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DB-Nummer: 1162
10.20379/dbaud-1162

Kann denn Nahrung Sünde sein? - Schonkost und Festessen im Barock. Von Grimmelshausen zu Grass : Vortrag von Dr. Julian Preece im Rahmen des Kongresses "Menschen sind Tiere, die kochen können"

Preece, Julian

Julian Preece, Swansea […] wieder Freunde aus barocker Zeitweil – der alles eitel nennende Andreas Gryphius und Martin Opitz, bevor ihn die Pest holte, aber auch die Courasche nebst Grimmelshausen, als er sich noch Gelnhausen nannte –, ließen selten etwas von der Schweinekopfsülze übrig. Mal wurde sie als Voressen, mal als Hauptgericht getischt. Ihr Rezept jedoch blieb sich gleich. Günter Grass: Beim Häuten der Zwiebel Im vierten Kapitel des schmackhaften und in jedem Sinne des Wortes würzigen Butt-Romans bekocht und bedient die Küchenmagd Agnes Kurbiella, Opfer einer mehrfachen Vergewaltigung während des Dreißigjährigen Krieges, zwei lokale Danziger Größen, deren Namen in die Literatur- bzw. Kunstgeschichte eingegangen sind. Sie wird die Mätresse sowohl des Dichters und Literaturtheoretikers Martin Opitz als auch des Malers Anton Möller, obwohl sie vom Erzähler für ihre Enthaltsamkeit gerühmt wird. Die beiden Herren lieben sie, weil sie genau herausgefunden hat, was ihren am besten bekommt: Und täglich gab es Milchhirse, mit Honig gesüßt und mit Haselnußkernen für beide gesund gemacht. Agnes wußte, was den Innereien des Malers, des Dichters gleich harmlos war: Brühe aus Rindsknochen, in der spinatgefüllte Maultaschen schwammen, Hühnerbrustchen mit Zuckererbsen oder auch Biersuppen: Muskat und Zimmet dran. Möller mag das Fettige; Opitz knabbert süchtig an Kümmelkernen. Danach war wieder ihre Schonkost gefragt: Kochfisch, der von der Gräte fiel, Milchhirse und Flinsen aus Buchweizenmehl. Agnes’ Küche schont den Magen und das Gemüt: Als der junge Andreas Gryphius bei Opitz zu Besuch ist, gibt es als Hauptspeise gekochten Dorsch, den sie „Pomuchel“ nennt, in Milch gart und mit Dill abschmeckt. Zum Trinken reicht sie dem Gast mit Muskat und Nelken gewürzten Wein und dem magenkranken Gastgeber „Saft aus gepressten Holunderbeeren“ (8:309). Als Nachtisch bekommen die beiden Herren, die sich von ihrem Streit über Dichtung und Politik erholen müssen, „honigsüße[n] Hirsebrei, in den kandierte Holunderblüten gerührt waren“ (8:313); und wenn Opitz leidet, darf er „ein gedünstetes Kalbshirn zu Spargelköpfchen“ (8:327) zu sich nehmen, weil solche Kost seinem Magen gut tun soll. In Schonzeiten kann man anscheinend manchmal sehr gut essen. Die Zeitweil des sprechenden Fisches aus dem Grimm-Märchen und sein männlicher Gegenpart im siebzehnten Jahrhundert sollen mir als Sprungbrett dienen, einige Elemente des Essens in dem größten Romanzyklus der barocken Periode, Grimmelshausens pikaresken und von Günter Grass seit seiner Jugend hochgeschätzten Simplicianischen Schriften, zu untersuchen. Es soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Grass in Sachen Essen und Kochen historisch denkt, indem die symbolische Auswertung der Gerichte und Zutaten in seinen Episoden, die im siebzehnten Jahrhundert angesiedelt sind, mit der Rolle von Speisen und Getränken bei Grimmelshausen verglichen werden. Es geht mir vor allem um die sechs Bücher des Abentheuerlichen Simplicissimus Teutsch und das siebte Buch, die Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche, die Grass als literarische Quelle für Das Treffen in Telgte dienten, in welchem dem jungen Grimmelshausen und seiner zweitbekanntesten Romanfigur Courasche eine zentrale Rolle zukommen. „Zwiespältig“ ist das Anfangswort des berühmten Blechtrommel-Kapitels, „Karfreitagskost“, in welchem jene andere Agnes, die wieder schwanger gewordene Mutter Oskar Matzeraths, den Willen zum Leben aufgibt und sich an Sardinen und anderen Fischsorten zu Tode isst. Wie Agnes Kurbiella spaltet sich Agnes Matzerath zwischen zwei Männern, schließlich zwischen Leben und Tod, zwischen Diesseits und Jenseits. Irdische Nahrungsmittel sind gezwungenermaßen auch hier dem materiellen Leben verhaftet: Grass betont deswegen die materiellen Aspekte der Nahrung und Verdauung, er beschreibt die Gerüche und die Konsistenz, die Betastbarkeit und die Form