Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

DB-Nummer: 1699

Kahlschlag und Raubbau – Die Landschaften der Deutschen Einheit bei Günter Grass : Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung „Günter Grass und die Deutsche Einheit – Zeugnisse einer Auseinandersetzung“

Reinartz, Florian

Manuskript der Rede Meine Damen und Herren, auch ich darf sie noch einmal ganz herzlich begrüßen und willkommen heißen zur Eröffnung unserer Ausstellung „Günter Grass und die Deutsche Einheit - Zeugnisse einer Auseinandersetzung”. Mein Name ist Florian Reinartz, ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter der Günter Grass Stiftung und Kurator unserer Ausstellung. Einige Dankesworte möchte ich vorweg schicken: Sie gelten der Geschäftsführerin der Grass-Stiftung Frau Donate Fink, dem wissenschaftlichen Leiter Per Øhrgaard sowie die Mitarbeitern der Stiftung Sonja Wohllaib, Brigitte Kienle, den Aufsichten der Stadtwaage und unserer studentischen Hilfskraft Arturo Morales. Mein heutiger Vortrag soll Ihnen als Einführung in die Ausstellung dienen. Er ist überschrieben mit „Kahlschlag und Raubbau - Die Landschaften der Deutschen Einheit bei Günter Grass.” Wenn Sie die Worte „Landschaften” und „Deutsche Einheit” zusammen in einem Satz hören, dann denken Sie vermutlich an einen den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der am 1. Juli 1990 in einer Fernsehansprache Folgendes sagt: Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt. Noch 1998 verwendete die CDU übrigens die „blühenden Landschaften” als Wahlslogan auf Plakaten. Auch Günter Grass hat das, was er mit der bevorstehenden Einheit Deutschlands und der Zukunft eines vereinigten Deutschland verbindet, in Bildern von Landschaften ausgedrückt - mehrmals, in unterschiedlichen Kontexten und sogar Wochen und Monate vor Helmut Kohl. Die Grass’schen Einheitslandschaften, die alles andere als blühend sind, sind auch in unserer neuen Ausstellung sehr augenfällig, lassen sich anschauen, anhören und nachlesen in Lithographien, Ton- und Filmdokumenten und Texten. Dass Grass als Landschaftsdichter auftritt und seinen Landschaften Bedeutung einschreibt, erscheint nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass Grass als bildender Künstler ja auch 2 mitunter Landschaftsmaler ist und dass ihm auch Landschaftsbilder - ut pictura poesis - den Boden für seine wörtlichen Bilder liefern und umgekehrt. In Bezug auf die bevorstehende Deutsche Einheit wird Grass 1989 eine der typischsten deutschen Landschaften zum Bild: der deutsche Wald. Diese deutsche Landschaft hat sich jedoch gegenüber dem, was die Brüder Grimm erzählen oder die deutsche Romantik besingt, am Ende des 20. Jahrhunderts sehr geändert. Grass findet sterbende Wälder vor, das genaue Gegenteil einer blühenden Landschaft also. Er zeichnet die sterbenden Wälder in erschreckenden Bildern, die wenig später in den Band „Totes Holz” Eingang finden, die er mit aphoristisch-essayistischen Kommentaren versieht und mit Zitaten aus dem Waldzustandsbericht 1989 verbindet: Grass schreibt: Radikal: Was mit den Wurzeln ans Licht kam. (Ein Artikel über das Waldsterben endet mit dem Wort Panikblüte) Den Waldzustandsbericht zitiert er daraufhin mit: Der Forschungsbeirat ‘Waldschäden/Luftverunreinigungen’ stellte bereits in seinem 2. Bericht von 1986 fest, daß infolge der Schadstoffeinträge eine Versauerung der Waldböden auf großer Fläche angenommen werden muß und der Waldboden sich zunehmend als Risikofaktor für heutige und künftige Waldgenerationen erweist. Die schockierende Mahnung des „Toten Holzes” schließt sich thematisch an die Apokalypse „Die Rättin” von 1987 an und verbindet sich mit dem Thema Deutschen Einheit, dem Grass mit Mahnungen, teils auch bereits mit resignativen Aussagen begegnet. „Mit Glasnost in den Wäldern beginnen”, den Wald also transparent, durchsichtig zu machen (wie die wörtliche Übersetzung von ‚Glasnost‘ lautet), bedeutet für Grass ironisch gewendet einen Kahlschlag im doppelten Sinn: Kahlschlag in den Wäldern und Kahlschlag in den Köpfen der Deutschen in Bezug auf die zerfallende DDR. Im Harz, dem Wald im Herzen Deutschlands, den Goethe insgesamt fünf Mal besucht und den Heine mit romantischen Bildern eindringlich