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DB-Nummer: 1691

"My broken love" Kalkutta (bengali) : Martin Kämpchen über Kalkutta und Günter Grass

"Sechster Teil der Reihe über den Literaturnobelpreisträger Günter Grass und seine Reise nach Kalkutta und Dakka. Auszug aus ""Zunge zeigen"" in bengalischer Übersetzung (""Zunge zeigen"", S. 15) Der im Auszug genannte Netaji wird von Grass mehrmals erwähnt, ebenso wie Rabindranath Tagore. Auszug aus ""Zunge zeigen"" [ I don’t understand why people put stuffs in a museum only to tease a dead man. With a huge collection of paintings, they have tried to portray Tagore as a respected ‘Guru’. Some of Tagore’s paintings reminded me of Gerhard Hofmann in half profile. Like everybody else, whenever the Professor took Tagore’s name, there is an extra amount of respect in his voice. ] Im Buch ""Zunge zeigen"" von Günter Grass zeichnet er ein Bild von Kalkutta, das einem Filmdrehbuch ähnelt: Auszug aus ""Zunge zeigen"" [ They are sleeping in front of the main gates of their homes – under the street lights. The light is so dim that nobody would dare to snap a picture there. Somewhere there are the whole family sleeping here and there in between the vagabond dogs. It seems that the sacred cows are there to protect them. ] Grass hat sich jeden Winkel von Kalkutta angesehen, die moslemischen Viertel ebenso wie Chinatown. Auch die touristischen Attraktionen wie das Victoria Memorial oder den Kalighat-Tempel hat er besucht. Zwischen August 1986 und Januar 1987 hat Grass mit seiner Frau Ute die meiste Zeit in Kalkutta verbracht. Seine Erinnerungen hält er in dem Buch ""Zunge zeigen"" fest, das 1988 erscheint. Auszug aus ""Zunge zeigen"" [ When we were driving back home through the insufficiently lit roads, the people sleeping on roads caught my eyes, again. May be my eyes got habituated and hence I see them everywhere. When they sleep just beside the wall or somewhere in a corner, it’s not possible to notice them. But when lots of people lie down on the road along with their families, one cannot help but notice them. ] Von Kalkutta fühlt sich Grass teils angezogen, teils zurückgewiesen. Vieles fasziniert ihn, einiges macht ihn unglücklich. Die erniedrigenden Lebensumstände der Armen machen ihn wütend, aber er nimmt dabei auch den Lebenswillen der Menschen wahr. Der Titel einer Rede, die Grass beim ""Club of Rome"" in Hannover am 12. Juni 1989 hält, lautet ""Zum Beispiel Calcutta"". Darin sagt er unter anderem: (Auszug aus der Rede ""Zum Beispiel Calcutta"", vgl. WA 12 (2007), S. 208) Der deutsche Autor und Übersetzter von Tagores Werken, Martin Kämpchen, lebt in Santiniketan und hat eine Sammlung von Aufsätzen über Grass' Besuche in Kalkutta und Dakka herausgegeben. Der englische Titel lautet ""My broken love: Günter Grass in India and Bangladesh"" (deutscher Titel: „Ich will in das Herz Kalkuttas eindringen“. Günter Grass in Indien und Bangladesh). Interview mit Martin Kämpchen: Kämpchen: Grass selbst habe Kalkutta ""my broken love"" genannt; er habe sich also in die Stadt verliebt, aber sein Herz sei daran zerbrochen. Die Sammlung der Aufsätze spiegele diesen Gegensatz zwischen Faszination und purem Schmerz wider; Kämpchen hat daher diesen Titel für die Anthologie gewählt. Frage: Hat Grass Kalkutta missverstanden? Kämpchen: verneint; Grass habe die Stadt so weit es ihm möglich war aus seiner Perspektive gesehen; dies dürfe man nicht hinterfragen; als Grass in Kalkutta war, ist er etwa 60 Jahre alt gewesen, habe in diesem Alter eine eigene Vorstellung von der Welt und er Gesellschaft gehabt und habe diese Vorstellung mit der Lebenswelt Kalkuttas verglichen; viele würden ihm vorwerfen, Grass habe nicht versucht, Kalkutta losgelöst von seinen eigenen Vorstellungen zu sehen; für Kämpchen trifft dieser Vorwurf zu. Frage: Ist Grass' Urteil über Kalkutta voreilig gewesen? Kämpchen: Grass habe in seinem Leben immer schnelle und voreilige Urteile gefällt; dies müsse man bei seinem Urteil über Kalkutta im Auge behalten; die meisten seiner Aussagen beträfen kulturelle oder literarische Themen; in Kalkutta sei er mit einer völlig neuen Umgebung konfrontiert worden und habe ebenfalls ein schnelles Urteil über die Stadt gefällt; es sei zu Fragen, ob Grass ein solch schnelles Urteil auch über Städte wie New York oder Rom fällen würde, die innerhalb seines kulturellen Erfahrungsraumes liegen; um Kalkutta zu verstehen, müsse man sich viel mehr mit der Geschichte, der Kultur und Literatur der Stadt beschäftigen; Grass habe dazu nicht ausreichend Zeit gehabt, habe sich auch nicht mit den Werken indischer Schriftsteller beschäftigen können; dies habe Grass auch selbst zugegeben; aber er habe sein eigenes Maß, um Kalkutta zu beurteilen, und es sei in Ordnung, dass er dies getan habe".



Urtitel:
Kultur (07.1.2003)
Anfang/Ende:
(Trailer) Suru hochche saptahik…Sonar amontron thaklo. (MUSIK)
Genre/Inhalt:
--
Präsentation:
Interview
Schlagworte:

Person:
Kämpchen Martin; Hauptmann Gerhard; Rabindranath Tagore
Werke:
Zunge zeigen; Zum Beispiel Kalkutta
Sach:
Reise; Armut; Kultur; Kulturraum
Geo:
Kalkutta; Indien; Bangladesh; Santiniketan; Dakka
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
16.01.2003
Datum Erstsendung:
07.01.2003
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
bengali
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:09:45
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
WAV
Kopie:

Länge der Kopie:
00:09:44
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kultur
Archivnummer:
3524827000
Produktionsnummer:
470164
Teilnehmende:

Person:
Al Farooq, Abdallah (Beitragende(r))
Person:
Kämpchen, Martin (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Kultur (07.1.2003). Köln .

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Alle Rechte vorbehalten

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