diverser Zutaten – und er macht das in dieser Episode auf dem Zoppoter Strand so anschaulich, dass manche seiner Leser den Kopf bei der Lektüre wegdrehen. Fisch wird an diesem Karfreitag auch zum Symbol einer gescheiterten Transzendenz. Im barocken Zeitalter hatten die Zutaten ihre symbolische Wirksamkeit noch nicht verloren. Im Butt streitet sich Opitz mit Gryphius, bis die Köchin sie mit einem schonenden Fischessen miteinander versöhnt: „Pomuchel verzanken heißt Liebgottchen nicht danken” (8:313), bringt sie ihnen bei. Der Verzehr der Aalsuppe in dem Haushalt der Familie Matzerath zu Ostern 1937 verläuft bekanntlich anders. Die neun historischen Geschichten, die Grass im Butt erzählt, hätten sich in einigen Hinsichten genauso gut in der Erzählgegenwart der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts zutragen können: Um das zu unterstreichen, gibt er jeder historischen Köchin einen Gegenpart im sogenannten „Feminal“, das dem sprechenden Butt den Prozess für seine Rolle in der Unterdrückung der Frau macht. Die Konstanz in der Ernährung fällt in dem Roman auf. Die Köchinnen bedienen sich eines relativ gleichmäßigen Repertoires an Zutaten: Sie machen nach Geschmack und Temperament nur anderes daraus. Sie sind erfindungsreich und tun ihr kulinarisch Bestes mit dem, was sie vorfinden oder auftreiben können. Es geht Grass darum, wie Alois Wierlacher dargelegt hat, eine „Gegenküche“ zu bürgerlichen Essensnormen und -gewohnheiten zu entwerfen: „Unermüdlich betont [er] die Möglichkeit, niedrig bewertete Speisen schmackhaft zuzubereiten“ . Es sind die symbolischen Qualitäten von Nahrungsmitteln, die von der einzelnen Episode, der Zusammenkunft der Figuren und ihrer Einwirkung aufeinander bedingt sind, die im Mittelpunkt stehen. Pilze gab es schon in der Steinzeit und im Mittelalter, aber nur bei der Zeitgenossin Napoleons, Sophie Rotzoll, kommen sie zur Geltung. Große Umwälzungen in der Geschichte des Essens gibt es im Roman nur zweimal: als der Zeitgenosse der dicken Gret, Vasco da Gama, die Seeroute nach Indien entdeckt und dadurch die Einfuhr von Pfeffer und anderen Gewürzen wesentlich billiger macht; und zweieinhalb Jahrhunderte später als die amerikanische Kartoffel den Sieg über die nordeuropäische Hirse davonträgt. Historiker sprechen von einer weiteren Revolution in den Ernährungsgewohnheiten von Europäern, die die Industrialisierung der Gesellschaft begleitete: Ab der Mitte des achtzehnten Jahrhundert wurde langsam mehr Fleisch gegessen; Fleisch ersetzte Getreide als die Hauptquelle für Eiweiß. Erst ab diesem Zeitpunkt ist die Beschaffung von Öl oder Fett zum Braten kein Dauerproblem mehr für den Durchschnittskoch. Nichts darüber im Butt. Gab es im deutschsprachigen Raum keine „Heiße Getränke Revolution“, als zuerst Kaffee und dann Tee täglich konsumiert wurden und Bier als Frühstücksgetränk verdrängten? Im allgemeinen trennt uns am Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts viel mehr von Grass’ Köchinnen, als sie voneinander. Selbst in der Nachkriegszeit verwenden sie authentische Zutaten (nichts aus der Dose). Es ist bezeichnenderweise eine Spülmaschine und keine Tiefkühltruhe, die die Ehefrau des Erzählers Ilsebill sich wünscht. Sag mir, was Du isst und ich sage Dir, was Du bist: das Essen am Anfang des Romans direkt vor dem Zeugen der Tochter, „Hammelschulter zu Bohnen und Birnen“ (8:9), kam nicht bei jeder Familie Mitte der Siebziger Jahre auf den Tisch. Ihre Wahl ist beeinflusst von der Saison: Es ist Oktober, die Bohnen und Birnen sind also frisch und aus der Region (nicht von weither eingeflogen). Nur in der säkularisierten Moderne hätten sie aber eine Fischsuppe als Vorspeise essen können: Bei den historischen Köchinnen aß man entweder Fisch oder Fleisch, nicht beide zusammen, zu einer Mahlzeit. Im Butt folgen die mageren Jahre des Dreißigjährigen Krieges auf die Exzesse der Renaissance, die Grass in der Gestalt der Margarete Rusch oder dicken Gret verkörpert. Was die körperlichen Eigenschaften der Köchinnen angeht, so sind die Renaissance und das Barock bei Grass sicherlich entgegengesetzte Epochen. Gret ist so dick, dass sie einen Liebhaber im Bett erstickt, und so stark, dass sie einem anderen Herrn, dem flüchtigen Prediger