte. Górna bedauert, dass sie keine Notizen gemacht hat, weil Grass damals kein bekannter Autor war. Es war ein durchaus sympathischer, bescheidener Mensch. Es gelang, Postbeamte zu finden, die die Verteidigung überlebt haben. So konnte Grass die Verteidigung getreu schildern, später hat man ihm wegen der Darstellungen Vorwürfe gemacht. Górna erzählt, wie Grass ihrem Sohn in Deutschland geholfen hat. Sie äußert sich dazu, ob Grass sie im Roman „Unkenrufe“ porträtiert hat. Sie charakterisiert Grass als einen sensiblen, toleranten Menschen. 1993 erhielt Grass die Ehrendoktorwürde der Universität Danzig, die Medaille „Poruszył wiatr od morza“ [Bewegte den Wind von der See], eröffnete eine Ausstellun seiner Grafiken und eine Fotoausstellung „Portrety miejsc opisanych“ [Porträts der geschilderte Orte], die nun in Stockholm gezeigt wird. Es wird eine Äußerung von Günter Grass im Altstädtischen Rathaus 1993 über die Fotoausstellung angeführt, wo dieser erklärt, warum die schwarz-weißen Fotografien in der Ausstellung so stark auf den Zuschauer wirken, eine ähnliche Wirkung findet er bei seinen eigenen Grafiken. Auch in der literarischen Arbeit bewahrt er diesen Farbenton. Er spricht über die Rolle der Fotografien in seinen literarischen Werken, in der „Blechtrommel“ und in „Unkenrufen“. Günter Grass erfuhr während des Besuchs in Danzig 1993 davon, dass ihm die Würde des Ehrenbürgers der Stadt Danzig zuerkannt wurde. Er äußert sich dazu und meint, dass er ein unbequemer Ehrenbürger sein wird. Die Autorin informiert, dass Grass’ Werke jetzt in Polen vom Verlag Polnord – Wydawnictwo Oskar herausgegeben werden. Sie werden von Sławomir Błaut übersetzt, der im Folgenden die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Grass kommentiert und über seine Übersetzungen spricht. Als Höhepunkte des Schaffens von Grass nennt Błaut „Die Blechtrommel“ und die Danziger Trilogie sowie in den siebziger Jahren den „Butt“ und „Das Treffen in Telgte“. Als nächsten Höhepunkt betrachtet er „Ein weites Feld“. Błaut sagt, dass man ihm die Übersetzung der „Blechtrommel” vorgeschlagen hat, als er bereits neun bedeutende Bücher übertragen hat; ein so ungewöhnliches Buch wie „Die Blechtrommel“ kann man aber nur einmal im Leben übersetzen und dies passiert auch nicht jedem Übersetzer. Dann kamen aber Verzweiflung und Verbitterung. Błaut hat an der „Blechtrommel das ganze Jahre 1968 und teilweise noch 1969 gearbeitet, als sich in Polen Antisemitismus und Fremdenhass verstärkt manifestierten. Das freiheitliche Manifest des Romans passte nicht in die damalige Situation hinein. Es gab kaum Chancen, den Roman zu veröffentlichen. Błaut meinte damals, dass das Abenteuer mit Grass für ihn beendet ist. Er übersetzte andere Autoren. Dann erschien „Die Blechtrommel“ im Untergrund. Als ein Jahr später „Solidarność“ entstand, ergaben sich Möglichkeiten, die Bücher von Grass zu veröffentlichen. Der Verlag arbeitete aber langsam, so erschien „Die Blechtrommel“ paradoxerweise erst während des Kriegsrechts. Andere damals geplante Bücher, wie „Hundejahre“, Aus dem Tagebuch einer Schnecke“ und „Der Butt“, mussten wegen der Zensur auf den Untergang des Kommunismus warten. Der Zensur passten nicht die Ideen, sie reagierte aber vor allem auf Äußerlichkeiten, z.B. auf den Satz, dass die Armee des Marschall Rokossowski Danzig angezündet hatte. Ein Stein des Anstoßes war auch die Art, wie die Verteidigung der Polnischen Post dargestellt wurde. Błaut unterstreicht, dass dank der Darstellung dieser Episode die Welt von der Anwesenheit der Polen in Danzig erfahren hat. Maria und Bolesław Fac erzählen von ihren Besuchen bei Grass. Sie waren seine Gäste in Berlin und im Mai 1980 in Wewelsfleth in Schleswig. Wenn Grass sie zum Abendbrot eingeladen hat, hat er selbst gekocht. Die Kochrezepte im „Butt“ sind Gerichte, die er selbst kocht. Sie erzählen, wie Grass in Wewelsfleth den Butt auf dem Fischmarkt gekauft und dann zubereitet hat. (Kommentierung von Miroslav Ossowski)



Urtitel:
Günter Grass z ulicy Lelewela (Günter Grass von der Lelewelastraße)
Anfang/Ende:
(Trailer) Günter Grass: Z ulicy…a przygotowala Anna Sobecka. (Musik)
Genre/Inhalt:
Biographie
Präsentation:
Dokumentation
Schlagworte:

Person:
Fac Bolesław; Schlöndorff Volker; Górna Aleksandra; Grass Anna; Grass Ute; Hönisch Eva; Blaut Slavomir; Fac Maria; Tyranski Jaroslaw; Sobecka Anna; Kamzel Bernard; Łuczkowski Roman; Mestwin Andrzej; Gregor Jacek; Górny Krzysztof; Bądkowski Lech; Krauze Zygmunt; Krauze Anna; Krauze Józef; Krauze Jan; Krauze Łucja
Werke:
Die Blechtrommel; Katz und Maus; Hundejahre; Die Rättin; Der Butt; Unkenrufe; Aus dem Tagebuch einer Schnecke; Mein Jahrhundert; Das Treffen in Telgte; Ein weites Feld
Sach:
Nobelpreis; Übersetzung
Geo:
Kaschubei; Gdansk; Berlin; Wewelsfleth; Bysewo; Kokoszki; Firoga; Rumia; Matarnia; Wrzeszcz
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
09.12.1999
Datum Erstsendung:
09.12.1999
Aufnahmeort:
Gdansk
Sprachen:
polnisch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:59:00
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
CD
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
00:48:46
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3

Zitieren

Zitierform:

Günter Grass z ulicy Lelewela (Günter Grass von der Lelewelastraße). Gdansk .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export