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DB-Nummer: 1690

Bangladesch und Zunge zeigen (bengali)

Siebter Teil der Radio-Serie über den Nobelpreisträger Günter Grass und seinen Aufenthalt in Indien und Bangladesh: Günter Grass in Bangladesh Feature mit einem Interview mit dem Autor Rashid Chowdhury: Die Hauptstadt Bangladeschs, Dhaka, hat 6 mio. Einwohner. Bangladesch ist doppelt so groß wie Bayern, die Bevölkerung von über 100 mio. Einwohner wächst jährlich um 3%, nur 20% der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Günter Grass hat in seinem Buch "Zunge zeigen" über Dhaka im Stile einer Dokumentation geschrieben. Mit seiner Frau Ute war Grass von August 1986 bis Januar 1987 in Kalkutta, vom 2. Dezember 1986 bin zum 8. Dezember 1986 hat er sich in Dakka aufgehalten. In "Zunge zeigen" hält Grass auch bildkünstlerisch seine Eindrücke von Dhaka fest. Auszug aus "Zunge zeigen" (in bengalischer Übersetzung), vgl. "Zunge zeigen", S. 72. Am Flughafen von Dakka wird Grass von Journalisten und Schriftstellern empfangen, u.a. von dem Autor Belal Chowdhury und dem berühmten Fotografen Nasir Ali Mamun. Sie führen Grass und seine Frau zusammen durch die Stadt und ihre Vororte, ähnlich wie die Autoren Daud Haidar, Saurav und Tripti Ghatak in Kalkutta. Auszug aus "Zunge zeigen" (S. 72f) Auf fünf Seiten in "Zunge zeigen" beschreibt Grass seinen Aufenthalt in Dakka, wo er die Lalbagh-Festung und Sankharipatti besucht sowie die Universität von Dakka. Auszug aus "Zunge zeigen" (S. 73) Erschrocken zeigt sich Grass von den im Geneva Camp lebenden moslemischen Biharis. Auszug aus "Zunge zeigen" (S. 74) Hingegen freut sich Grass über die Schule im Geneva Camp und erwähnt sie in seinem Buch (vgl. S.75). Im Gästehaus der Ford Stiftung in Dhanmandi in Dakka können Grass und seine Frau übernachten. In Dhanmandi befindet sich zu dieser Zeit auch das Goethe-Institut, wo Grass Gedichte liest, die direkt ins Bengalische übersetzt werden. Anwesend sind hochrangige Persönlichkeiten aus dem Kulturleben Bangladeschs, unter anderem Rashid Haydar, ein berühmter Autor und ehemaliger Leider der Bengalischen Akademie. Den Abend des 6. Dezember verbringen Grass und seine Frau verbringen sie bei ihm, es ist ein privates Treffen der Familien. Rashid Haydar: für ihn sei der Besuch von Günter Grass eine große Überraschung und eine große Ehre gewesen. Sein Bruder Daud habe ihm gesagt, dass Grass eine mittelständische Moslem-Familie habe besuchen wollen, vielleicht sei er darum zu ihm gekommen. Einen so großen und berühmten Autor bei sich zu empfangen, sei ihm eine große Ehre gewesen. Grass und seine Frau hätten drei Stunden bei ihm verbracht. In dieser Zeit hätten sie nicht über Literatur oder Kunst gesprochen, sondern nur lockere und lustige Gespräche geführt. Als Grass angekommen sei zum Beispiel, habe seine Frau ihn empfangen. Grass habe seine Frau angeschaut und gesagt: "Rashid, deine Frau scheint größer zu sein als du." Er habe geantwortet: "Und ganz sicher, Günter, ist Ute größer als du." Grass habe darauf gesagt: "Ja, Genies müssen immer kleiner sein als ihre Frauen" und sei in Lachen ausgebrochen. Es gäbe so viele Dinge über ihn zu erzählen. Er habe kein großes Dinner für Grass und seine Frau arrangiert, nur ein Fünf- oder Sechsgänge-Abendessen. Grass sei überrascht gewesen: "Warum so viele Gänge?" Haydar habe gesagt, dies sein ein normales, traditionelles Abendessen. Er habe Grass außerdem mitgeteilt, es gäbe eine Fischplatte. Grass habe nach dem Namen des Fischs gefragt. Haydars Antwort "Boyal" (?) habe Grass mehrmals vor sich hin gemurmelt. Haydars Bruder Daud habe Grass erzählt, dass einige ihrer Brüder sich im Schreiben versuchen würden. Grass habe daraufhin gefragt, ob es einen Autor in seiner Familie gegeben habe. Er sei überrascht gewesen, dass das dies nicht der Fall sei. Er habe vorgeschlagen, einen Familien-Verlag zu gründen. Grass sei bei seinem Besuch in Dakka oft mit der Frage konfrontiert worden, warum er bislang nicht den Nobelpreis bekommen habe. Auch Haydar habe ihn danach gefragt, und er habe geantwortet: "Warum sind alle Menschen so hinter dem Nobelpreis her?" Haydar habe ihn verstanden und dieses Thema nicht mehr angesprochen. Seine Analyse von Dakka sei gut gewesen. Nach seiner Rede an der Bengali Academy sei er nach den Unterschieden zwischen den Städten Kalkutte und Dakka gefragt worden. Grass habe geantwortet: "In Kalkutta kann man den Nachthimmel nicht sehen, in Dakka schon." Haydar denkt, dass dieser Satz Bände spricht. Haydar fühlt sich geehrt, dass ein großer Mann wie Grass das Haus eines gewöhnlichen Mannes wie Haydar besucht hat. Dies habe die menschliche Seite von Grass gezeigt. Als Grass gegangen sei, habe er zu seiner älteren Tochter auf bengali gesagt: "Auf Wiedersehen, Mutter". Haydar habe geweint und könne dieses Erlebnis niemals vergessen.



Urtitel:
Günter Grass (07)
Anfang/Ende:
(Trailer) Suru hochche saptahik...Amontron thaklo. (Trailer))
Genre/Inhalt:
--
Präsentation:
Feature
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
13.01.2003
Datum Erstsendung:
14.01.2003
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
bengali
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:11:46
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
WAV
Kopie:

Länge der Kopie:
00:11:45
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kultur
Archivnummer:
3525108000
Produktionsnummer:
472572
Teilnehmende:

Person:
Al Farooq, Abdallah (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Günter Grass (07). Köln .

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Alle Rechte vorbehalten

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