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DB-Nummer: 1804

Kritik auswärtiger Kulturpolitik

Frage: Grass hat die Rolle des auswärtigen Amtes hinsichtlich der auswärtigen Kulturpolitik kritisiert; Künstler und Schriftsteller seien im Ausland behindert worden und von den Botschaften nicht ernst genommen worden; welches Beispiel kann Grass nennen? Grass: hat die Arbeit des Goethe-Instituts gelobt; in Brüssel seien seine kritischen Äußerungen im Auftrag des Botschafters in einem Dossier zusammengefasst worden; dies seien DDR-Methoden; Grass plädiert für eine größere Autonomie der Goethe-Institute; Frage: Die Autonomie der Goethe-Institute ist durch einen Rahmenvertrag aus den 70er Jahren gesichert; wo sieht Grass Möglichkeiten zur Modifizierung? Grass: Das Einspruchsrecht des Botschafters müsse eingeschränkt werden; im Ausland werde den Deutschen Misstrauen entgegen gebracht, die geäußerte Kritik sei oft klischeehaft; die beste Werbung für Deutschland sei, die eigenen Missstände öffentlich zu diskutieren; die Botschafter seien offenbar bemüht, ein positives Bild nach außen zu tragen; diese Rolle stünde den Künstlern nicht zu, sie seien nicht Repräsentanten eines Staates; die deutschsprachige Literatur sei nicht an Landesgrenzen gebunden; die DDR und die BRD hätten eine Tendenz zu einer gesamtdeutschen Literatur trotz unterschiedlicher Erfahrungen; Frage: Versteht sich Grass im Ausland als besserer Diplomat? Grass: Hat dies im Zusammenhang mit dem Terrorismus in Deutschland und der "ohnmächtigen Reaktion" darauf geasgt; im Ausland sei man damals deswegen auf Unverständnis und auf klischeehafte Kritik gestoßen; die Schriftsteller hätten sich dadurch in einer schwierigen Situation befunden; die Botschaften seien der Situation nicht gewachsen gewesen; in diesem Zusammenhang hätten sich dann Literaten als die besseren Diplimaten erwiesen; Frage: Wird in der auswärtigen Kulturpolitik "die Freiheit zu Tode gelangweilt"? Grass: man wolle offenbar ein harmonisches Bild erzeugen; zur Tradition des Goethe-Instituts gehöre es, auch die Widersprüche mit aufzunehmen; im Ausland werde man mit Fragen konfrontiert; es komme darauf an, die Missstände zuzugeben und zu erklären, und dass die Bundesrepublik nicht mit Flick und Politikern, die sich von Flick hätten kaufen lassen, gleichzusetzen sei [gemeint ist die sogenannte Flick-Affäre].



Urtitel:
Kulturreport: Auswärtige Kulturpolitik und ihre Kritiker
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Das Thema Schriftsteller…haben kaufen lassen.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Interview
Historischer Kontext:

Gespräch anläßlich eines Kolloqiuim über auswärtige Kulturpolitik in Bonn zur am Ende des Interviews genannten Flick-Affäre: Die Flick-Affäre, auch Flick-Parteispendenaffäre, bezeichnet in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einen in den 1980er Jahren aufgedeckten politischen Skandal um verdeckte Parteispenden des Flick-Konzerns zur Pflege der politischen Landschaft, wie Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch die Praktiken nannte, und der möglichen konkreten Entscheidungsbeeinflussung im Zusammenhang mit einem für den Flick-Konzern und den Konzernchef Friedrich Karl Flick günstigen Entscheid des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Flick-Affäre führte zu einem deutlichen Vertrauensverlust gegenüber den beteiligten Parteien in der Bevölkerung.

Schlagworte:

Person:
Genscher Hans-Dietrich
Sach:
Kultur; Kulturpolitik; Ausland; Goethe-Institut; Botschafter; Terrorismus; Flick-Affäre
Geo:
BRD; DDR
Zeit:
1970er Jahre
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
25.10.1984
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Originallänge:
00:06:30
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
Band
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:07:00
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Deutsche Welle (DW)
Sendereihe:
Kulturreport
Archivnummer:
Bandnr.: 626 772
Teilnehmende:

Person:
Scheller, Rolf (Interviewpartner)
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Kulturreport: Auswärtige Kulturpolitik und ihre Kritiker.

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