Jakob Hegge, eine Hode abbeißt. Sie ist Männern gefährlich. Agnes hingegen ist die personifizierte Passivität. Sie dient ihren Herren, nimmt alles hin und soll sich sogar in einen ihrer schwedischen Vergewaltiger verliebt haben. Diese Unterschiede in der Mentalität der Köchinnen sieht man jedoch merkwürdigerweise kaum an den Gerichten, die Gret und Agnes ihren Männern auftischen. Wie der weltgewandte Mönch und französische Romanschriftsteller Rabelais, der Gret Pate gestanden hat, schöpft sie sprachlich aus dem vollen. Die Mahlzeiten in Rabelais’ Erzählungen sind aber viel lustiger, die Portionen gewaltiger. Bei Gret kommen Kutteln auf den Tisch, in großen Mengen zwar, aber wenn ihre Kapazitäten in der Küche denjenigen in dem Schlafzimmer entsprächen, würden wir nicht üppigere Mahlzeiten erwarten? Ein kulinarischer Füllhorn ist es nicht. Als Grass zwei Jahre nach dem Erscheinen des Butt den Konferenzen der Gruppe 47 ein literarisches Denkmal setzen wollte, schrieb er nicht etwa das sechste Kapitel fort, in dem einige Künstler zur Zeit Napoleons zusammenkommen, um das Los des Vaterlands zu beklagen, sondern das vierte, in welchem Opitz und Gryphius sich treffen und beraten. Das siebzehnte Jahrhundert ist von jeher Grass’ Zeitalter gewesen. Er hat auf den ersten Blick manches mit den Dichtern der Epoche gemeinsam: Das üppige seiner Beschreibungen, seine Betonung des Sinnlichen und Vergänglichen, das Visuelle und die Drastik seiner Metaphern haben alle etwas „Barockes“, wie Alexander Weber längst dargestellt hat. Wie in jeder literarischen Darstellung einer historischen Episode, nicht nur wie in Episoden, die sich in der Wirklichkeit nie zugetragen haben, wimmelt es auch in Das Treffen in Telgte von anachronistischen Einzelheiten. Dichter im siebzehnten Jahrhundert kümmerten sich um das Wohl ihres Vaterlandes anders – wenn überhaupt – als ihre Kollegen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Das gleiche dürfte für das Essen gelten. In Telgte ist die Küche insofern ein weiblicher Bereich, als die Wirtin des Brückenhofs, jene auferstandene Courasche aus dem siebten Buch der Simplicianischen Schriften, und ihre drei Mägde die Herren Dichter bekochen, während diese über die kulturelle Erneuerung und politische Zukunft des Landes debattieren und einander aus ihren Werken vorlesen. Bei Grimmelshausen hatte Courasche wenig mit dem Essen zu tun gehabt. Zwar hat sie mit vielen Männern geschlafen, aber nur, wenn sie selbst etwas davon hatte: Bekocht hat sie keinen. Gutes Essen ist wertvoll und daher ein Objekt der Begierde für alle von Grimmelshausens Schelmen, die ihre Leser mit „Possen“ unterhalten, in denen sie durch kluge Tricks diverse Fleischsorten in ihren Besitz nehmen, wie etwa im letzten Kapitel des zweiten Buches von Simplicissimus Teutsch („Wie der Teufel dem Pfaffen seinen Speck gestohlen / und sich der Jäger selbst fängt“). Aufschlussreicher für diese Untersuchung ist es zu bemerken, dass Courasche selbst zweimal als etwas Essenswertes erwähnt oder behandelt wird. Als sie in Italien ihr Geld als Edelhure verdient, erklärt sie, wie sie die dortigen Männer als „Wildbret und etwas fremdes“ beeindruckt und dadurch die Eifersucht ihrer italienischen Konkurrentinnen erweckt. Diese rächen sich, indem sie dafür sorgen, dass Courasche unwissend ein starkes Abführmittel zu sich nimmt, dessen Wirkung die romantische Stimmung kurz vor dem Liebesakt mit einem reichen Freier zerstiebt. Furzwitze sind international und uralt, die Variationen zwangsläufig gering. Man kann sie aber unterschiedlich deuten. Grimmelshausens stammen aus den Schwankbüchern und sind Beleg dafür, dass er seine Leser unterhalten möchte. Von ihm bekommen sie, was sie von Unterhaltungsliteratur ihrer Zeit erwarten. Weil Grimmelshausen ein bedeutender Schriftsteller ist, steckt etwas mehr dahinter, und in Courasches Geschichte fällt auf, dass das Instrument der Rache – ihr eigener Körper, dem sie soviel Reichtum und Ruhm verdankt – von dem reichen Herrn begehrt wird. Es sind also nicht nur die italienischen Dirnen, die zurückschlagen, sondern der Körper, den sie in den Augen Gottes jahrelang missbraucht hat. So zumindest die traditionelle, religiöse Deutung, die Courasche als die