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DB-Nummer: 1733

Eröffnung der Sonderausstellung "Arno Schmidt. Der Schriftsteller als Fotograf" in Lübeck : Vernissage mit Günter Grass in der Katharinenkirche

Eröffnung der Ausstellung "Arno Schmidt. Der Schriftsteller als Fotograf", die im Günter Grass Haus Lübeck gezeigt wird. Die Eröffnungsveranstaltung findet in der Katharinenkirche statt. Ab 37:24 min. bis 54:00 min.: Günter Grass liest die "Kleine Rede für Arno Schmidt" (1964) (WA 11 (2007), S. 53-57 Podiumsdiskussion unter der Leitung von Jörg Dieter Kogel mit Janos Fercot, Bernd Rauschenbach, Günter Grass, zum Medium Fotografie bei Arno Schmidt, zur Arbeitsweise von Arno Schmidt, Grass erläutert dabei sein Verhältnis zur Fotografie: Maria Rama habe ihm vor einer Asienreise eine Kamera geschenkt, auf seinen Fotos sei dann aber immer sein Daumen zu sehen gewesen; Grass bevorzugt die Zeichnung als Notiz und Vorarbeit zu literarischen Arbeiten; auch im Jemen habe er die Landschaften gezeichnet, während seine Begleiter nur fotografiert hätten; für Arno Schmidt seien aber Fotos ebenso wie Zettel für die literarische Arbeit sehr wichtig gewesen. Grass beschreibt die Simultantechnik bei Alfred Döblin und vergleicht sie mit Arno Schmidts Schreibweisen; Schmidt sei mit Döblins Werk sehr vertraut gewesen und habe an dieses angeknüpft; im Gegensatz zu Thomas Mann und Bertolt Brecht sei das Werk von Alfred Döblin sehr offen und deshalb für jüngere Autoren lehrreicher. Grass erinnert sich an seine erste Begegnung mit Arno Schmidt und beschreibt ihn als "hochgewachsen", "verklemmt" und "hochmütig"; nach der Laudatio, die Grass anlässlich der Ausstellungseröffnung gelesen hat, habe sich Schmidt zu ihm gewendet und "ganz ordentlich" gesagt; Rauschenbach merkt an, dass Arno Schmidt andere zeitgenössische Autoren nicht wahrgenommen hätte, auch Günter Grass nicht; eine Ausnahme bildet Alfred Andersch, mit dem Schmidt befreundet war. Das Ansteckende bei Arno Schmidt ist für Günter Grass die Aufnahme gesprochener Sprache gewesen; Schmidt hätte "das Zeug zum Volksschriftsteller" gehabt, werde aber nicht als solcher wahrgenommen; Schmidt sei aber nicht der einzige Außenseiter gewesen, der wenig oder gar nicht gelesen worden sei; einen Bestseller habe er nie geschrieben; Schmidt habe manchmal etwas "spitzweghaftes", ähnlich wie Wilhelm Raabe; Schmidt sei das genaue Gegenteil von Alfred Anderschs "Weltläufigkeit".



Urtitel:
Ausstellungseröffnung mit Günter Grass
Anfang/Ende:
Herzlich willkommen heute…gebe, vielen Dank. (BEIFALL)
Genre/Inhalt:
Kunst
Präsentation:
Rede
Historischer Kontext:

Fotografie und Literatur: Das Museum in der Glockengießerstraße zeigt erneut eine hochinteressante Doppelbegabung. Der Schriftsteller Arno Schmidt (1914-1979) war nicht nur ein bedeutender Dichter, sondern auch ein begnadeter Fotograf. Seine Kamera verwendete er als Werkzeug wie ein Maler seinen Zeichenstift, um Landschaften, Personen und egenstände einzufangen und seine persönliche Lebenswelt zu dokumentieren. Fotos dienten dem Autor von „Zettels Traum“ als Gedächtnisstütze für seine schriftstellerische Arbeit. Nach und nach entwickelten sie sich von flüchtigen Schnappschüssen zu bewusst komponierten, den Betrachter unmittelbar fesselnden Aufnahmen, die einen Vergleich mit den dichten Beobachtungen in Schmidts Texten nahe legen. Das Projekt fügt sich in das Konzept des Günter Grass-Hauses ein, neben dem Werk seines Namensgebers auch andere mehrfach begabte Künstler in Auszügen vorzustellen. Das Spektrum der bisher gezeigten Ausstellungen wird mit dieser Schau um eine bislang nicht gezeigte Kombination zweier Disziplinen, nämlich Fotografie und Literatur, erweitert. Zwischen dem Schaffen von Arno Schmidt und Günter Grass bestehen neben dem Aspekt der sogenannten „Doppelbegabung“ noch weitere Parallelen: Der um dreizehn Jahre jüngere Grass ordnet sich in eine ähnliche literarische Traditionslinie ein wie Arno Schmidt. 1964 trat Grass sogar als Laudator bei der Vergabe des Fontane-Preises an Schmidt auf. Zudem haben sich beide Autoren intensiv mit dem Medium der Fotografie auseinander gesetzt. Die Vernissage findet am 8. Juli um 19:00 Uhr in der Lübecker Katharinenkirche statt. Mit Janos Frecot, Kurator der Ausstellung, Bernd Rauschenbach, Arno-Schmidt-Stiftung Bargfeld, Günter Grass. Anschließend musikalischer und kulinarischer Empfang im Günter Grass-Haus. Für dieses Projekt konnten der renommierte Fotografie-Experte, Herausgeber und Ausstellungsmacher Janos Frecot als Kurator und die Arno-Schmidt-Stiftung in Bargfeld als Leihgeber gewonnen werden. Quelle. http://die-luebecker-museen.de/de/97/teid:7159/terminkalender-detail.html

Schlagworte:

Person:
Schmidt Arno; Rama Maria; Döblin Alfred; Koeppen Wolfgang; Kesten Hermann; Mann Thomas; Kafka Franz; Brecht Bertolt; Andersch Alfred; Reich-Ranicki Marcel; Raabe Wilhelm; Dürrenmatt Friedrich
Werke:
Kleine Rede für Arno Schmidt; Die drei Sprünge des Wang-Iun; Die Blechtrommel; Sansibar oder der letzte Grund; Seelandschaft mit Pocahontas; Das steinerne Herz; Zettels Traum
Sach:
Ausstellung; Ausstellungseröffnung; Fotografie; Volksschriftsteller
Geo:
Jemen; Lübeck; Norddeutschland
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
08.07.2011
Aufnahmeort:
Lübeck, Katharinenkirche
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Originallänge:
01:28:31
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
CD
Datenformat:
mp3
Kopie:

Länge der Kopie:
01:28:20
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Teilnehmende:

Person:
Borns, Annette (Vorredner(in))
Person:
Frecot, Janos (Vorredner(in))
Person:
Rauschenbach, Bernd (Vorredner(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Kogel, Jörg-Dieter (Vorredner(in))
Person:
Thomsa, Jörg-Philipp (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Ausstellungseröffnung mit Günter Grass. Lübeck, Katharinenkirche .

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