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DB-Nummer: 1833

Micha Brumlik übt Kritik am Gedicht von Günter Grass (tel.)

Grass, Günter

Zitate aus dem Gedicht "Was gesagt werden muss" Interview mit dem Erziehungswissenschaftlier und Publizisten Micha Brumlik (Goethe-Universität Frankfurt) Frage: Was hält Brumlik von dem Gedicht? Brumlik: ist entrüstet darüber, dass ein Nobelpreisträger sein dichterisches Talent "missbraucht, um Agitpop-Literatur zu publizieren" Frage: Was missfällt Brumlik? Brumlik: Grass erwähne in keiner Zeile, dass der Iran Israel verbal bedrohe und bald in der Lage sein werde, diese Drohungen auch umzusetzen; dies hätte Grass mindestens erwähnen müssen Frage: Was Grass über Israel sagt, werde dadurch aber nicht zwangsläufig falsch Brumik: stimmt zu; der Grund für die atomare Bewaffnung Israels sei aber, dass nicht alle Nachbarn Israels die Existenz des Staates anerkennen würden; unter diesen Umständen sei es verteidigbar, dass Israel Atomwaffen vorhalte Frage: In Deutschland gilt Kritik an Israel als Tabu; Grass nimmt auch den Antisemitismus-Vorwurf vorweg; kann Brumlik dies nachvollziehen? Brumlik: verneint; Umfragen zufolge würden mehr als 50% der Deutschen Israel als Hauptgefahr für den Weltfrieden halten; dies sei zwar nicht haltbar, wer diese Meinung äußere, müsse aber mit Kritik rechnen; Frage: Müsste Grass das Tabu, Israel zu kritisieren, aufrecht erhalten? Brumlik: Jeder habe das Recht, die Israelische Regierung zu kritisieren; dies mache die Kritik aber nicht berechtiger; ein Tabu bestehe aber eigentlich nicht mehr; Frage: Warum hätte Grass Israel nicht kritisieren dürfen? Verschärft Grass damit den Konflikt? Verlangt die Vergangenheit, dass Grass schweigt? Brumlik: Grass solle sich die Kritik nicht verkneifen; er müsse aber die zugespitzte Situation der Bedrohung Israels ernst nehmen; hinzu komme, dass Israel gar keine Interessen am Iran habe; Israel versuche mit Atomwaffen lediglich abzuwehren, dass der Iran möglicherweise zu Atomwaffen komme; im Iran agierten offenbar "politisch Verrückte" und es bestehe die Gefahr, dass diese ihre Drohungen wahr machten; Frage: Bislang hat Grass sich mit Äußerungen zum Nahost-Konflikt zurückgehalten; warum meldet er sich jetzt zu Wort? Brumlik: Die Stimmung im Westen sei angespannt, es drohe ein Krieg; Grass sei schon immer von "starken apokalyptischen Stimmungen heimgesucht" worden; Verweis auf Grass' Äußerungen zur Nachrüstungspolitik und auf den Roman "Die Rättin"; diese apokalyptische Stimmung habe Grass nun offenbar wieder sehr heftig ergriffen.



Urtitel:
Symbolische Intervention
Anfang/Ende:
Es ist das…Brumlik. Ja. Bitte!
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Präsentation:
Interview
Historischer Kontext:

Drohender Atom-Konflikt zwischen Israel und Iran; Veröffentlichung des Gedichts "Was gesagt werden muss" von Günter Grass in der "Süddeutschen Zeitung", in der "New York Time" und in "La Republica"; das Gedicht löst eine breite Debatte in Deutschland aus.

Schlagworte:

Werke:
Was gesagt werden muss
Sach:
Gedicht; Antisemitismus; Atomkonflikt
Geo:
Israel; Iran
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
04.04.2012
Aufnahmeort:
unbekannt
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:06:42
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
File
Datenformat:
mp3
Kopie:

Tonträger:
unbekannt
Datenformat Sichtung:
nicht zutreffend
Datenformat Archiv:
nicht zutreffend
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Sendereihe:
SWR 2 Journal
Teilnehmende:

Person:
Brumlik, Micha (Vorredner(in))
Person:
unbekannt, (Vorredner(in))
Person:
Fichtner, Nela (Interviewpartner)
Person:
Grass, Günter (Autor(in))

Zitieren

Zitierform:

Grass, Günter: Symbolische Intervention. unbekannt .

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