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DB-Nummer: 1348

Günter Grass zum 70. Geburtstag : Collage berühmter Stimmen

Rüth, Gabi

Grass erzählt eine Anekdote vom Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn (nach Veröffentlichung erster Gedichte); amüsierte Reaktionen im Publikum; Grass: durch einen polnischen Freund (Andrzej Wirth) vermittelte Bekanntschaf mit Marcel Reich-Ranicki; dieser habe ihn über deutsche Schriftsteller und seine eigene schriftstellerische Tätigkeit ausgefragt; Grass habe ihm einen Kurzfassung seines im Entstehen befindlichen Romans "Die Blechtrommel" gegeben ("Junge, dreijährig, stellt Wachstum ein - kürzer kann mans nicht fassen"); Ranicki habe am nächsten Tag bei Wirth angerufen und zu diesem gesagt, dass Grass kein deutscher Schriftsteller sei, sondern ein bulgarischer Agent; Reich-Ranicki über die erste Begegnung mit Günter Grass: unvergessliche Begegnung, die er in seinem Buch über Günter Grass genau geschildert habe; er habe jedoch einen steifen Gang und einen gläsernen Blick bei Grass festgestellt; später habe sich herausgestellt, dass Grass sehr viel Vodka getrunken habe; dennoch habe Grass vollkommen klar zur Sache geredet; Grass habe seinerzeit viel getrunken; Klaus Wagenbach über Günter Grass: Wagenbach hat Grass als Tänzer bestaunt; der damals mit der Tänzerin Anna verheiratete Grass habe durch wilden Tanz beeindruckt; er habe Grass in Paris in einer "unglaublichen Wohnung" besucht; dort habe er sich mit Holzlatten zusammen mit Grass durch einen von Ratten bevölkerten Hinterhof durchschlagen müssen; damals sei Grass mit der "Blechtrommel" beschäftigt gewesen; danach unregelmäßige Treffen mit Grass, vor allem im Sommer in Tessin, wo auch Max Frisch und Alfred Andersch gewohnt haben; Grass' Hauptleidenschaft dort sei das Skatspielen gewesen, Wagenbach selbst als dritter Mann habe immer verloren; die Spieleinsätze habe Grass damals aber gut brauchen können; Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen): hat Grass 1988 kennengelernt; damals habe sie die Idee gehabt, dass Grass noch einmal eine sozialliberale Ära anstoßen könne; Grass habe gesagt, ein rotgrünes Projekt würde ihn reizen, aber vorher müsse sich die Frage nach der politischen Linken und deren Verhältnis zur Nation klären; 1989 habe sie mit Grass eine Einladung geschrieben und einige Leute persönlich besucht (Richard von Weizsäcker, Hans Dietrich Genscher, Willy Brandt), um zur Vorlage eines rotgrünes Projekts ein neues linkes Konzept zu entwickeln; Grass habe für das Konzept einer Kulturnation plädiert mit zwei konföderierten Staaten; als symbolischen Ort für die Tagung dazu habe man im Januar 1990 Tutzing ausgewählt; dies sei "einen historischen Wimpernschlag zu spät" gewesen; zur Vorbereitung dieser Tagung habe Vollmer Grass am Martinstag in Behlendorf besucht; in Grass' Atelier habe es damals eigenartig gerochen, da er mit Tintenfisch-Tinte gemalt habe; Motiv sei eine auf einem Teller liegende Flugente gewesen; die Vorlage zu diesem Motiv sei am Abend dann nach kaschubischer Art gebraten serviert worden; am nächsten Tag habe Grass die abgenagten Knochen dieser Ente gezeichnet; Klaus Wagenbach über die Grass'schen Kochkünste: "Grauenhaft"; die kaschubische Küche sei anders; von Grass habe er den "groben Gebrauch" von Majoran kennengelernt; andere Gerichte hätten Wagenbachs "Ekelschwelle" weit überschritten (Schweinskopfsülze); der Hang zum Deftigen habe auch mit Grass' Person zu tun; Grass wolle die Ekelschwelle bei seinen Gästen wohl ausreizen; das Provizieren finde sich auch in seiner Literatur wieder; Marga Engel (Haushälterin bei Grass) über die lebende Vorlage zur "Rättin": Frau Grass habe ihr von Günter Grass' Weihnachtswunsch, einer Ratte, erzählt; aus Göttingen habe Frau Grass dann eine Ratte kommen lassen; die Ratte sei unter der Pflege von Marga Engel gestorben; die Ratte habe in einem Käfig in Grass' Atelier gestanden; während eines Urlaubs habe die Ratte dann eines Tages tot im Käfig gelegen, Marga Engel habe sie einfrieren müssen; Martin Buchhorn (Regisseur des Films "Die Rättin"): die Idee zum Film sei bei einem Essen im Gasthaus Woll auf den Spiecherer Höhen augekommen; dort habe Buchhorn mit Grass, Heinrich Böll und Siegfried Lenz zusammengesessen; Grass habe von seiner "Rättin" erzählt und dies habe Buchhorn zu der Idee eines Films gebracht; die Gastwirtin Woll sei dann zu den Herren an den Tisch gekommen und habe gesungen; Antje Vollmer über die erste Lesung aus "Ein weites Feld": die heftigen Kritiken zu "Ein weites Feld" hätten Vollmers Loyalität und Solidarität zu Grass angesprochen; daher sei sie auch zur ersten Lesung in Ost-Berlin gegangen, die sehr gut besucht gewesen sei; für Grass sei es fast ein "Gesichtsverlust" gewesen, vor den Kritikern zu lesen, die ihn vorher angefeindet und angegriffen hätten; Grass'Hände hätten leicht gezittert, doch seine Stimme sei fest gewesen; Martin Buchhorn über das "Rattenwelsch": Anfang 1987 Treffen mit Grass in Darmstadt bei Luchterhand und Gespräch über die Konzeption der "Rättin"; in Darmstadt habe Grass ein Treffen mit seinen Übersetzern gehabt; dabei sei es um das "Rattenwelsch" gegangen; die Ursprünge des Rattenwelsch im Kaschubischen habe Grass verneint, er habe es sich selbst ausgedacht; bei den Dreharbeiten zum Film sei in der Filmcrew "Ultemosch" immer ein Wort für "Ende" gewesen.



