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DB-Nummer: 1622

Über die Hundejahre (arab.)

Grees, Samir

"Der Roman ""Hundejahre"" ist Teil der ""Danziger Trilogie"" von Günter Grass. Zur Trilogie gehören außerdem ""Die Blechtrommel"" und ""Katz und Maus"". In diesen Werken behandelt Grass die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Nazi-Regimes in Deutschland. Die Trilogie machte ihn berühmt, besonders ""Die Blechtrommel"", für die er 1999 den Literaturnobelpreis erhielt. Die Schwedische Akademie hob damals hervor, dass ""Die Blechtrommel"" 1959 der erste Schritt zu einer neuen deutschen Literatur gewesen ist. Grass' Verdienst ist es gewesen, die deutsche Vergangenheit aufzuarbeiten und deren Opfer und Verlierer in Erinnerung zu rufen. Dafür gräbt er sich tief in die Geschichte ein, viel mehr als ein Großteil seiner Zeitgenossen, und versucht die Ursprünge von Gut und Böse aufzudecken. Im Roman ""Hunderjahre"" behandelt Grass die Geschichte seiner Heimatstadt Danzig und den Aufstieg des Nationalsozialismus. In diesem Fall beschreibt er die Freundschaft zwischen Eddi Amsel (Brauchsel/Brauxel), der Halbjude ist und ein Opfer des Nationalsozialismus wird, und Waler Matern, der Nazi wird. Günter Grass hält diesen Roman für einen seinen bedeutsamsten, er wurde in viele Sprachen übersetzt. In der arabischen Übersetzung durch Ahmad Farouq umfasst er 600 Seiten. Von allen übersetzten Werken von Grass gilt ""Hundejahre"" als der am meisten originalgetreu übersetzte in Bezug auf Stil und Bildlichkeit. ______ Interview mit Ahmad Farouq Frage: Wie ist Farouq dazu gekommen, den Roman übersetzen zu wollen? Farouq: Hat sich einerseits von der Schwierigkeit einer Übersetzung herausgeforder gefühlt und andererseits von der Popularität von Günter Grass. Frage: ""Hunderjahre"" gehört mit ""Die Blechtrommel"" und ""Katz und Maus"" zur ""Danziger Trilogie"". Wie die anderen beiden Werke behandelt auch ""Hundejahre"" die Vorkriegszeit, die Kriegszeit und die Nachkriegszeit. Dadurch beleuchtet der Roman alle Ereignisse rund um den Nationalsozialismus. Grass stellt sie dar anhand einer Freundschaft zwischen einem Deutschen und einem Halbjuden. Was ist die Grundidee des Romans? Farouq: Glaubt, dass Grass von dem Buch ""Geschlecht und Charakter"" von Otto Weininger beeinflusst wurde. Weiniger versuche darin darzulegen, dass Juden und Frauen geistlose Menschen seien und deswegen und von dieser Eigentschaft befreit werden müssten. Grass setzt dagegen, dass nicht Frauen und Juden geistlos seien, sondern die Deutschen. Diese setzte er mit Vogelscheuchen gleich. Frage: Welche Ideen, abgesehen vom Vogelscheuchen-Motiv, verarbeitet Grass noch? Farouq: Die Grundidee sei die von der Freundschaft zwischen zwei Autoren, dem Deutschen und dem Halbjuden, die jeder einen Teil des Romans schreiben. Der mittlere Teil wird von einem Studenten geschrieben, der eine Außenansicht über die Freundschaft der beiden anderen liefert und über die Ereignisse in Danzig schreibt. Frage: Warum heißt der Roman ""Hundejahre""? Farouq: Das ist eine lustige Geschichte: Günter Grass habe in den Archiven der Stadt Danzig recherchiert und herausgefunden, dass die Stadt Adolf Hilter zum Geburtstag einen Hund geschenkt habe. Daraufhin seien viele Menschen in die NSDAP eingetreten. Frage: Warum sind aufgrund dieses Geschenks so viele Menschen in die Partei eingetreten? Farouq: Hitler habe eine Grußkarte an den Züchter des Hundes geschickt, dadurch hätten sich viele Bürger geehrt gefühlt. Dies habe sich herumgesprochen und Hitlers Beliebtheit in der Stadt gesteigert. Frage: Der Roman besteht aus drei Teilen: ""Frühschichten"", ""Liebesbriefe"" und ""Materniaden"". Der erste Teil wird von Brauxel/Amsel geschrieben, der Halbjude ist, der zweite Teil vom Beobachter Liebenau, der dritte von Walter Matern. Farouqs Master-Arbeit beschäftigt sich mit dieser Struktur. Hat sie ihre Berechtigung? Farouq: Grass habe hohe Ansprüche an den Umfang und die Qualität seiner Werke. Er habe zugegeben, dass dieser Roman ihm am nahsten zu Herze gehe. Grass habe eine Menge Ideen gehabt und sei nicht sicher gewesen, wie er sie umsetzen könne. Zunächst habe er die Idee gehabt, dass eine Frau eine Geschichte beim Kartoffelschälen erzählt. Diese Idee habe er jedoch aufgegeben und die Perspektive auf drei Erzähler aufgeteilt. Der erste von ihnen trage dabei den anderen auf, worüber sie zu schreiben hätten. Bei der ""Blechtrommel"" habe der Leser die Chance, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Grass setzt diesen modernen Erzählstil neben eine traditionelle Erzählweise: Der Erzähler der ""Blechtrommel"" täusche den Leser durch sein Spiel mit Worten mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit des Lesers zu erregen. In ""Hundejahre"" finde sich diese Technik ebenfalls; die drei Erzähler versuchten, die Idee des ersten Autors aufzunehmen: Die Menschen als Vogelscheuchen darzustellen und als Menschen, die durch den Nationalsozialismus ihre Seelen verloren haben. Es gebe in dem Roman zwei Perspektiven: eine realistische Sichtweise (in den ""Liebesbriefen""), in der genau und verlässlich erzählt wird, was in der Zeit des Nationalsozialismus passiert ist. Und es gebe eine phantastische Komponente, die sich im gesamten Roman ausmachen lasse. Frage: Würde Farouq zustimmen, dass die sich wiederholende Symbolik für nicht-deutsche Leser in gewisser Weise langweilig ist? Farouq: Dies könne auch unattraktiv für deutsche Leser sein. Es sei die gesamte Struktur, die der Leser verstehen müsse, um Grass' Botschaft zu verstehen und die historischen Fakten, die er behandele. In dieser Hinsicht sehen manchne Historiker diesen Roman als den besten von Günter Grass an. Frage: Einige Kritiker behaupten, dass Grass mit der ""Blechtrommel"" den Gipfel seines Könnens erreicht habe. Offenbar habe die Qualität seiner Werke seit ""Hundejahre"" abgenommen. Auch Friedrich Dürrenmatt hat behauptet, dass der Umfang der Erzählungen, von ""Hundejahre"" angefangen, nicht mehr gerechtfertigt sei. Was denkt Farouq darüber? Farouq: Dürrenmatt habe in mancher Hinsicht Recht: Grass beginne immer mit brillianten Ideen, die dann sehr kompliziert enden würden. Dann zeige er sich als unfählig, diese zuende zu führen. Daher zerrinne ihm das Erzählen oft am Ende, was man als Leser unverständlich finde. Frage: Leser und Übersetzer sehen sich von Grass sehr herausgefordert, da seine Worte bekannt für Sprachgewalt und Reichtum an Bildlichkeit sind. Einige vergleichen Grass' Umgang mit Wörtern mit der Art und Weise, wie er Skulpturen formt. Welche Schwierigkeiten gibt es bei der Übersetzung von Grass und wie bewältigt man diese? Farouq: Eine Hauptschwierigkeit besteht darin, dass Grass neue Wörter erfindet. Ein Übersetzer muss dann nach ähnlichen, neuen Wörtern in seiner eigenen Sprache suchen und diese Neologismen durchhalten. Der Sprachfluss dürfe dadurch aber nicht gestört werden."



