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DB-Nummer: 1464

Günter Grass trifft Hermann Kant : Zusammenfassung des Streitgesprächs im Berliner Ensemble

Schaefer, Anke

Kurzfeature mit O-Tönen über ein Gespräch zwischen Hermann Kant und Günter Grass; das nicht-öffentliche Gespräch fand unter der Moderation von Christoph Links vor ca. 25 persönlich geladenen Gästen statt Gemeinsamkeiten von Grass und Kant: fast gleichalt, Kriegserfahrungen, Schriftsteller; O-Ton Kant: die Bekanntschaft zu Grass habe aus Auseinandersetzungen bestanden; Kant hatte für die Stasi gearbeitet und der Stasi dabei auch Informationen und Einschätzungen zu Grass geliefert, weist jedoch den Begriff des "Spitzels" zurück; O-Ton Kant: Gemeinsamkeiten mit Grass in Grundsatzfragen; Mai 1961: Kant hatte in einer Rede vor dem Schriftstellerverband behauptet, der nach Westberlin ausgereiste Uwe Johnson habe mit seinem Roman "Mutmaßungen über Jakob" der DDR "eins auswischen" wollen; Grass hat dem widersprochen und Publikationsfreiheit auch für Ost-Autoren gefordert; O-Ton Grass: weiß bis heute nicht genau, in welcher Beziehung Kant zur Stasi gestanden habe; er ginge von Wahrnembarem aus und habe Kant nie als "Feind", sondern als "Gegner" gesehen; von Kant sei er oft wie ein Feind behandelt worden; Grass kritisiert vor allem Kants Verhalten, als dieser Präsident des Schriftstellerverbandes der DDR gewesen ist; Grass: spricht vom Versagen Kants als Präsident und macht Kant mitverantwortlich für den "schmählichen Niedergang der DDR" und für das "Zerrbild vom Sozialismus"; Kant kontert, er habe den Verband vor dem Verbot gerettet, in dem er manche Autoren ausgeschlossen habe; Kant: Bedeutung eines real existierenden Verbandes; Grass führt daraufhin den Schriftstelleverband Polens auf, der sich mit dem Regime angelegt und im Untergrund hatte agieren müssen; dies sei Zivilcourage gewesen, die sich Grass auch von Kant erhofft hatte und die viel hättes bewirken können; Grass: Zusammenkommen als Deutsche hätte Chance eröffnet, für beide Vereine "Gesicht zu bewahren"; Mitverantwortung Kants und des Schriftstellerverbandes für den Zerfall der DDR; literarisch schätzen sich die beiden Schriftstellerkollegen und haben Interesse an der Arbeit des jeweils anderen.



Urtitel:
Anfang/Ende:
Sie sind fast…jeweils andere schreibt.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Dokumentation
Historischer Kontext:

Veröffentlichung der Stasi-Akte von Günter Grass; Vorwürfe an Hermann Kant, dass dieser der Stasi Informationen über Grass geliefert hat Hermann Kant wollte das Gespräch mit Günter Grass anlässlich der Leipziger Buchmesse, nachdem von Kai Schlüter „Deckname Bolzen – Stasi-Akte Grass“, Christoph Links Verlag 2010, erschienen war. Kant hatte der Stasi auch über Grass berichtet. Grass war zunächst nicht davon überzeugt, ob dieses Gespräch sinnvoll sein könnte, da die Positionen von vorneherein feststünden. Grass willigte letztlich ein, da er dieses als - vielleicht letzte - Gelegenheit sah, Hermann Kant damit zu konfrontieren, dass er als Präsident des Schriftstellerverbandes über seine Schriftstellerkollegen bei der Stasi berichtet hatte. Kant versucht in dem Gespräch darzulegen, dass er dieses getan hat, um Schlimmeres zu verhindern. Grass akzeptiert diese Position nicht.

Schlagworte:

Person:
Johnson Uwe
Werke:
Mutmaßungen über Jakob
Sach:
Stasi; Spion; Spitzel; Schriftstellerverband; Kriegserfahrung
Geo:
DDR
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
22.03.2010
Aufnahmeort:
Berlin, Berliner Ensemble
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:03:52
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
CD
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
00:03:52
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sendereihe:
Nordwestradio
Teilnehmende:

Person:
Schaefer, Anke (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Kant, Hermann (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Schaefer, Anke: Berlin, Berliner Ensemble .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
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