sündhafte „Frau Welt“ verteufelt. Man könnte kontern, dass das Opfer eines solchen Schwankes, die Romanheldin, die Sympathie des Lesers gewinnt und dass es dem religiösen Deuter danach schwieriger wird, ihre Verteufelung glaubhaft zu machen. Das gleiche gilt für die andere Episode, in welcher Courasche als etwas essbares dargestellt wird. Auch hier geht es um Sex, Essen und Rache, aber dieses Mal gibt es nichts zu lachen. Courasche erzählt, wie ein Major, der sich gedemütigt glaubte, als er von ihr gefangen genommen wurde, sich auf die grausamste Art und Weise an ihr rächt. Sie wird zuerst von den Offizieren und dann auch von den Knechten vergewaltigt: ich fande keine Barmhertzigkeit bey diesen Viehischen Unmenschen / welche aller Scham / und Christlichen Erbarkeit vergessen mich zu erst nackend auszohen / wie ich auf diese Welt kommen / und ein paar Handvoll Erbsen aud die Erden schütten / die ich auflesen muste / worzu sie mich dann mit Spießruthen nöthigten; ja sie würtzten mich mit Salz und Pfeffer / daß ich gumpen und plitzen muste wie ein Esel / dem man ein Handvoll Dorn oder Nesseln unter den Schweiff gebunden; und ich glaube / wann es nicht Winterzeit gewesen wäre / daß sie mich auch mit Brennesseln gegeisselt hätten. (Courasche, S. 62-3) Sie wird zum Objekt degradiert, wie ein Tier misshandelt (und mit einem Esel verglichen) und wie ein Stück Fleisch traktiert, das man lebend verzehren will. Die wahren Viehe sind aber ihre Peiniger. Die Verwendung von Gewürzen ist übrigens bei Grimmelshausen immer negativ besetzt, mit einem Wort „sündhaft“, wie wir sehen werden. Was die Kochkunst betrifft, darf man sich fragen, warum Grass auf diese Periode versessen ist. Nicht nur bei Grimmelshausen wird zumeist spärlich gespeist. Bei Thomas Garzoni, Grimmelshausens literarischem Gewährsmann, dessen Allgemeiner Schauplatz (Piazza Universale) er oft als Quelle benutzte, liest man Folgendes in seinem 93.ten Discurs „Von Köchen / und Küchenjungen / Credenzern / Vorschneidern / Kellern oder Schencken / Tischdienern und Gästen“, der direkt nach dem Diskurs über Bildhauer (92) und gerade vor dem über Mäuerer (94) eingeschoben ist: Die Kochkunst ist in den ersten güldenen Zeiten deß Saturni bey dem einfeltigen Volck / welches ihm an Aepffeln unnd Eicheln genügen lassen / unnd gleichwol biß in ihr hohes Alter in guter Gesundheit ohne so vielerhande Schwachheiten gelebt haben / nit sohoch geachtet gewesen / als in der jezigen vermeyntlichen klugen Welt / in welcher der Bauch gleichsam der Menschen Gott ist worden / dem sie ohn Unterlaß fleissig und trewlich dienen / mit so mancherley künstlich zubereitten Speisen und Geträncken / daß man wol möchte sagen / es sey der Abgott Bell zu Babel niemals so frässig und begierig gewesen / als der jezigen Welt Abgott V e n t e r. In der verkehrten oder närrischen Welt gibt es Koch- und Fressnarren, und die nimmt Garzoni in diesem Abschnitt aufs Korn. Je einfacher die Gerichte, desto natürlicher, gesünder, christlicher und gottgefälliger sind sie. Feinkost ist Scheinkost, die ins Verderben führt. Der junge Simplicissimus erfährt den Unterschied am eigenen Leib, als er die Speisen im weltfernen Wald bei dem Einsiedler, der ihm die Bibel und die christliche Religion vermittelt, mit dem weltlichen Schmaus in Hanau vergleicht, wo er selbst den feinen Herrn ihr Essen und Wein an den Tisch bringt. In Hanau riecht es übel, ja häufig stinkt es grausam, weil Simplicissimus die feinen Gerichten nicht gewöhnt ist und seine durch sie verursachten „Leibesdunste“ nicht bei sich zu halten weiß („Dem Secretario wird ein starker Geruch in die Cantzley geräuchert“, S. 76-8). Dieses Problem der Selbstbeherrschung gab es im Wald nicht – weil er und der Einsiedler im Freien lebten, nicht weil sie sich anders ernährten. Es ist eine Frage des sozialen Benehmens und nicht der Nahrungsmittel, wie man zuerst annehmen könnte. Der Abentheuerlliche Simplicissimus Teutsch ist ein sozialkritischer Roman, in dem berichtet wird, wie die Bauern und einfachen Leut’ leer ausgehen, während im Saal in Hanau „man Speiß und Tranck muthwillig verderbte / unangesehen der arme Lazarus / den man damit hätte laben können / in Gestalt vieler hundert vertriebener Wetterauer / denen