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DB-Nummer: 1357

Freiheit der Kritik - Kritik der Freiheit : Günter Grass auf dem PEN-Kongress in Moskau zum Tschetschenien-Krieg

Track 1: Telefongespräch mit Karla Engelhardt Track 2: Redeausschnitt G.Grass. Folgender Text aus Spiegel online vom 23.05.2000 http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,77854,00.html Grass verurteilt Tschetschenien-Feldzug Mit dem 67. Internationalen PEN-Kongress in Moskau will die weltweite Schriftstellerorganisation ein Zeichen gegen den Tschetschenien-Krieg setzen. In seiner Rede zur Eröffnung sparte Literaturnobelpreisträger Günter Grass nicht mit Kritik an der russischen Führung. Moskau - "Wir müssen ein Ende des Krieges gegen das Volk der Tschetschenen fordern", sagte Grass in einer Rede vor etwa 300 Teilnehmern des Kongresses. Der Literaturnobelpreisträger forderte eine von den Vereinten Nationen überwachte Untersuchung der Kriegsverbrechen sowohl der russischen Truppen als auch der Rebellen in der abtrünnigen Kaukasus-Republik. "Wir begegnen einander in einem Land, in dem die Großmacht Russland gegen das kleine Volk der Tschetschenen Krieg führt", sagte Grass. "Und das geschieht zum wiederholten Mal, ohne Einsehen, ohne Erbarmen." Zur gesellschaftspolitischen Rolle der Literatur sagte Grass: "Das immerhin leistet die Literatur: Sie schaut nicht weg, sie vergisst nicht, sie bricht das Schweigen." Der Präsident des internationalen PEN, der Dichter Homero Aridjis aus Mexiko, kündigte eine Resolution der Delegierten gegen den Krieg im Kaukasus an: "Die Stimme des PEN wird gehört werden." Im Entwurf der Resolution wird der russische Präsident Wladimir Putin aufgefordert, den Krieg unverzüglich zu beenden und Verhandlungen zu beginnen. Die Autoren im 1921 gegründeten PEN-Club setzen sich gemäß ihrer Charta weltweit für Frieden und die Freiheit des Wortes ein. Der PEN hatte Grass nach Moskau eingeladen, um der internationalen Kritik am Tschetschenien-Feldzug Gehör in der russischen Öffentlichkeit zu verschaffen. Der Generalsekretär des gastgebenden russischen PEN-Zentrums, Alexander Tkatschenko, sagte jedoch nach Angaben der Agentur Itar-Tass, er bedauere, dass der Kongress von vorneherein "eine politische Richtung" genommen habe. Er bekräftigte aber: "Wir sind gegen den barbarischen Krieg." Der erste PEN-Kongress in Russland steht unter dem Motto "Freiheit der Kritik - Kritik der Freiheit". Sowohl Aridjis als auch der Präsident des russischen PEN-Zentrums, der Romancier Andrej Bitow, verwiesen darauf, dass ein solches Treffen in Moskau noch vor 15 Jahren undenkbar gewesen sei. Bis zum Beginn der Glasnost ("Offenheit") unter dem damaligen Generalsekretär Michail Gorbatschow stand die Literatur unter ideologischer Kontrolle des sowjetischen Staates.



Urtitel:
Töne - Texte - Bilder: Redeausschnitt Günter Grass auf dem PEN-Kongress in Moskau
Anfang/Ende:
Track 1: Zum ersten Mal…Tschetschenien-Krieg zu Ende. Track 2: Wir begegnen einander…ohne Einsehen, ohne Erbarmen.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Statement
Historischer Kontext:

67. internationaler PEN-Kongress in Moskau im Jahr 2000; Zweiter Tschetschenien-Krieg (1999-2009)

Schlagworte:

Person:
Putin Vladimir Vladimirovič
Sach:
Krieg; PEN-Kongress; Zensur; Großmacht
Geo:
Moskau; Russland; Tschetschenien
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
27.05.2000
Datum Erstsendung:
27.05.2000
Aufnahmeort:
Moskau
Sprachen:
deutsch
Anmerkung Qualität:
O-Ton Grass am Telefon rauscht
Original:

Originallänge:
00:25:00
Original-Tonträger:
unbekannt
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
00:05:41
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Sendereihe:
WDR 5
Archivnummer:
5086470
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Lehmann, Ulrike (Interviewpartner)
Person:
Kochner, Wilfried (Redaktion)
Person:
Schöder, Heike (Redaktion)

Zitieren

Zitierform:

Töne - Texte - Bilder: Redeausschnitt Günter Grass auf dem PEN-Kongress in Moskau. Moskau .

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