Urtitel:
Scala - Kultur am Mittag: Günter Grass zum 70. Geburtstag
Anfang/Ende:
Ich hatte das…es: definitv ultimus. (Musik)
Genre/Inhalt:
Biographie
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Kontexte zu den einzelnen Redebeiträgen: Anfang Juni 1958 besucht Grass zum ersten Mal seit 1944 auf Einladung von Andrzej Wirth Danzig, um für die "Blechtrommel" zu recherchieren, insbesondere für das Kapitel über die Verteidigung der Polnischen Post. Grass schließt dabei nicht nur Freundschaft mit Andrzej Wirth, der zwei Kapitel der "Blechtrommel" noch vor deren Veröffentlichung in zwei polnischen Zeitschriften publiziert, sondern lernt auch den Publizisten und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki kennen. Die im Dokument angesprochene Begegnung, die nicht von Sympathie geprägt ist, ist u.a. beschrieben in: Michael Jürgs: Bürger Grass. Biographie eines deutschen Schriftstellers. München: Goldmann 2004, S. 127f. Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. DVA, München 1999. Die Arbeit an der "Blechtrommel" beginnt für Grass Anfang 1958. Seine Frau Anna und seine Freunde Klaus Wagenbach und Walter Höllerer sind die ersten, denen er Auszüge aus seinem entstehenden Roman vorliest. Mit Antje Vollmer zusammen organisiert Grass 1989 die Tagung "Neue Antworten auf die Deutsche Frage", die im Januar 1990 in Tutzing stattindet. Zu dieser Tagung, bei der über die Zukunft der beiden deutschen Staaten bzw. die Verinigung der beiden Staaten diskutiert wird, sind u.a. Willy Brandt, Kurt Masur, Günter de Bruyn, Walter Janka und Hans-Dietrich Genscher geladen. Grass hält dort seine vielbeachtete "Kurze Rede eines vaterlandslosen Gesellen". Zur Tagung in Tutzing vgl. auch DB AUD 51 und DB AUD 330. Zum Themenfeld "Grass und die Kochkunst" versanstaltet die Günter Grass Stiftung Bremen im September 2006 den Kongress und die Ausstellung "Küchenzettel. Essen und Trinken im Werk von Günter Grass". Zu diesem Kongress vgl. auch DB VID 1026, DB VID 1165, DB VID 1166 und DB AUD 1282. Die "Weihnachtsratte", von der Marga Engel spricht, wünscht sich Grass 1983 "als Stichwortgeberin für ein Gedicht von der Erziehung des Menschengeschlechts" (Volker Neuhaus: Schreiben gegen die verstreichende Zeit. München: dtv 1997, S. 195). Die Anekdote, die Engel erzählt, ist bei Neuhaus in gleicher Weise beschrieben, vgl. Volker Neuhaus: Schreiben gegen die verstreichende Zeit. München: dtv 1997, S. 195f. Zur Verfilmung der "Rättin" und der Entstehung des Film vgl.: Florian Reinartz: Das Medienarchiv der Günter Grass Stiftung Bremen. Einordnung - Bestände - Aufbau. Oberhausen: Karl Maria Laufen 2009, S. 136. Die aufsehen erregende Rezeption und Kritik zu "Ein weites Feld", die im der Verrissen Marcel Reich-Ranickis im "Spiegel" und der Fernsehsendung "Literarisches Quartett" gipfelt, wird u.a. zusammengefasst in: Volker Neuhaus: Schreiben gegen die verstreichende Zeit. München: dtv 1997, S. 224ff.

Schlagworte:

Person:
Reich-Ranicki Marcel; Hesse Hermann; Mann Thomas; Wirth Andrzej; Frisch Max; Andersch Alfred; Weizsäcker Richard von; Genscher Hans-Dietrich; Brandt Willy
Werke:
Die Blechtrommel; Die Rättin; Ein weites Feld
Sach:
Roman; Agent; Schriftsteller; Tanz; Ratte; Skat; Nation; Zeichnung; Ekel; Film; Verfilmung; Kritik; Vodka; Tänzer; Die Linke; Gans; Martinsgans; Tinte; Sepia; Küche; Kochkunst; Rattenwelsch
Geo:
Warschau; Krakau; Paris; Frankfurt; Berlin; Danzig; Kaschubei; Tutzing; Behlendorf; Ost-Berlin; Darmstadt; Tessin
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
15.10.1997
Aufnahmeort:
Diverse
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:18:11
Original-Tonträger:
unbekannt
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
00:18:10
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (Fernsehen)
Sendereihe:
WDR 5. Scala - Kultur am Mittag
Archivnummer:
5069591
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Reich-Ranicki, Marcel (Vorredner(in))
Person:
Wagenbach, Klaus (Vorredner(in))
Person:
Vollmer, Antje (Vorredner(in))
Person:
Engel, Marga (Vorredner(in))
Person:
Buchhorn, Martin (Vorredner(in))
Person:
Rüth, Gabi (Autor(in))
Person:
Voland, Dörte (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

Rüth, Gabi: Scala - Kultur am Mittag: Günter Grass zum 70. Geburtstag. Diverse .

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