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DB-Nummer: 1692

Kulturbeitrag über Günter Grass (bengali) : Über "Die Plebejer proben den Aufstand"

Al Farooq, Abdallah

"Beitrag 3, Dauer: 00:03:00 Neunter Teil der Reihe über den Aufenthalt von Günter Grass in Indien und Bangladesh Auszug aus ""Zunge zeigen"": [After having lunch at Mr. And Mrs. Karlekar, who dedicated their life towards uplift of the children who grew up in the slums, we headed towards South Calcutta to meet Amitava Roy. For last few days, they are rehearsing the play “Die Plebejer proben den Aufstand” on the terrace of Roy’s house. Roy is directing the play. He is playing the though character of Boss. He has to play the role of Coriolanus too.] (Übersetzung von Susruta Samanta) Die bengalische Übersetzung von ""Die Plebejer proben den Aufstand"" hat den Titel “Biplober Mahara”. Das Stück wurde 1965 geschrieben und am 15. Januar 1966 in Berlin uraufgeführt. Im gleichen Jahr wurde es auch in Karlsruhe und anderen deutschen Städten gespielt, später dann in London und Oxfort unter dem Titel ""The Plebeians Rehearse the Uprising"". 1998 wurde es in Braunschweig anlässlich des 100. Geburtstages von Bertolt Brecht auf die Bühne gebracht, da sich die Hauptperson auf Brecht bezieht. Im Stück heißt dieser Hauptcharakter ""der Chef"". Thema des Stücks sind die Volksunruhen am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin. ""Der Chef"" hat eine moderne Version des ""Coriolanus"" von Shakespeare geschrieben. Coriolanus war ein berühmter römischer Feldherr um 500 v.Chr., der einen Aufstand gegen dern römischen Kaiser führte. Im Stück ""Die Plebejer proben den Aufstand"" leitet der ""Chef"" eine Probe des ""Coriolanus"". In die Besprechung zur ersten Szene des ""Coriolanus"" platzen einige Arbeiter herein, die wollen, dass der ""Chef"" ein Manifest für sie verfasst, da sie denken, dass der ""Chef"" Beziehungen zur Regierung unterhält. Der ""Chef"" fordert die Arbeiter hingegen auf, bei dem Stück mitzuspielen. Die Grenzen zwischen römischen Plebejern und modernen Arbeitern verschwimmen. Später schreibt der ""Chef"" tatsächlich das geforderte Manifest, doch es ist bereits zu spät: Russische Panzer gebieten den Aufständischen Einhalt. 1986, während Grass' zweitem Aufenthalt in Kalkutta, wird das Stück dort aufgeführt. Die Leitung hat Amitava Roy, Professor an der Ravindravharati University. Er spielt auch den Charakter des ""Chefs"". Grass erwähnt die Aufführung in ""Zunge zeigen"": Auszug aus ""Zunge zeigen"": [ “After two long decades, I am feeling the attraction to theatre. Amitava is free from the Puritanism of a theatre-director. He is also utilising the presence of the writer, if needed. He is provoking me to be his partner in this work. We had several rounds of tea during the rehearsal.” ] Das Stück wird in der Akademie der schönen Künste in Kalkutta am 11., 14. und 18. Januar gespielt. Auch Grass ist zugegen und nimmt an Diskussionen mit dem Publikum nach den Aufführungen des Stücks teil. Interview mit Amitava Roy: Roy: Grass habe die Inszenierung des Stücks unterstützt, indem er über die Charaktere und die Zeitumstände aufgeklärt hat. Frage: Wie waren die Reaktionen der Zuschauer? Welche Fragen hatten sie? Roy: Die Reaktionen seien ziemlich positiv gewesen. Die Zuschauer hätten nach den Hintergründen des Stücks gefragt und auch nach den Ähnlichkeiten zwischen dem ""Chef"" und Brecht. Es habe auch einige extreme Reaktionen gegeben. Eine Zeitung habe in einer sechsseitigen Besprechung von einer Verschwörung gegen die kommunistische Regierung in West-Bengalen geschrieben. Roy hält das Stück jedoch nicht für anti-kommunistisch. Es zeige vielmehr die Probleme bei einem Aufstand einfacher Menschen. Roy war glücklich mit den Reaktionen der Menschen, sie hätten das Stück gemocht und sich daran erinnert. Das Stück ist fast ein Jahr lang gespielt worden, er sei oft für die Inszenierung beglückwünscht worden. Er habe die Menschen gefragt, warum sie das Stück so