der Hunger zu den Augen herauß guckte / vor unsern Thüren verschmachtete / weil naut im Schanck war“ (S. 84). Der religiöse Dichter, dessen Held der Welt entfliehen musste, um sein Seelenheil zu retten, sieht die Ungerechtigkeit in der Verteilung weltlicher Güter und prangert diese miserablen Zustände an. Er gehörte nicht zu den christlichen Satirikern, die der Welt den Rücken zukehrten, weil das vergängliche Leben hiernieder nichts zählte. Er übte aber nicht nur Gesellschafts-, sondern auch Zivilisationskritik. Im ersten Buch handeln zwei Kapitel, die gegensätzlicher nicht hätten sein können, von Essen. Bei diesem Kontrast geht Grimmelshausen nicht dialektisch ans Werk, wie an anderen Stellen, vor allem im Courasche-Roman, sondern stellt ein Ideal neben dessen Gegenbild. Zuerst das Ideal bei dem Einsiedler im Spessarter Wald: Unsre Speiß war allerhand Gartengewächs / Rüben / Kraut / Bohnen / Erbsen und dergleichen / wir verschmäheten auch keine Buchen / wilde Äpfel / Birn / Kirschen / ja die Eicheln machte uns der Hunger offt angenehm; das Brot / oder besser zu sagen / unsere Kuchen backten wir in heisser Aschen / aus zerstoßenem Welschen Korn / im Winter fiengen wir Vögel mit Sprinken und Stricken / im Frühling und Sommer aber bescherte uns Gott Junge aus den Nestern / wir behalfen uns offt mit Schnecken und Fröschen / so war uns auch mit Reussen und Anglen das Fischen nicht zu wider / in dem ohnweit von unserer Wohnung ein Fisch- und Krebsreicher Bach hin floß / welches alles unser grob Gemüß hinunder convoyren mußte; wir hatten auff eine Zeit ein junges wildes Schweinlein auffgefangen / welches wir in einen Pferch versperret / mit Eicheln und Buchen aufferzogen / gemästet / und endlich verzehret / weil mein Einsiedel wußte / daß solches keine Sünde seyn könte / wann man genießet / was Gott dem gantzen menschlichen Geschlecht zu solchem End erschaffen / Saltz brauchten wir wenig / und von Gewürtz gar nichts / dann wir dörfften den Lust zum Trunk nicht erwecken (S. 31-2). Ob sie ihr „Gartengewächs“ selbst anbauten oder nur sammelten, was sie fanden, ist nicht festzustellen. Jedenfalls aßen sie, was Gott und die Natur ihnen bescherten. Nur einmal ist von Genuss die Rede: Dieser kann leicht sündhaft werden, ist es aber offensichtlich nicht immer. Vegetarier sind sie nicht, wie es zuerst scheint; und wir dürfen annehmen, dass sie ihr Schweinefleisch, Fisch und andere Fleischsorten nicht roh verzehrten. Ihr Küchenrat, wenn man draußen im Wald überhaupt von einer Küche sprechen kann, ist dürftig und besteht aus einem von dem selben Pfarrer ausgeliehenen „eisernen Hafen zum Kochen“ und zwei „abgenützte[n] stumpfe[n] Messer[n]” (S. 32). Der Erzähler, also der alte Simplicissimus selbst, betont ausdrücklich, dass sie kein Geschirr, kein anderes Besteck und keine sonstigen Töpfe benötigten. Verzicht ist tugendhaft. Überwacht wird ihre Lebensführung vom Pfarrer. Diese frommen Waldbrüder, die in Wirklichkeit Vater und Sohn sind, essen, was Gott ihnen schenkt, in möglichst natürlichem Zustand. Derlei könnte man nie von einer Grass-Figur sagen. In seiner jüngst erschienen Autobiographie weist Grass mehrmals auf den Abentheuerlichen Simplicissimus Teutsch hin, als er seinen eigenen Weg durch die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges beschreibt. Nur durch Glück und hin und wieder ein schelmisches Kunststück hat er, genau wie Grimmelshausens junger Held und vermutlich der Autor selbst, den Krieg überlebt. Es fallen auch Ähnlichkeiten in den Mahlzeiten auf, vor allem in dem Gefangenenlager direkt nach dem Kriegsende, wo der siebzehnjähriger Grass sein Essen aus dem Wald holen musste. Sein Lehrer ist kein Einsiedler, sondern ein Gefreiter von der Sorte, die er zu achten weiß. Er zeigt ihm, wie man „Spinat“ aus „Brennesseln und Löwenzahn“ kochen kann (BHZ:192). Ein Mitgefangener hat als Besatzungssoldat in Frankreich gelernt, wie man Frösche Waldtümpeln abfangen und lebend zerlegen kann, um die Schenkel mit dem Spinat zu kochen (BHZ:193). Für Grass geht es immer darum, die einfachen Zutaten schmackhaft zu machen. Für Grimmelshausen hingegen scheinen Gewürze oder gewürztes Essen etwas Sündhaftes gewesen zu sein. Sie werden von Simplicissimus und dem