schildert, unmittelbar an der innerdeutschen Grenze, fallen die beiden Themen zusammen: Alles so offensichtlich. Hast du noch Worte? Wo Deutschland an Deutschland grenzt, zeichnet sich die Wiedervereinigung als Kahlschlag ab. Glasnost steht für Grass aber nicht nur für eine transparente, offene Staatsführung im Sinne Gorbatschows: „Durchsichtig, demnächst gläsern, / wie die Taschen der Volksvertreter.” Angesichts der sehr erschreckenden Eindrücke vom sterbenden deutschen Wald mahnt Grass hier aber noch, das Thema Umweltzerstörung nicht der Tagespolitik, die inzwischen von der Deutschen Einheit beherrscht wird, unterzuordnen: Während die Mauer löchriger wurde und viele Menschen, um Jahrzehnte gealtert, sich wiedersahen, wuchs - ohne Schlagzeilen zu machen - unser aller Ozonloch, dieser gänzlich humorlose Spielverderber. In seinem sogenannten „Nachruf” am Ende des Bandes „Totes Holz”, der mit „Die Wolke als Faust überm Wald” betitelt ist, wird dann bereits Grass’ Verbitterung angesichts der bevorstehenden Einheit und angesichts des Umgangs mit der DDR und ihren Bürgern offenbar, wenn es heißt: 3 Wirtschaftlich geht es uns bestens. Und auch sonst ist, seitdem die Mauer fällt, alles offen. Die drüben müssen uns das nur nachmachen, dann geht es auch ihnen bald bestens wie uns. Und weg von der Braunkohle müssen die. Und endlich begreifen, daß Leistung nur zählt. Und keine Berührungsangst haben; wir beißen ja nicht.1 1 Grass: WA 12 (2007), S. 287. 2 Grass: WA 12 (2007), S. 280f. Die im westdeutschen Sinne gesprochene Forderung „weg von der Braunkohle” führt Grass von den kahlen Wäldern an der innerdeutschen Grenze in eine weitere Landschaft und zu einem weiteren Landschaftsbild der Deutschen Einheit. Bereits in „Totes Holz” heißt es: So heißen die Ortschaften hier: Hemmschuh, Zinnwald, Gottgetreu... (Bei großflächigem Abbau von Braunkohle für Heiz- und sonstige Zwecke, und während, gebietsweise rauchverhangen, die Deutsche Demokratische Republik mit letzter Anstrengung vierzig Jahre alt wird, wollen die Bäume - Wir haben es satt! - auswandern, doch wohin?) In der Lausitz, in der Nähe des kleinen Ortes Altdöbern, zeichnet und beschreibt Grass die brachliegende, stillgelegte DDR-Wirtschaft anhand der durch Braunkohletagebau aufgerissenen, aufgeschüttet und deformierten Landschaft. Mehr noch: Auch diese abgebaute und ausgebeutete Landschaft steht ihm dabei nicht nur für die wirtschaftliche Vergangenheit der DDR, sondern auch für die düsteren Prognosen, die Grass angesichts der Einführung der D-Mark und der freien Marktwirtschaft für das vereinigte Deutschland aufstellt: ...wollte mir die zuunterst liegende Wüstenei zum Bild der DDR werden, nicht allein der vergangenen, die durch Mißwirtschaft ruiniert wurde, nein, der zukünftigen, durch Federstrich demnächst angeschlossen auch. Die Bilder dieser Wüstenei des Braunkohletagebaus werden schließlich in Skizzen und Kohlezeichnungen festgehalten, bilden aber auch die Grundlage für Grass’ erneute und zusammengefasste Kritik am Einheitsprozess in seinem „Brief aus Altdöbern” und dem „Bericht aus Altdöbern”. Den Bericht trägt Grass bald darauf im Berliner Reichstag zur Gründung des „Kuratoriums für ein demokratisch verfasstes Deutschland” vor. Darin heißt es: Mein Blick vom Grubenrand und also vom Stadtrand Altdöberns in den Braunkohletagebau, dieser Blick auf eine offene, nicht mehr verheilende Wunde - denn noch vor der Erschließung der Grube wurde das Grundwasser gesenkt -, mein Einblick also in die Folgen von Folgen so falscher wie gewaltsamer wirtschaftlicher Entscheidungen hat mich gelehrt, daß die neuerdings anstehenden falschen und gewaltsamen Entscheidungen das zerstörerische Werk unter anderem Markenzeichen fortsetzen werden, auch wenn der Bürgermeister von Altdöbern, ein, wie er sagt, grundsätzlich optimistischer Mensch, davon träumt, daß eines Tages die Abraumhalden begrünt und die Grubenlöcher als liebliche Seen die begrünten Hügel spiegeln werden.2 Weiterhin enthält der Bericht auch das von Grass immer wieder vorgebrachte Argument, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten würde einen Verfassungsbruch, mindestens aber eine Verfassungsbeugung zur Grundlage haben. Er beruft sich dabei auf den bis Ende September 