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DB-Nummer: 1356

Vom "Leeren Viertel" : Günter Grass im Jemen

Taufiq, Suleyman

Musikalisch-literarische Sendung über den Jemen mit arabischen Gedichten, Märchen, Texten und Musik Track 1: Themen u.a.: - Kath- und Kaffee-Konsum - orientalische Musik - Reisebericht von Hans Helfritz ("Chicago der Wüste") - andere Reiseberichte über Südarabien Grass wird nicht erwähnt Track 2: Bis 14:00 min. Bericht über die Jemen-Reise von Günter Grass Grass: Er habe viele Reisen gemacht, dies [die in den Jemen] sei eine der schönsten von allen; er sei überrascht über die Gastfreundschaft im Land, die Schönheit des Landes mache seine Augen "betrunken" An der Jemen-Reise von Günter Grass beteiligen sich auch andere Schriftsteller und Journalisten; Grass wird mit höchsten Ehren dort empfangen, er ist persönlicher Gast des Jemenitischen Präsidenten; von der Bevölkerung und jemenitischen Schriftstellern wird er mit Interesse und herzlich empfangen, u.a. von einem trommelnden Kind, das ihn an seine Figur Oskar Matzerath erinnert; seine erste Lesung hält Grass in der Hafenstadt Aden. Ausschnitt aus der Lesung (Ausschnitt aus dem Gedicht "Blechmusik"), anschließende arabische Übersetzung. Grass: hat großes Vergnügen daran gehabt, einige Gedichte von ihm, die ins arabische übersetzt sind, mit Musikbegleitung zu hören; dies habe ihn sehr überrascht und gefreut. Gedichte werden im arabischen Raum mehr vorgetragen als im Stillen gelesen. Grass: Das Vortragen von Gedichten komme ihm sehr entgegen und erinnere ihn daran, dass der Ursprung der Literatur in der Oralität liegt; darauf spiele er auch in seiner Nobelpreis-Rede an; er selbst schreibe stehend und spreche dabei laut, was er schreibe. Grass: erwartet Respekt vor jeder Leistung, also auch vor literarischen Leistungen; der Schriftsteller dürfe aber kein "Ersatz-Priester" sein; ein Autor solle nicht belehren oder Lehren verbreiten; es gebe eine Vielzahl von Wahrheiten, dies würde sich in Literatur widerspiegeln; dies führe aber auch dazu, dass der Autor von Menschen, die nur einer Wahrheit anhängen, als "Ketzer" dargestellt werde. Grass hat sich auch im Jemen nicht gescheut, politische Um- und Missstände genau zu benennen; mit arabischen Schriftstellerkollegen diskutiert er ausführlich, auch über unangenehme Tabu-Themen (Religion, Sexualität, Zensur); bei der Übergabe des höchsten Ordens des Jemen durch den Präsidenten, bringt Grass ein weiteres Problem zur Sprache: Grass: erinnert sich an die Pornographie- und Blasphemie-Vorwürfe und die Verbotsversuche bei seinen frühen Werken; er habe von einem jemenitischen Kollegen gehört, der ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt gewesen sei und dessen Buch verboten worden sei; Grass fühlt sich verpflichtet, den geflohenen Autor zu unterstützen und den Präsidenten zu bitten, ihm wieder Einlass in das Land zu gewähren; ein starkes Land wie der Jemen könne kritische Schriftsteller aushalten. Der jemenitische Präsident zeigt sich überrascht und etwas amüsiert von Grass' Forderung; drei Tage später kann der exilierte Schriftsteller allerdings wieder in den Jemen einreisen; trotz anfänglicher Schwierigkeiten bei den Umgangsformen in Diskussionen, trifft Grass eine Reihe von Intellektuellen und Schriftstellern. Grass: Die Lebensart komme ihm sehr entgegen; der Westen könne davon lernen; Grass lobt Gastfreundschaft, Direktheit und Freundlichkeit; im Westen sei der Umgang distanziert und "cool", dies führe zu Distanzen und sei sehr kritisch zu sehen; Grass gefällt die Wärme im Umgang miteinander. Grass bringt seine Bewunderung für die arabische Kultur zum Ausdruck Grass: Es gebe viele Einflüsse auch auf Europa; der pikareske Roman (Cervantes, "Die Blechtrommel", "Ein weites Feld") sei spanisch-islamischer Herkunft und habe die europäische Kultur bereichert; wünschenswert wären auch Einflüsse des europäischen Schreibens in der arabischen Welt. Grass erinnert sich an sein Gedicht "Tour de France" und hält auch eine "Tour de Jemen" nicht für unmöglich. Grass: liest das Gedicht "Tour de Jemen" (WA 1 (2007), S. 614; Erstdruck in "Diwan. Zeitschrift für arabische und deutsche Poesie, Ausagbe 5, April 2003, S. 47) Track 2 enthält keine weiteren Verweise auf Grass Track 3 enthält keine Verweise auf Grass



Urtitel:
Günter Grass im Jemen
Anfang/Ende:
Track 1: Mekka. Allein Mekka…das ich verfehle; Track 2: (MUSIK) Das ist eine…Koran lesen. Armenspeisungen; Track 3: (MUSIK) Christoph Willibald Gluck…wollen nach Mekka. (MUSIK) Track 3: Christoph Willibald Gluck…wollen nach Mekka.
Genre/Inhalt:
Kultur
Präsentation:
Dokumentation
Historischer Kontext:

Jemen-Reise von Günter Grass im Dezember 2002

Schlagworte:

Person:
Helfritz Hans
Werke:
Blechmusik; Die Blechtrommel; Ein weites Feld; Chicago der Wüste; Tour de Jemen
Sach:
Reisebericht; Kath; Kaffee; Ethnologie
Geo:
Jemen; Sanaa; Aden; Südarabien
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
24.05.2003
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
Starke Übersteuerung im Original, daher kommt es an einigen Stellen zu Fiep- und Knacksgeräuschen. Die Kopien wurden in der Lautstärke um 4dB verringert. Enthält Musik!
Original:

Originallänge:
03:25:00
Original-Tonträger:
unbekannt
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
02:45:05
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (Fernsehen)
Sendereihe:
WDR 3
Archivnummer:
5086446
Teilnehmende:

Person:
Taufiq, Suleyman (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Fuhr, Werner (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

Taufiq, Suleyman: Günter Grass im Jemen. unbekannt .

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