Einsiedler nicht gebraucht aus dem vielleicht überraschenden Grund, dass sie keinen Alkohol trinken – Gewürze nutzt man anscheinend nur, um den Durst zu kitzeln. Gewürze werden also nicht nur mit übermäßigem Genuss, sondern auch mit Schwindel in Verbindung gebracht. Die kleine Menge Salz, die jeder Menschenkörper braucht, wird ihnen von einem Pfarrer ausgehändigt und man kann sicher sein, dass er ihnen nicht zuviel auf einmal gegeben haben wird. In Grimmelshausens Wunderbarlichem Vogelnest, das den neunten und zehnten Teil der Simplicianischen Schriften bildet, nutzt der erste Nestbesitzer seine durch das magische Nest verursachte Unsichtbarkeit nicht nur aus, um nackte Frauen zu erblicken, sondern auch um seinen Magen mit Leckerbissen zu füllen, die er sonst nicht bekommen würde. Vor Gewürztem, oder soll ich besser sagen: vor Gesäuertem, warnt Grimmelshausen ausdrücklich. Nachdem der Nestbesitzer sich bei einem geizigen Hausbesitzer durch kluge Tricks trotzdem gut ernährt und unter anderem eine beachtenswerte Menge Käse verzehrt hat, sieht er am folgenden Morgen zu, wie die Hausfrau Butter und Käse zu Markt bringt, um sie zu verkaufen. Seiner Anwesenheit nicht bewusst macht sie neben dem unsichtbaren Gast von gestern Abend Pause. Er erzählt: Ich sahe ihr zu / wie sie ihren Butter und ihre Käse nacheinander heraus packte / und den Butter in denselben Bächlein netzte / damit er fein hart und frisch bleiben solte; die Käse lagen auch dort besonders auff einem Hauffen / über welche sie hockte gleichsam wie eine Bruthänne über ihre Eyer / und netzte sie so artlich mit warmem Wasser / gleichwie sie zuvor den Butter mit kaltem befeuchtet. Als der Nestbesitzer sich erinnert, wie er am vorigen Abend reichlich von dem gleichen schon übelriechenden Käse gegessen hat, übergibt er sich über die arme Frau, die er verschrickt, indem er ihren nackten Hintern mit Brennnesseln prügelt. Obwohl Grimmelshausen erklärt, warum sie die Butter in den Bach netzte, nämlich „damit er fein hart und frisch bleiben sollte“, bleibt es ein Rätsel, warum sie auf den Käse uriniert. Als Konservierungsmittel ist diese Flüssigkeit wohl untauglich, und wenn sie die Haltbarkeit ihres Käses verlängern wollte, hätte sie ihn ohnehin zusammen mit der Butter ins Wasser stellen können. Ich glaube, dass wir annehmen müssen, dass sie auf den Geschmack oder den Geruch einwirken und dadurch ihre Kunden betrügen wollte. Als Simplicissimus am Ende seiner Geschichte in der sogenannten Continuatio selbst Einsiedler wird, dieses Mal auf einer Insel im tropischen Ozean, beschert die Natur ihm und dem Kumpan, der ihn zunächst begleitet, noch mehr als damals im Spessarter Wald. Ohne jegliche landwirtschaftliche Tätigkeit würde dieses unverdorbene, weil von Menschen noch nicht bewohnte Stück von Gottes Erde viel mehr Menschen ernähren können, als den ausgedienten Soldaten und einen Zimmermann. Es gibt nämlich „eine unsäglich Mänge Fische in der Grösse als mittelmäßige Salmen oder grosse Karpffen“ (S. 555). Geflügel und Südfrüchte sind genauso zahlreich, so dass die beiden glauben würden, sie seien in „Schlauraffenland“ gelandet, gäbe es nur andere menschlichen Wesen, ihnen Gesellschaft zu leisten, und Küchenrat, womit sie die vielen guten Dinge richtig zubereiten könnten. Nach dem Vierteljahrhundert, das Simplicissimus nach dem Tod des Einsiedlers in der Welt verbracht hat, braucht er offensichtlich mehr als ein stumpfes Messer und einen eisernen Hafen. Er kann nicht umhin, zivilisiert worden zu sein. Sein Wunsch nach Geschirr und Gesellschaft wird schon am gleichen Tag erfüllt, als eine Kiste, an die eine junge, hübsche und pechschwarze Schiffbrüchige festgebunden ist, an den Strand gespült wird. Die Frau, die sie für eine christliche Abyssinerin halten, stellt sich als Magd eines reichen Herrn vor. In ihrer Kiste finden die zwei Männer alles, was sie für ein bequemes Leben auf ihrer Insel brauchen. Es sind: „etliche chinesische Stück gewant / etliche Gewehr und Waffen / und dann unterschiedliche so grosse als kleine Porcellanen Geschirr / so in Portugal einen vornehmen Fürsten von ihrem Herrn hette geschickt werden sollen“ (S. 556). In der Person der Frau haben sie das, wonach sich alleingelassene Männer, selbst