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DB-Nummer: 1769

Vor der Premiere der Verfilmung der "Blechtrommel" : Pressekonferenz

Ausschnitt aus der Pressekonferenz kurz vor der Premiere des "Blechtrommel"-Films in Berlin Schlöndorff: nennt die Schwierigkeiten, Drehgenehmigungen in Danzig zu bekommen und polnische Schauspieler zu beschäftigen; man habe von vorne herein bestimmte polnische Schauspieler einsetzen wollen (Daniel Olbrychski, der Jan Bronski spielt, Marek Walczewski als Schugger-Leo), um die Rollen von Polen zu besetzen; die Schauspieler hätten sich zunächst einmal mit ihrer Rolle und der Darstellung von Polen in einem deutschen Film auseinandergesetzt; erst nach diesen Gesprächen, die Schlöndorff mit den Schauspielern geführt hat, habe man um Drehgenehmigungen in Danzig gebeten; was letztlich die Einwilligung ausgelöst habe, sei nicht bekannt, das Buch ist nach wie vor in Polen nicht erschienen; ob politische Einsicht oder "akuter Devisenmangel" zu den Genehmigungen geführt hätten, sei nicht entscheidbar; Grass (ergänzt): eine Mischung aus beiden; Schlöndorff: einige Szenen habe man absichtlich nicht in Danzig drehen wollen, z.B. Nazi-Aufmärsche; dennoch habe es zwei heikle Szenen in Danzig gegeben: Hitlers Einzug in die Stadt Danzig, den man nur dort habe drehen können; seltsamerweise habe es keine Reaktionen von der Bevölkerung gegeben, als man die Straßen mit Hakenkreuzfahnen dekoriert habe; bei der letzten Szene am Bahnhof, in der die Deutschen die Vertriebenen sind, seien Aufpasser und Beobachter zugegen gewesen, da auch diese Szene heikel gewesen sei; Schlöndorff hat seinem Team immer wieder klargemacht, dass es sich um "tote Geschichte" handele, die in Deutschland teilweise verdrängt und vergessen sei, dagegen in Polen aber viel gegenwärtiger sei. Grass zur Darstellung des zeitgeschichtlichen Umfelds im Film: Es sei ein grundsätzliches Problem, wenn man mit einem "Produkt" an die Öffentlichkeit trete, das ästhetischen Gesetzen folge; dies treffe auf alle Kunstformen zu; Grass plädiert dafür, dass diese Kunstprodukte den Konsumenten herausfordern müssen; auch der Kinozuschauer müsse sich in diesem Fall mit einer Zeit auseinandersetzen, die Folgen bis in die Gegenwart habe; vieles aus dieser Zeit sei verdrängt und vergessen worden; der Film habe aufgrund seiner sinnlichen Vermittlung die Möglichkeit, gerade bei einem jüngeren Publikum Neugier zu wecken; nur so könnten aus Kenntnis der Vergangenheit auch gegenwärtige Probleme verstanden werden; künstlerische Produkte seien zudem vieldeutig und ließen mehrere Interpretationen zu; wenn Schlöndorff nur das Buch kopiert hätte, wäre der Film schlecht geworden; Grass hätte sich dann auch verweigert; ihm sei klar gewesen, dass Schlöndorff seine eigene Interpretation zur Grundlage nehmen würde; somit sei der Film nicht eine "Verfilmung" der "Blechtrommel", sondern ein Film "nach dem Roman" "Die Blechtrommel". Grass zu der Frage, ob der Zuschauer den Film auch ohne Kenntnis des Buches verstehen könne: Der Zuschauer würde das verstehen, was der Film in linearer Form erzählt; die Diskussionen über bestimmte filmische Techniken hält Grass für "unfruchtbar"; Schlöndorff sei es gelungen, die Möglichkeiten erzählender Prosa in Film umzusetzen. Zur Frage, ob das dritte Buch der "Blechtrommel" auch in Film umgesetzt werden solle: Grass: der dritte Teil sei ein bedeutender Teil, für den er (Grass) oft kritisiert worden sei, da er die bundesdeutsche Wirklichkeit so deutlich darstelle; wenn man diesen Teil heute lese, müsse man zu dem Schluss kommen, dass die Deutlichkeit der Darstellung gar nicht ausreiche, um die "Vulgarität des Materialismus" darstellen zu können; Grass würde es begrüßen, mit einem "erwachsenen, verwachsenen Oskar" auch diesen Teil des Buches zu verfilmen. Schlöndorff: glaubt nicht daran, dass es eine Fortsetzung der Verfilmung geben wird; man solle erst warten, bis der aktuelle 50er-Jahre vorbei ist; dem ersten Teil des Romans habe es auch nicht geschadet, mit der filmischen Umsetzung so lange zu warten.



Urtitel:
Kulturreport: Blechtrommel-Urauffühurng - Grass und Schlöndorff Statements
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Ein weltbekanntes Buch...anderen Film machen.
Genre/Inhalt:
Kultur
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Für die Verfilmung des Romans "Die Blechtrommel" durch Volker Schlöndorff wird eine Produktionssumme von über 7 Mio. DM aufgebracht. Die Dreharbeiten finden zu einem großen Teil in Danzig statt, einige Nazi-Szenen werden in Joguslawien gedreht. In Polen ist der Roman "Die Blechtrommel" auch zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen nicht veröffentlicht.

Schlagworte:

Person:
Olbrychski Daniel; Walczewski Marek
Werke:
Die Blechtrommel
Sach:
Dreharbeiten; Schauspieler; Verfilmung; Drehgenehmigung; Fortsetzung
Geo:
Danzig; Polen; Jugoslawien; Berlin
Zeit:
1950er Jahre
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
03.05.1979
Datum Erstsendung:
03.05.1979
Aufnahmeort:
RIAS Berlin
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Anmerkung Qualität:
Teilweise "Telefonqualität". Hintergrundund "Mirkrofongeräusche".
Original:

Originallänge:
00:44:40
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
Band
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:12:11
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sender / Institution:
NDR: Hannover
Sendereihe:
Kulturreport
Archivnummer:
Z127077 001, alte Archivnr.: 534-340
Produktionsnummer:
DZ 127077 001
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))
Person:
Schlöndorff, Volker (Vorredner(in))
Person:
Wichert, Lothar (Redaktion)
Person:
unbekannt, (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Kulturreport: Blechtrommel-Urauffühurng - Grass und Schlöndorff Statements. RIAS Berlin .

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