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DB-Nummer: 1587

Interview mit dem deutschen Schriftsteller Günter Grass (bengali) : Über den Kalkutta-Aufenthalt von Günter Grass

"Ausschnitte aus einem Interview des Kalkutta-Korrespondenten Subhoranjan Dasgupta mit Günter Grass für die Zeitung ""The Outlook""; es handelt sich um eine Zusammenfassung des Interviews, das einzelne O-Ton-Statements von Günter Grass enthält, die nicht immer mit der vorhergehenden Frage zusammenpassen. Frage: Grass war vor 15 Jahren in Indien und hat sich dort für einige Monate aufgehalten. Hat sich sein Blick auf Kalkutta seitdem verändert? Grass: ist seitdem nicht mehr dort gewesen, hat aber gehört, dass sich die Situation Landes bzw. des Subkontinents nicht verbessert hat. Frage: Hauptprobleme Indiens sind nach wie vor das Bevölkerungswachstum und die Ungleichheit zwischen den sozialen Schichten. Grass hat bei seinem Aufenthalt in Kalkutta tiefgehende Eindrücke von der sogenannten Dritten Welt bekommen, aber auch erkannt, dass die Probleme überall ähnlich sind. Das führt zu Fragen nach der Globalisierung, die Grass nicht befürwortet. Warum ist Grass gegen Globalisierung, welche Rolle können weiter entwickelte Länder übernehmen? Grass: Der Umbruchsprozess habe ungefähr zur Zeit seines Kalkutta-Aufenthalts begonnen, zur Zeit von Michail Gorbatschow. Die Zeichen für den Niedergang der Sowjetunion seien damals schon klar gewesen. Frage: Der Niedergang der Sowjetunion und der Fall der Berliner Mauer 1989 haben gezeigt, dass die Zeit des Sozialismus vorbei war. Danach hat er Kapitalismus die Führung übernommen und mit ihm die Globalisierung. Bei diesem Teil des Interview ist Grass sehr emotional geworden und hat gesagt, dass multinationale Konzerne ohne Rücksicht auf einfache Menschen ihren Profit steigern würden. Dadurch würden wenige Menschen immer reicher und Millionen anderer Menschen immer ärmer. Insbesondere in Entwicklungsländern sei dies der Fall. Die Politik sei unfähig, dies zu unterbinden. Grass ist der Ansicht, dass die Entwicklungsländer Einheit und Zusammenhalt zeigen müssten, um dieses Problem zu bekämpfen, um die Globalisierung zu stoppen. Den Neo-Liberalismus sieht Grass weiterhin auf dem Vormarsch. Aus zwei Gründen habe sich Indien in den letzten 15 Jahren verändert: Zum einen die Pokhran-II-Tests, die Indien zu einem Staat mit Nuklearwaffen gemacht haben, zum anderen innenpolitische Veränderungen. Grass: hat bei seinem Aufenthalt in Indien Slums gesehen, die nah an einem Atomkraftwerk in Bombay gelegen hätten. Frage: Die Nähe der Slums zu den Atomkraftwerk hat Grass bemerken lassen, wie unausgegelichen die Sozialstruktur in Indien ist: Menschen im Elend neben Anlagen neuster Technik. Hinsichtlich der Gesundheitsversorgung habe Grass gefragt, warum es diese Ungleichheit gebe zwischen neuster Technik und dem Elend einiger Menschen. Einen Grund dafür sieht Grass in der Unterstützung durch die Industriestaaten USA und Japan sowie durch die Sowjetunion, die Indien bei der Nuklearforschung unterstützt hätten. Grass hat den radikalen Hinduismus kennengelernt. Als schelcht emfindet er, dass diese radikalen Gruppen auch in der Regierung auftreten würden: diese Verbindung könne zu Faschismus führen. Grass betont, dass ein Autor die gesellschaftlichen Missstände ohne Kompromisse ansprechen müsse. Welche sind dies im Besonderen? Grass: ist am meisten schockiert gewesen von der Ignoranz der Mittelklasse in Indien gegenüber Aubeutung und Elend der Ärmeren. Frage: Grass war verägert über die Selbstzufriedenheit den mittleren und oberen Bevölkerungsschicht in Indien, die die Probleme ignorieren würden. Nur wenige Menschen aus diesen Schichten würden Ausnahmen darstellen. Im Zuge dessen nennt Grass Herrn und Frau Karlekar aus Kalkutta, deren Initative ""Calcutta Social Project"" sich für die Bildung und Erziehung obdachloser Kinder einsetzt. Sie werden von einigen Schriftstellern und deren Freunden in Deutschland unterstützt. Für andere Menschen der mittleren und oberen Schicht könne eine solche Initiative einen Anstoß liefern, findet Grass. Grass: ist überrascht von der Tatsache, dass Menschen für Generationen nach Generationen in Slums leben. Frage: Der Überlebenswille der in den Slums lebenden Armen erinnert Grass an Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Deutschland habe es geschafft, dieses Elend zu überwinden, während in Indien nach wie vor Ausbeutung und Stillstand herrschen würden. Die ausgebeuteten Menschen würden aber nie ihren Überlebenswillen verlieren, sondern mit einem Lächeln im Gesicht weitermachen. Dies macht Grass hoffnungsvoll. Die positivsten und nachhaltigsten Erinnerungen, die Grass mit Indien verbindet, sind die an die Menschen.



Urtitel:
Kultur (21.08.2001). Interview mit dem deutschen Schriftsteller - Grass, Günter
Anfang/Ende:
(Trailer)... (bengali)…(Trailer)
Genre/Inhalt:
--
Präsentation:
Interview
Schlagworte:

Person:
Gorbatschow Michail
Sach:
Armut; Globalisierung; Dritte Welt; Bevölkerungswachstum; Entwicklungsland; Slums; Hinduismus
Geo:
Indien; Kalkutta; Deutschland; USA; Japan; Bombay; Sowjetunion
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
20.08.2001
Datum Erstsendung:
21.08.2001
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
bengali
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:11:01
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
WAV
Kopie:

Länge der Kopie:
00:11:01
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Sender / Institution:
arte
Sendereihe:
Kultur
Archivnummer:
3509289000
Produktionsnummer:
365213
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Khan, Mizanur Rahman (Vorredner(in))
Person:
Dasgupta, Subhoranjan (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Kultur (21.08.2001). Interview mit dem deutschen Schriftsteller - Grass, Günter. Köln .

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