wenn sie Hunger haben, sehnen. Als sie den beiden Herrn ihre Dienste als Magd und Köchin anbietet, können diese ihr Glück nicht glauben. Ihr Einfluss auf ihr Inselleben wird also ein zivilatorischer sein, oder, weil sie den Zivilisationsprozess schon durchgemacht haben: Die Frau wird es ihnen ermöglichen, weiterhin ein zivilisiertes Leben zu führen. Mit der Hilfe des Zubehörs, das sie mit sich führte, wird sie fortan die rohen Zutaten, von denen sie umgeben sind, in leckere Gerichte verwandeln. Komisch: Denn wie soll eine Schwarzafrikanerin zwei europäischen Männern zivilisiertes Verhalten ermöglichen, geschweige denn beibringen? Alles ist zu gut, um wahr zu sein. Bald schlägt sie dem jüngeren der beiden Männer vor, Simplicissimus aus dem Weg zu schaffen, damit er allein ihre Dienste sowohl als Geliebte, als auch als Köchin, genießen kann. Ihr Komplott wird sofort vereitelt, als Simplicissimus zurückkehrt, das Benediktum vor dem Essen spricht und dabei das Zeichen des Kreuzes macht. Frau und Kiste verschwinden alsbald und lassen einen „grausamen Gestank“ hinter sich. In der Continuatio schreibt Grimmelshausen nicht mehr realistisch wie in den ersten fünf Büchern, sondern lässt seinen fiktiven Helden seine Erfahrungen allegorisch deuten. Die schwarze Köchin ist eine von dem Teufel angenommene Form, durch welche Simplicissimus wieder versucht werden soll, wie er zuvor schon während der ersten fünf Bücher versucht worden ist. Im Gegensatz zu früher besteht er diese Prüfung, und der Teufel macht sich davon. In der Forschung sind seine weibliche Gestalt und deren schwarze Hautfarbe immer wieder hervorgehoben worden. Was mir in diesem Zusammenhang auffällt, ist seine Zugehörigkeit zur von Grimmelshausen verpönten Kochkunst. Die andere Episode im ersten Buch des Romans erklärt, warum der erste wirkliche Romanschriftsteller deutscher Sprache so über das Kochen und Essen gedacht hat. In Hanau, wohin es Simplicissimus nach dem Tod seines Einsiedler-Vaters verschlägt, wird ein militärischer Sieg mit einer „Fürstliche Gasterey“ (S. 80) gefeiert. Einige der Gerichte dürften Butt-Lesern bekannt vorkommen. So verleitet zum Beispiel „ein grosser fetter Kalbskopff“, mit Ingwer und „Speck-Brühe“ zubereitet, Simplicissimus dazu, den Leckerbissen, den er in den Esssaal hineintragen soll, selbst zu verköstigen – ein Vergehen, das ihm, wäre der Gouverneur ihm nicht noch geneigt, seine Stelle gekostet hätte. Grimmelshausen vergisst nicht, einen sozialkritischen Hieb zu versetzen. Denn von solchen Kalbsköpfen pflegte man zu sagen „daß sie kein Armer fressen dörfe“ (S. 80). Diese Kost kommt also nur auf den Tisch der Reichen. Grimmelshausen geht es um das frevelhafte Verhalten der Gäste, die mehr und mehr Wein in sich hineinschütten und deren Verhalten dementsprechend tierischer wird. Simplicissimus fragt sich: „Wer weiß / ob Circe andere Mittel gebraucht hat / als eben diese / da sie deß Ulyssis Geferten in Schwein verändert?“ Er sieht zu, wie „diese Gäst die Trachten frassen wie die Säu / darauff soffen wie die Kühe / sich dabey stellten wie die Esel / und alle endlich kotzten wie die Gerberhund“ (S. 82). Das Unnatürliche ihres Verhaltens wird von der unnatürlichen Zubereitung ihres Essens verursacht. Der Erzähler scheint fest davon überzeugt zu sein, dass sie nur essen, um besser trinken zu können. Das Fremde geht mit dem Unnatürlichen Hand in Hand: Man brachte Gerichter / deßwegen Vor-Essen genant / weil sie gewürtzt und vor dem Trunk zu geniessen verordnet waren / damit derselbe desto besser gienge: Item Beyessen / weil sie bei dem Trunk nicht übel schmecken solten / allerhand Französischen Potagen und Spanischen Olla Potriden zu geschweigen, welche durch tausendfältige künstliche Zubereitungen und ohnzahlbare Zusätze / dermaßen verpfeffert / überdummelt / vermummet / mixtirt und zum Trunk gerüstet waren / daß sie durch solche zufällige Sachen und Gewürtz mit ihrer Substanz sich weit anders verändert hatten / als sie die Natur anfänglich hervor gebracht / also daß sie Cneus Manlius selbsten / wann er schon erst auß Asia kommen wäre / und die beste Köch bey sich gehabt hätte / dennoch nicht gekennet hätte. (S. 82) Cneus Manlius gilt für Garzoni als der erste Koch und Erfinder