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DB-Nummer: 1132

Günter Grass zur gesamtdeutschen Verfassung nach der vollzogenen Vereinigung (Telefonat)

Die Regierung aus Union und FDP will am Grundgesetz nach vollzogener Einigung möglichst wenig ändern, Opposition, Bürgerbewegung der ehemaligen DDR und große Teile der SPD stehen dagegen und fordern eine umfassende Reform nach einer breiten öffentlichen Debatte. Frage: Wie sehen Grass' Vorstellungen von einer künftigen deutschen Verfassung aus? Grass (telefon.): Nach einem Jahr Einheit zeige sich, "dass das Gebäude leer ist"; übereilt vollzogene Einheit, Fremdheit unter den Deutschen habe dagegen eher zugenommen; neue Teilung: Deutsche erster und zweiter Klasse; Grund für Fremdheit: Wünsche auf DDR-Seite hinisichtlich neuer Verfassung sind nicht beachtet worden; Runder Tisch mit Ullmann und Poppe sei im Bundestag nicht diskutiert worden; Schlussartikel des Grundgesetzes, dem deutschen Volk im Falle der Einheit eine neue Verfassung vorzulegen, sei zwingend; Grass hat von Anfang an diese Bestrebungen unterstützt und ist jetzt um so mehr der Meinung, dass eine Verfassungsdebatte sehr wichtig ist. Frage: Wer sollte an der breiten Diskussion über die neue Verfassung beteiligt werden? Grass: Warnt davor, die Diskussion auf Bundestag und Bundesrat zu beschränken; auch Mitglieder aus Gewerkschaften, Kirchen und aus dem Bereich der Intellektuellen, die Interesse, Erfahrung und Sachkenntnis zeigten, müssten beteiligt werden; eine verfassungsgebende Versammlung könnte der Einheit "mehr Substanz geben". Frage: Über welche Inhalte sollte diskutiert werden? Welche Inhalte könnten die Menschen der ehemaligen DDR einbringen? Grass: Hält das Grundgesetz für ein sehr gutes Gesetz; daher könnten weite Bereiche davon erhalten bleiben; es bedürfe aber einiger Ergänzungen; neue Problematiken, die zum Verfassungsziel erklärt werden müssten, z.B. Umweltschutz; die in der DDR aufgestellten Forderungen vom Recht auf Arbeit und Recht auf Wohnen sollten sich ebenfalls in der Verfassung niederschlagen; Definition eines deutschen Bürgers dürfe sich außerdem nicht von der Deutschstämmigkeit herleiten lassen; Kinder von Gastarbeitern und Zugewanderten sollten nicht ausgeschlossen werden; auch in dieser Frage müsse man offener werden; weiterer Punkt bei neuer Verfassung nach Erfahrungen des Golfkriegs und der Verwicklung deutscher Firmen in illegalen Waffenhandel: Waffenhandel müsste verfassungsrechtlich grundsätzlich verboten werden. Frage: Wer sollte am Ende über Verfassung entscheiden? Volksentscheid? Grass: Verfassung müsse den Bürgern vorgelegt werden, wie es auch die Verfassung vorschreibe; Möglichkeit der Volksbefragung müsse in wichtigen Fragen genutzt werden.



Urtitel:
Günter Grass zur gesamtdeutschen Verfassung nach der vollzogenen Vereinigung
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Staat in HR1…für das Gespräch.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Gespräch
Historischer Kontext:

Wiedervereinigung und Debatte um Grundgesetz-Änderung

Schlagworte:

Sach:
Einheit; Wiedervereinigung; Verfassung; Bundestag; Bürger; Krieg; Waffenhandel; Umweltschutz; Verfassunggebende Versammlung; Bundesrat
Geo:
DDR; Irak
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
17.05.1991
Aufnahmeort:
Frankfurt am Main
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:06:38
Kopie:

Länge der Kopie:
00:06:40
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Sender / Institution:
ARD
Archivnummer:
B001616311
Produktionsnummer:
2050-007099.100-000
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Sonstige)
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Schamari, Birgit (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Günter Grass zur gesamtdeutschen Verfassung nach der vollzogenen Vereinigung. Frankfurt am Main .

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