1990 4 geltenden Artikel 146 des Grundgesetzes, der die Gültigkeit dieses Grundgesetzes an die Gültigkeit der Verfassung knüpft. Diese Verfassung - so Grass - müsse im Falle einer Einheit neu beschlossen und durch das deutsche Volk bestätigt werden. Den Grundgesetzartikel 146 sieht Grass untergraben zugunsten des sogenannten Beitritts-Artikels 23 des Grundgesetzes. Nach diesem ist das bestehende Grundgesetz in den Gebieten anzuwenden, die der Bundesrepublik Deutschland beitreten. Zum Nachlesen finden Sie diese beiden Grundgesetzartikel, um die es Grass geht, auch auf einer Texttafel in unserer Ausstellung. Statt des von Grass immer wieder geforderten, wirtschaftlichen „Lastenausgleichs” zwischen den beiden deutschen Staaten, wird Grass an der ausgedienten Braunkohlelandschaft deutlich, was die eigentliche Rechnung für den „Aufbau Ost” dann schließlich auszeichnen wird. In seinem „Brief aus Altdöbern” schreibt er: Förderbänder, die ausgedient haben. Wessen Gedärm liegt zuhauf? Warten auf das versprochene Wunder. Draufzahlen! ruft jemand über Lautsprecher wiederholt: Draufzahlen!3 3 Grass: WA 12 (2007), S. 289. 4 Grass: WA 1 (2007), S. 285. 5 Ebd. 6 Grass: WA 1 (2007), S. 287. 7 Grass: WA 1 (2007), S. 293. Der Gedichtband „Novemberland. 13 Sonette” resümiert 1993 dann rückblickend den Prozess der Deutschen Einheit. Er zeigt wiederum deutsche Landschaften in einem - wie bereits der Titel vermuten lässt - herbstlichen Gewand. Das Novemberland Deutschland, zu diesem Zeitpunkt von rechtsradikalen Anschlägen erschüttert, liegt, wie es heißt, zwar „breit” und in seiner „Schönheit weit gehügelt”4, ist jedoch „verflucht zu tugendhaftem Fleiß”5 der Marktwirtschaft. „Karg war die Ernte, reich die Beute”6, lautet Grass’ Bilanz zur Währungs- und Wirtschaftsunion und zur Arbeit der Treuhandanstalt in dem Gedicht „Späte Sonnenblumen”. Nebel und Regen prägen in dem schmalen Band das wiedervereinigte Novemberland Deutschland, das sich neue Grenzen schafft und zur Festung auftürmt: Die Festung wächst Liegt brach das Land zum Fraß der Krähenschar. Der Maulwurf mehrt sich, und verdächtig häufig sind längs den Zäunen fremde Hunde läufig. Wir sollen zahlen: auf die Hand und bar. Weil in der Mitte liegend, reich und ungeschützt, hat planend Furcht ein Bauwerk ausgeschwitzt: als Festung will Novemberland sich sicher machen vor Roma, Schwarzen, Juden und Fellachen. Nach Osten hin soll Polen Grenzmark sein; so schnell fällt nützlich uns Geschichte ein. das Burgenbauen war schon immer unsre Lust, den Wall zu ziehn, die Mauer zu errichten, und gegen Festungskoller, Stumpfsinn, Lagerfrust half stets ein Hölderlin im Brotsack mit Gedichten.7 5 Bemerkbar wird hier, dass sich Grass weniger mit den von Menschenhand deformierten, ausgeraubten Landschaften auseinandersetzt, als vielmehr mit den von Menschenhand geschaffenen Grenzen, dem Boden, der Heimaterde. Dieser Bezug auf Grenzen und Heimaterde findet sich bereits 1992 in einem tragikomischen Unterton in der Erzählung „Unkenrufe”, in der für polnische und deutsche Heimatvertriebene sogenannte „Versöhnungsfriedhöfe” in Wilno bzw. Vilnius und Danzig bzw. Gdansk geschaffen werden sollen. Die Idee einer versöhnlichen Friedhofslandschaft, die schon bald als Form einer „neuen deutschen Landnahme”8 gedeutet und vor allem von westlicher Seite her marktwirtschaftlich ausgebeutet wird, scheitert schließlich. 8 Grass: WA 7 (2007), S. 829. 9 Grass: WA 8 (2007), S. 293f. 10 Grass: WA 8 (2007), S. 477. 11 Grass: WA 8 (2007), S. 13. Als „Jahrhundert- und Wenderoman“ gilt seit seinem Erscheinen „Ein weites Feld”. Grass setzt darin die Deutsche Einheit 1989/90 zur Einheit 1870/71 in Bezug, verortet sie also in einem weiteren historischen Kontext. Seine in Reden und Essays immer wieder ausgesprochene Warnung, eine Einheit habe den Deutschland und seinen europäischen Nachbarn stets Unglück gebracht, verwebt er somit in einem erzählerischen Geflecht und gibt dem literaturkundigen Leser einen roten Faden an die Hand: Theodor Fontane. Das „weite Feld” ist aber nicht nur eine von Fontane entliehene Wendung, sie ist auch wiederum eine Raum-Metapher, die Fonty, einer der beiden Hauptfiguren des Romans, auch auf die Deutsche Einheit anwendet, wenn er sagt: Doch