Urtitel:
Hundejahre von Günter Grass auf Arabisch
Anfang/Ende:
(Trailer)rewait snwat alkilab…shokran lkl almostamien.
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Ahmad Farouk arbeitet in der arabischen Redaktion der Deutschen Welle seit 2003. Geboren ist er in Ägypten, wo er an der Kairo Universität Publizistik studierte. Er hat auch in Germersheim, Deutschland Diplom-Übersetzung studiert. Er hat das Buch 'Hundejahre' von Günter Grass ins Arabische übersetzt. Seine anderen Veröffentlichungen sind die Übersetzung von Georg Kleins Roman 'Libidissi' und Handkes Erzählungen 'Zwölf Gramm Glück'.

Schlagworte:

Person:
Hitler Adolf; Weininger Otto
Werke:
Hundejahre; Die Blechtrommel; Katz und Maus; Danziger Trilogie; Geschlecht und Charakter
Sach:
Nobelpreis; Nationalsozialismus; Übersetzung; Erzähler; Erzählperspektive; Neologismus; Hund; Vogelscheuche
Geo:
Danzig
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
13.01.2010
Datum Erstsendung:
13.01.2010
Aufnahmeort:
Bonn
Sprachen:
arabisch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:15:00
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
WAV
Kopie:

Länge der Kopie:
00:14:58
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Archivnummer:
3539853000
Produktionsnummer:
545315
Teilnehmende:

Person:
Grees, Samir (Autor(in))
Person:
Grees, Samir (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Grees, Samir: Hundejahre von Günter Grass auf Arabisch. Bonn .

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