der Kochkunst, die von Asien nach Europa gebracht wurde. Das Kochen mit Gewürzen ist undeutsch, gar uneuropäisch und daher unchristlich und gegen die Natur. Die Grimmelshausen-Figur, die bei Grass in Das Treffen in Telgte ihre Auferstehung feiert, ist nicht Simplicissimus, sondern die Frau, mit der er kurz und zwar an einem moralischen Tiefpunkt seines Leben liiert war: Courasche, jetzt wieder beim Namen, den sie in ihrer Jugend ablegte, Libuschka, genannt. Sie unterbricht ihre Karriere als wandernde Zigeunerin, die sie am Ende Grimmelshausens Roman aufnahm, um kurz Wirtin zu werden. Grass schreibt sowohl die Simplicianischen Schriften Grimmelshausens, als auch seinen eigenen Butt-Roman fort, aber diese Fortsetzung der Geschichte der Nahrung verdankt weniger den Quellen als seiner Fantasie. Es geht in der Erzählung nicht in erster Linie ums Essen, sondern ums Schreiben und um die Wirksamkeit des Geschriebenen, aber, wie die Erfahrung der Telgter Dichter zeigt: Ohne die materiellen Grundlagen des Lebens erst zu sichern, kommt nichts aufs Papier. Mit leerem Magen schreibt man keine Gedichte. Es ist daher bezeichnend, dass die Dichter in einem Wirtshaus tagen, dem auf einer Flussinsel gelegenem Brückenhof, einem Quartier, das sie sich nur mit Hilfe Gelnhausens Schwert beschaffen können. Ihr Treffen steht von Anfang an unter diesem Zeichen der Gewalt. (Günter Grass hat übrigens nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Schriftsteller von der Wirklichkeit kompromittiert sind.) Die Dichter in Telgte werden wieder ermahnt, dass ihre Schreiberei wenig zählt, wenn es darum geht, an heiß begehrte Nahrungsmittel heranzukommen. Ihre Selbstachtung und Selbsttäuschung, die im Laufe der Erzählung auf und ab gehen, werden in der variablen Qualität der Speisen bespiegelt. Täuschen sie sich über ihre Stellung in der Welt, so essen sie gut; achten sie sich und die Wahrheit, so essen sie ehrlich und schonend, am Ende der Erzählung vom selbst gefangenen Fisch, der wie durch ein Wunder in Greflingers Netz schwimmt. Es gibt drei Essensphasen in Das Treffen in Telgte. Am ersten Abend verzehren einige „Braunbier, Käse und Brot“ (9:18). Das Bier ist gestohlen. Am nächsten Tag kommt wenig Schmackhaftes auf den Tisch: Indessen hatte die Wirtin mit ihren Mägden in der Kleinen Wirtsstube ein eher bescheidenes Zwischenmahl getischt: In der von Wurstbrühen fetten Suppe schwammen Mehlklietern. Brot lag in Fladen. Braunbier war zu haben. Man brach ab, tunkte ein, schlabberte, füllte nach. (9:29) Kein Fleisch also, nicht einmal wirkliche Wurst sondern nur eine aus Wurst gemachte Brühe mit billig gemachten Knödeln. Simon Dach, der eigentlich Gastgeber, der seine Kollegen aus allen Ecken des Vaterlandes hier versammelt hat, kündigt das erste Abendessen mit einer Erklärung an: Libuschkas Vorräte seien vor kurzem von fouragierenden Kroaten „requiriert“ worden, „die Kälber weggetrieben, die Säue abgestochen und die letzte Gans konsumiert, oder, wie man gut deutsch sage, gefressen“ (9:39). Was übrig geblieben ist, reicht erst einmal für eine Mahlzeit: Was die Wirtin von ihren Mägden auftragen ließ, war so mager nicht: in tiefen Kummen dampfender Hirsebrei mit ausgelassenen Schweineflom und Speckspirkeln übergossen. Dazu gab es Brühwürste und grobes Brot. Außerdem hatte ihr Garten, der hinterm Haus, von Wildnis umzäunt, geschützt lag (und die fouragierenden Kroaten übersehen haben mochten), Zwiebeln, Mohrrüben und Rettich



Urtitel:
Kann denn Nahrung Sünde sein? - Schonkost und Festessen im Barock. Von Grimmelshausen zu Grass
Genre/Inhalt:
--
Präsentation:
Rede
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
29.09.2006
Aufnahmeort:
Bremen, Stadtwaage
Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
Vortrag liegt auf Mini-DV vor. Bild ist allerdings beschädigt, daher wurde nur die Audio-Aufzeichnung als Dokument eingespielt.
Kopie:

Tonträger:
CD
Teilnehmende:

Person:
Preece, Julian (Vorredner(in))
Person:
Preece, Julian (Autor(in))

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Preece, Julian: Kann denn Nahrung Sünde sein? - Schonkost und Festessen im Barock. Von Grimmelshausen zu Grass. Bremen, Stadtwaage .

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