die Schuld ist ein weites Feld und die Einheit ein noch weiteres, von der Wahrheit gar nicht zu reden.9 An anderer Stelle redet Fonty über den Klassenfeind und die Gefahr des »kapitalistischen Zugriffs« […]; oder er sprach wieder einmal vom »zu weiten Feld», einer Fläche, die ausgeschritten, vermessen werden müsse, so stetig sie wachse und sich ins Unermeßliche zu verlieren drohe.10 Das weite Feld weist also hier einerseits auf die Komplexität und historische Weite, die der Einheitsproblematik innewohnt, andererseits auf kapitalistisches Wachstum ins Unendliche, auf den der Kapitalismus ja nun mal ausgelegt ist, und auf eine Art von neuer Landnahme. Fonty und sein sogenannter „Tag- und Nachtschatten“ Hoftaller, beide mit DDR-Biographien ausgestattet, werden Zeugen, wie sich die kahlen und abgebauten Flächen und Landschaften nach marktwirtschaftlichen Wachstumsregeln neu füllen: Sie überquerten ein Jahrzehnte lang wüstes Niemandsland, das nun als Großfläche nach Besitzern gierte; schon gab es erste, einander übertrumpfende Projekte, schon brach Bauwut aus, schon stiegen die Bodenpreise.11 Dies wird Fonty und Hoftaller unter anderem dort deutlich, wo auch Grass düstere Landschaftsbilder eines abgebauten Landes gezeichnet hat: im bereits erwähnten Braunkohlegebiet von Altdöbern in der Lausitz. Grass führt seine Figuren also in die gleiche Gegend, die auch für ihn eine Landschaft der Einheit ist. 6 Mehr noch: In den kritischen Worten seiner Figuren Hoftaller und dem Pfarrer Bruno Matull wiederholt Grass regelrecht Zitate aus eigenen Aufsätzen, Reden und Gesprächen - sie werden also in unserer Ausstellung sehr ähnliche Wendungen wie die folgenden aus Grass’ Mund zu hören bekommen. Hoftaller bemerkt beispielsweise: Und mit der harten Mark kommen ne Menge Aufkäufer. Sind übrigens schon da, um sich Greifbares auszugucken. Na, Fonty, diese Sorte kennen Sie doch. Sind alle vom Stamme Nimm, Ihre Treibels und Konsorten. Die machen bei uns ihren Schnitt. Für all diese Raffkes ist das hier Niemandsland. Die sehen nur Baugrund. Hier ein Stück, da ein Stück raus. Filetstücke nennen die das. Am Potsdamer Platz schnibbeln sie jetzt schon rum. Nicht nur die Japse. Klar doch: Mercedes voran!12 12 Grass: WA 8 (2007), S. 135. 13 Grass: WA 8 (2007), S. 301. 14 Grass: WA 8 (2007), S. 776. 15 Grass: WA 8 (2007), S. 351. Und Bruno Matull: Und ist nicht wiederum neuer Glaube — diesmal der Glaube an die Allmacht des Geldes — billig zu haben und doch hoch im Kurs? Und sind uns nicht abermals Perspektiven vorgezeichnet, die jedermann, der ihnen gläubig folgt, in Kürze Gewinn und dort, wo das Graue obsiegt hat, das Trugbild blühende Landschaft verheißen?13 Nicht zufällig endet der Roman „Ein weites Feld” auch mit dem Text einer Landschaftspostkarte, die Fonty nach seinem Verschwinden aus dem vereinigten Deutschland von einer unbekannten Gegend aus an das ihm so gewogene Fontane-Archiv in Potsdam schreibt: Mit ein wenig Glück erleben wir uns in kolossal menschenleerer Gegend. La petite trägt mir auf, das Archiv zu grüßen, ein Wunsch, dem ich gerne nachkomme. Wir gehen oft in die Pilze. Bei stabilem Wetter ist Weitsicht möglich. Übrigens täuschte sich Briest; ich jedenfalls sehe dem Feld ein Ende ab…14 Mit diesem Satz endet schließlich der Roman „Ein weites Feld”, und auch ich sehe nun meinem Vortrag - möglicherweise in Ihrem Sinne - ein Ende ab. Das Thema Deutsche Einheit ist bei Günter Grass ein außerordentlich weites Feld, wie Sie sich in wenigen Minuten in unserer Ausstellung werden überzeugen können. Ob das Feld eine blühende Landschaft ist oder inzwischen geworden ist? Eine ausgeraubte, abgebaute, kahlgeschlagene oder brachliegende Landschaft? Eine exponentiell wachsende, kapitalistische Fläche? Und ob Grass’ Vorschlag, ein konföderatives System herzustellen, eine Einigung vor der Einheit zu erzielen, eine bessere Lösung für die beiden deutschen Staaten gewesen wäre? Mit Grass haben wir, die wir nun seit 20 Jahren in diesem vereinigten Land leben, die Möglichkeit, weiter darüber weiter nachzudenken, denn, so sagt Fonty und so möchte ich nun schließen: „Es ist so schwer, was man tun und lassen soll. Das ist auch ein weites Feld.“15 Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!



