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DB-Nummer: 1465

Spitzel-Vorwurf gegen Hermann Kant : Streitgespräch im Berliner Ensemble

Links, Christoph

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat den früheren Präsidenten des DDR-Schriftstellerverbandes, Hermann Kant, scharf kritisiert. Die beiden Protagonisten der deutschen Nachkriegsliteratur trafen sich unter der Moderation von Verleger Christoph Links zum Streitgespräch am 21. März 2010 im Berliner Ensemble. Anlass war die Vorstellung des Buches "Günter Grass im Visier – Die Stasi-Akte" von Nordwestradio-Redakteur Kai Schlüter.Das Buch, in dem auch der Spitzel-Vorwurf gegen Kant erhoben wird, thematisiert die jahrzehntelange Beobachtung und Beschattung von Günter Grass durch die Stasi. Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR bespitzelte den Autor der "Blechtrommel" von 1961 bis 1989 durch Angehörige und "Inoffizielle Mitarbeiter". Hermann Kant hat stets bestritten, Spitzeldienste geleistet zu haben. Er kritisierte Grass dafür, diese Behauptung auch in dem Buch zugelassen zu haben.Grass spricht von "schändlichem" Verhalten und wirft dem damaligen Präsidenten des DDR-Schriftstellerverbandes vor, dass er im Mai 1979 für den Verbandsausschluss von Autoren wie Stefan Heym, Erich Loest und Jurek Becker gesorgt hat. Der Grund: Die Autoren haben nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann offen die SED-Kulturpolitik kritisiert. Kant hingegen betonte, dass er keine andere Wahl gehabt habe, weil sonst der Schriftstellerverband aufgelöst worden wäre. Das sei ihm "von höchster Stelle" klar gemacht worden. Quelle: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/gespraechszeit/gespraechguentergrasshermannkant100.html



Urtitel:
Spitzel-Vorwurf gegen Hermann Kant
Anfang/Ende:
Beide Autoren gehören…ist gut so.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Gespräch
Historischer Kontext:

Hermann Kant wollte das Gespräch mit Günter Grass anlässlich der Leipziger Buchmesse, nachdem von Kai Schlüter „Deckname Bolzen – Stasi-Akte Grass“, Christoph Links Verlag 2010, erschienen war. Kant hatte der Stasi auch über Grass berichtet. Grass war zunächst nicht davon überzeugt, ob dieses Gespräch sinnvoll sein könnte, da die Positionen von vorneherein feststünden. Grass willigte letztlich ein, da er dieses als - vielleicht letzte - Gelegenheit sah, Hermann Kant damit zu konfrontieren, dass er als Präsident des Schriftstellerverbandes über seine Schriftstellerkollegen bei der Stasi berichtet hatte. Kant versucht in dem Gespräch darzulegen, dass er dieses getan hat, um Schlimmeres zu verhindern. Grass akzeptiert diese Position nicht.

Aufnahme:

Aufnahmedatum:
21.03.2010
Datum Erstsendung:
23.03.2010
Datumszusatz:
Laut ZUNWEB ESD: 22:03.2010
Aufnahmeort:
Berlin, Berliner Ensemble, Gartenhaus
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:52:44
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
CD
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
00:52:44
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen Fernsehen (RB)
Sendereihe:
Nordwestradio-Gesprächszeit
Archivnummer:
B003781652
Teilnehmende:

Person:
Links, Christoph (Autor(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Kant, Hermann (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Links, Christoph: Spitzel-Vorwurf gegen Hermann Kant. Berlin, Berliner Ensemble, Gartenhaus .

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