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DB-Nummer: 1926

Streit um das "Zentrum gegen Vertreibungen"

Grass: Jede Art von Vertreibung sei ein Verbrechen, dessen gedacht werden müsse. Angesichts der im Nationalsozialismus verübten Verbrechen ist die Vertreibung Deutscher lange Zeit tabuisiert worden; die Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen" hat eine Gedenkstätte geplant und damit eine Debatte ausgelöst; einen Aufruf des Bundestagsabgeordneten Markus Meckel (SPD) haben zahlreiche Intellektuelle und Politiker (u.a. Günter Grass) mitunterzeichnet, die für eine europäische statt einer rein deutschen Gedenkstätte plädieren. Erika Steinbach (Mitbegründerin des "Zentrums gegen Vertreibungen"): freut sich darüber, dass die Stiftung eine so lebendige wie überfällige Debatte angeregt hat; dies gehöre zu dem Selbstfindungsprozess der Deutschen. Markus Meckel: gegen eine rein national ausgerichtete Gedenkstätte spreche, dass andere Vertriebene dies als Angriff werten könnten. Grass: Inzwischen könne man über dieses Thema sprechen; auch in Polen sei man bereit, den polnischen Vergehen nachzugehen; man dürfe aber nie vergessen, dass die Deutschen mit den Vertreibungen angefangen hätten; in der europäischen Geschichte sei das deutsch-polnische Verhältnis von besonderer Bedeutung; der Vorschlag von polnischer Seite für eine als Forschungsstelle eingerichtete Gedenkstätte in Breslau, die europäisch ausgerichtet sein soll, hält Grass für richtig; eine rein deutsche Perspektive hält Grass für falsch. Die Stiftung will das Zentrum gegen Vertreibungen in zentraler Lage in Berlin ansiedeln. Erika Steinbach: Die Ängste der deutschen Nachbarn seien ernstzunehmen; die Trauer und Selbstfindung der Deutschen müsse allerdings auch von den Nachbarn ausgehalten werden. Grass: Es handele sich um eine euopäische Verantwortung, der man sich stellen müsse. Ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin läuft auch Gefahr, als Kontrapunkt zum Holocaus-Mahnmal gesehen zu werden. Grass: Die Verbrechen an den Juden könnten nicht gleichgesetzt werden mit anderen Kriegsverbrechen; es gebe hier andere Ursachen. [bricht ab??]



Urtitel:
Kulturjournal: Günter Grass. Zentren gegen Vertreibung
Anfang/Ende:
(MUSIK) Menschen, die kein…Methoden, andere Verbrechen.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Das "Zentrum gegen Vertreibungen" ist ein Mitte 1999 vorgestelltes Projekt des Bundes der Vertriebenen (BdV) zur Dokumentation der Vertreibungen im 20. Jahrhundert, das in Berlin errichtet werden sollte. Im Jahr 2000 wurde vom BDV eine gleichnamige Stiftung mit Sitz in Wiesbaden gegründet. Vorsitzende der Stiftung ist die BDV-Präsidentin Erika Steinbach (CDU). Das Vorhaben stieß auf Kritik in Deutschland und im Ausland, besonders in Polen und Tschechien. Seine Konzeption wurde von der deutschen Bundesregierung nicht übernommen. Gleichwohl plant die Bundesregierung, in Berlin eine Institution („Sichtbares Zeichen“) zur Erinnerung an die 15 Millionen Deutschen zu gründen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ost- und Mitteleuropa vertrieben wurden.

Schlagworte:

Sach:
Vertreibung; Gedenkstätte; Identität
Geo:
Breslau; Polen; Europa; Berlin
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
28.07.2003
Aufnahmeort:
Diverse
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:04:53
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
unbekannt
Datenformat:
IMAX
Kopie:

Länge der Kopie:
00:04:57
Tonträger:
DVD
Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
AVI
Herkunft:

Sender / Institution:
Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
Sender / Institution:
Deutschlandradio (DLR)
Sendereihe:
Kulturjournal
Archivnummer:
0001094533
Produktionsnummer:
0216150027
Teilnehmende:

Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Steinbach, Erika (Beitragende(r))
Person:
Bungartz Christoph, (Redaktion)
Person:
Miosga, Caren (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Kulturjournal: Günter Grass. Zentren gegen Vertreibung. Diverse .

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