Urtitel:
Kahlschlag und Raubbau – Die Landschaften der Deutschen Einheit bei Günter Grass
Anfang/Ende:
Guten Tag, meine…sehr gern. Dankeschön. (BEIFALL)
Genre/Inhalt:
Literatur
Präsentation:
Rede
Historischer Kontext:

Eröffnung der Ausstellung "Günter Grass und die Deutsche Einheit - Zeugnisse einer Auseinandersetzung". Die Ausstellung der Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen wurde von Dr. Florian Reinartz konzipiert und am 26. September 2010 im Kulturhaus Stadtwaage in Bremen eröffnet. Sie wurde dort bis Ende 2010 gezeigt.

Schlagworte:

Person:
Kohl Helmut; Fink Donate; Øhrgaard Per; Wohllaib Sonja; Kienle Brigitte; Morales Arturo
Werke:
Totes Holz; Die Rättin; Novemberland; 13 Sonette; Unkenrufe; Ein weites Feld
Sach:
Ausstellung; Eröffnung; Landschaft; Einheit; Wiedervereinigung; Grundgesetz; Verfassungsbruch; Verfassungsbeugung; Wald; Währungsreform
Geo:
DDR
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
26.09.2010
Aufnahmeort:
Bremen, Kulturhaus Stadtwaage
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:24:37
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
mp3
Kopie:

Länge der Kopie:
00:22:36
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Teilnehmende:

Person:
Øhrgaard, Per (Vorredner(in))
Person:
Reinartz, Florian (Vorredner(in))
Person:
Reinartz, Florian (Autor(in))

Zitieren

Zitierform:

Reinartz, Florian: Kahlschlag und Raubbau – Die Landschaften der Deutschen Einheit bei Günter Grass. Bremen, Kulturhaus Stadtwaage .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export