mögen würden. Die Menschen hätten geantwortet, dass es genug stereotype Theaterstücke gäbe, die mit einer Revolution enden würden. ""Die Plebejer proben den Aufstand"" sei dagegen anders, sei realistischer, der politische Kontext verständlicher. Man erwarte sogar die Entstehung eines neuen Theater-Genres in West-Bengalen. Frage: Grass gilt vielen als launische Person. Er spricht Wahrheiten unverblümt aus. Welche Erfahrungen hat Roy in dieser Hinsicht gemacht? Roy: stimmt zu, Grass sei eine launische Person. Er halte sich nicht darin zurück, seine Gedanken auszusprechen, was manchmal unangenehm sei. Roys persönliche Erfahrung ist jedoch eine andere: Grass integriere sich sehr gut. Bei einem Treffen der Theatergruppe in Roys Haus habe Grass mit den anderen zusammen gegessen und sich wohl gefühlt. Er habe Grass gefragt, warum dieser so oft für eine launische Person gehalten werde, während Roys Erfahrung mit ihm eine ganz andere sei. Grass habe geantwortet, dass er nie viel Spaß in seinem Leben gehabt habe mit einer Ausnahme: In der ""Gruppe 47"" habe er Enthusiasmus und Hingabe vorgefunden, und dies finde er in der Theatergruppe wieder. Er habe so etwas nie wieder erlebt, nachdem er berühmt geworden sei. Er fühle sich im Kreis der Gruppe daher wieder jung wie ein 20- oder 30jähriger. Statement von Supriyo Bandopadhay, der in ""Die Plebejer proben den Aufstand"" mitgespielt hat: Bandopadhay: Zur Zeit der Inszenierung des Stücks ist Bandopadhay Student an der Ravindrabharati University gewesen und Amitava Roy Gast-Professor. Roy habe vier aus der Theatergruppe in sein Haus eingeladen, wo auch noch Schauspieler aus anderen Theatergruppen in Kalkutta geladen gewesen seien, insgesamt 26 Leute. In einer Ecke hätte ein Fremder mit einer Pfeife gesessen, den man aus Zeitungen kenne: Günter Grass. Dann habe man erfahren, dass ein Stück von Grass inszeniert werden solle, das von Dattatreya Dutta übersetzt worden ist. Die Grundregel der Theatergruppe sei, sich zunächst zusammenzusetzen, gemeinsam den gesamten Text zu lesen und die Rollen zu verteilen. Beim Lesen des Textes habe Grass Roy vorgeschlagen, dass er (Bandopadhay) Kosanke spielen solle. Dies sei nicht leicht gewesen, da die Figur über vierzig Jahre alt ist, er selbst aber erst zwanzig. Grass sei bei allen Proben zugegen gewesen. Er verstehe zwar kein Bengali, könne aber die Emotionen der Schauspieler verstehen. Während der Proben hat Grass einige Stunden damit verbracht, mit den Schauspielern über ihre Rollen zu reden. Außerdem habe er gerne eine Kleinigkeit gegessen, einen Snack, der ""Dhokla"" heißt - dies ist ein salziger Snack aus Linsen, gründem Chilli und Schwarzkümmel. Außerdem habe Grass immer viel geraucht. Bei der ersten Aufführung habe Grass in der ersten Reihe gesessen und habe ihm (Bandopadhay) dadurch die Aufregung genommen. Grass sei auch zu den meisten anderen Aufführungen gekommen, habe die Geschichte immer und immer wieder mit den Schauspielern besprochen und inspiriert."



Urtitel:
Kultur (28.01.2003) Teil 9
Anfang/Ende:
(Trailer) Suru hochche saptahik … Sonar amontron thaklo. (Trailer)
Genre/Inhalt:
Theater
Präsentation:
Dokumentation
Schlagworte:

Person:
Brecht Bertolt; Shakespeare William
Werke:
Zunge zeigen; Die Plebejer proben den Aufstand; Die Blechtrommel; Coriolanus
Sach:
Theater; Aufstand; Inszenierung; Probe; Schauspieler
Geo:
Kalkutta; Indien; Berlin
Zeit:
17. Juni 1953
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
02.01.2003
Datumszusatz:
AD unbekannt
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
bengali
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
00:14:46
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
WAV
Kopie:

Länge der Kopie:
00:14:46
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kultur
Archivnummer:
3525818000
Teilnehmende:

Person:
Al Farooq, Abdallah (Autor(in))

Zitieren

Zitierform:

Al Farooq, Abdallah: Kultur (28.01.2003) Teil 9. unbekannt .

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