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DB-Nummer: 1466

Grablegung oder Lektüreservice : Die ersten Kommentarbände

Zimmermann, Harro

Erschienen sind die Kommentarbände zur Danziger Tilogie (Blechtrommel, Katz und Maus, Hundejahre), zu den Gedichten und den Theaterstücken von Günter Grass bei Steidl; Ausführungen und Erklärungen unterstützen "zum ersten Mal" (wie fälschlicherweise im Bericht behauptet) die Lektüre von Grass' Werken, die mitlerweile "entrückte Texte" seien; Vorstellung der Kommentarbände auf der Leipziger Buchmesse in einer von Stefan Lohr geführten Diskussion mit Volker Neuhaus, Eckhard Fuhr und Günter Grass; Grass: ist über den Plan zu Kommentarbänden zunächst skeptisch gewesen; bei der Danziger Trilogie hätte es sich aber angeboten, um nachwachsende Lesergenerationen mit dem Umständen vertraut zu machen (z.B. Abkürzungen, Anspielungen usw.); es habe beim Hanser verlagt eine sehr gute, kommentierte Jean-Paul-Ausgabe gegeben, die Grass sehr gerne gelesen habe; Lohr: erläutert den Inhalt und Aufbau der Kommentarbände; der Band zu den Theaterspielen ist von Dieter Stolz, der Band zu den Gedichten von Werner Frizen kommentiert worden; Nutzung von Archiven für die Kommentarbände, sodass informative Grafiken eingebunden werden konnten (historisches Danzig, Manuskriptseiten); Hauptherausgeber ist Volker Neuhaus; Wer ist für Neuhaus hauptsächlicher Nutzer der Kommentarbände? Neuhaus: alle, die sich mit Grass didaktisch oder wissenschaftlich beschäftigen; Idee zu Kommnetarbänden sei 27 Jahre alt; Neuhaus ist seinerzeit gebeten worden, zu Grass' 60. Geburtstag eine Gesamtausgabe für den Luchterhand-Verlag zu konzipieren und hat eine Kommentierund der Werke angeregt; Grund: Zeitroman, der zum historischen Roman wird; Aufschlüsseln von Dinglichkeit; weiterer Grund: Grass gelte zwar als Massenautor, aber in wissenschaftlichen Kreisen als schwieriger Autor; bei seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Grass' Werken habe Neuhaus festgestellt, dass die Werke nicht so schwierig seien, wenn sie sich "gegenseitig Kontext geben"; Stolz und Frizen verweisen auf Bilder, die in der Epik und im grafischen Werk wieder auftauchten; dadurch "Bildgrammatik" oder "Wortgrammatik" des Schaffens von Günter Grass; Leser bekomme dadurch Hinweise für das Verständnis; Helen Wolff habe ihre Werke immer mit Kommentaren versehen; Lohr: fragt Eckhard Fuhr zu seiner Einschätzung, wie das Feuilleton die Kommentarbände aufnehmen wird; Fuhr: das Feuilleton zeichne sich durch Distanz zur Germanistik aus; daher vermutlich zunächst Skepsis gegenüber Kommentarbänden; auch Fuhr selbst sei zunächst skeptisch gewesen, habe eine "germanstisch-philologische Beerdigung" beführchtet; die Bände seien aber bereits physisch und haptisch "in einem sehr luftigen Gewand"; keine Einstiegsschwierigkeiten; zufälliger, aber wichtiger Zeitpunkt für das Erscheinen: Debatte um Helene Hegemanns Buch, über das in den Feuilletons Verwirrung geherrscht habe (Plagiatsvorwürfe; Werk-Definitionen); in diesem Kontext begrüßt Fuhr die "populäre oder popularisierte" Philologie; möglicher Moment der Besinnung in den Feuilletons; Grass: verlegerischer Mut zu Kommentarbänden; überraschende Begegnung mit dem eigenen Werk und Schaffen für den Autor z.B. durch Archivmaterial; für den Leser würden Grass' Anfänge als Schriftsteller in der Lyrik sichtbar; Motive aus späteren Werken seien oft in Gedichten vorgeprägt; "Leseabenteuer" der Kommentarbände; Lohr: Konkurrenz zur eigenen Werkdeutung? Neue Entdeckungen zur Sicht auf das eigene Werk, mit denen Grass nicht übereinstimmt? Grass: Misstrauen gegenüber der Germanistik, da diese sich auf einzelne Interpretationen von Werken beschränke, während es "hunderte und aberhunderte von Interpretationen" gebe; Festlegung für die Schüler durch die Interpretation des Lehrers; "etwas kunstfeindlicheres" als eine Beschränkung auf eine Interpretation gebe es nicht; Ambivalenz der Interpretation; die Germanisten der Kommentarbände verstünden aber ihr Handwerk und interpretierten nicht einseitig.



Urtitel:
Grablegung oder Lektüreservice - die ersten Kommentarbände zum Werk von Günter Grass sind erschienen
Anfang/Ende:
Für die Blechtrommel…Steidl herausgekommen sind. (Abmoderation)
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Gespräch
Historischer Kontext:

Erscheinen der Kommentarbände zur Grass-Werkausgabe

Schlagworte:

Person:
Stolz Dieter; Neuhaus Volker; Wolff Helen; Hegemann Helene; Frizen Werner
Werke:
Die Blechtrommel; Katz und Maus; Hundejahre
Sach:
Werkausgabe; Germanistik; Interpretation; Philologie; Kommentarband
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
19.03.2010
Datum Erstsendung:
28.03.2010
Aufnahmeort:
Leipzig, Buchmesse
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:14:16
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
unbekannt
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Länge der Kopie:
00:14:17
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sendereihe:
Literaturzeit
Teilnehmende:

Person:
Zimmermann, Harro (Autor(in))
Person:
Zimmermann, Harro (Vorredner(in))
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Lohr, Stefan (Vorredner(in))
Person:
Neuhaus, Volker (Beitragende(r))
Person:
Fuhr, Eckhard (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Zimmermann, Harro: Grablegung oder Lektüreservice - die ersten Kommentarbände zum Werk von Günter Grass sind erschienen. Leipzig, Buchmesse .

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