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Medienarchiv

DB-Nummer: 1960

Medienkritik und Unkenrufe

Ausschnitt aus einer Lesung aus "Unkenrufe", 6. Kapitel Interview mit Günter Grass: Frage: In der Kritik habe man "Grass am Ende" lesen können; was hat es mit diesen Worten auf sich? Grass: Dies seien Wunschvorstellungen von manchen; er wolle darüber nicht lange nachdenken, es gehe seit Jahren so; er habe schon neue Pläne und werde nun warten, bis es wieder ruhiger werde; Frage: Grass ist aber offenbar auch verletzt und verärgert... Grass: Reich-Ranicki und sein Stichwortgeber Karaseck würden Hand in Hand arbeiten, beim "literarischen Stammtisch" gebe es dies dann im Block; die Kritik gehe am Buch vorbei und ziele auf den Autor; als er sich gegen den Verlauf der Deutschen Einheit gewandt habe, sei ihm dies übel genommen worden; ein Teil dieser Voraussagen sei aber sogar von der Realität übertroffen worden; Frage: Hat Grass Angst vor der "Medienmafia" schon vor Erscheinen des Buches gehabt? Grass: keine Angst, aber Vorsicht; er wisse, wie man Heinrich Böll "fertiggemacht" habe; auch sein Buch "Die Rättin", das bei den Lesern sehr viel Anklang gefunden habe, sei durch Sendungen wie den "literarischen Stammtisch" von Reich-Ranicki gestoppt worden; hier finde Machtsmissbrauch statt und dies wolle er nicht hinnehmen; Frage: Die Kritik zielt aber nicht nur auf das Politische, man spricht z.B. von "Sachbearbeiterprosa" oder "Rentnerprosa" und hat den Eindruck, dass Grass sich leergeschrieben hat... Grass: hält dies für "Unsinn sondergleichen"; die Protagonisten seien um die 60 Jahre alt, der Ton sei entsprechend angelegt; auch für sich selbst nehme er in Anspruch, älter geworden zu sein, "Turnschuhprosa" wolle er nicht schreiben; Einschub: Inhaltsangabe "Unkenrufe" mit Einblendung von Friedhöfen und von Grass-Grafiken. Frage: Grass beschreibt in "Unkenrufe" sinnliche Momente, die Schilderungen lassen aber allmählich nach... Grass: Die sinnlichen Passagen würden in Kontrast stehen zu der Geschäftsidee; die Darstellung des Geschäfts setze eine andere Sprache voraus; Frage: Es hat den Eindruck, dass Grass einen glänzenden satirischen Einfall gehabt hat, diesen aber dann im Verlaufe platt tritt... Grass: Ist andere Meinung; der Einfall, der am Anfang stehe, rinne den Protagonisten durch die Finger; dies alles gehöre aber zu dem Einfall; Frage: Der Erzähler (Chronist) hat eine kritische Distanz zu sich selber… Grass: Als Autor habe er oft ein ironisches Verhältnis zu den Figuren; der Autor spreche auch in anderen Büchern oftmals knapp in das Buch hinein; der Erzähler in "Unkenrufe" verfasst in Reschkes Auftrag einen Bericht, der aber immer mehr zur Erzählung wird; ausdrücklich trägt "Unkenrufe" aber nicht die Gattungsbezeichnung "Roman" sondern "Erzählung"; Frage: Der Begriff der "Landnahme" spielt eine große Rolle; dass Landnahme durch Gräber geschieht, ist ein großer satirischer Einfall… Grass: …der aber am Ende steht, denn mit diesem Einfall hätte man nicht anfangen können; in Polen habe man die Deutsche Einheit mit gemischten Gefühlen gesehen.



Urtitel:
Bücherjournal: Günter Grass zur Medienkritik des neuen Buches "Unkenrufe"
Anfang/Ende:
Ich bin schon…Hände frei haben.
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Präsentation:
Interview
Historischer Kontext:

Die dritte Auflage von "Unkenrufe" erscheint

Schlagworte:

Person:
Reich-Ranicki Marcel; Karasek Hellmuth; Böll Heinrich
Werke:
Unkenrufe; Die Rättin
Sach:
Kritik; Deutsche Einheit; Erzählung; Landnahme
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
21.05.1992
Aufnahmeort:
Hamburg
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:12:00
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
BETAS
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Tonträger:
unbekannt
Datenformat Sichtung:
nicht zutreffend
Datenformat Archiv:
nicht zutreffend
Herkunft:

Sender / Institution:
Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
Sender / Institution:
Deutschlandradio (DLR)
Sendereihe:
Bücherjournal
Archivnummer:
0001057145
Produktionsnummer:
1548670006
Teilnehmende:

Person:
Zilligen, Dieter (Redaktion)
Person:
Kersten, Paul (Interviewpartner)
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Bücherjournal: Günter Grass zur Medienkritik des neuen Buches "Unkenrufe". Hamburg .

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