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DB-Nummer: 1974

Mißglücktes Remake von "Nachdenken über Deutschland"

Stephan Heym ist auch nach 1990 der Deutschen Einheit gegenüber kritisch geblieben; er hatte sich eher die Reform statt der Abschaffung der DDR gewünscht; wurde ihm zu DDR-Zeiten vorgeworfen, ein Widerständler zu sein, bezichtigt man ihn jetzt der DDR-Nostalgie; auch Günter Grass hat sich das vereinigte Deutschland anders vorgestellt; in Brüssel sind Heym und Grass zum "Nachdenken über Deutschland" zusammengekommen; das Goethe-Institut hatte diese beiden bereits 1984 zum selben Thema eingeladen; 1984 hatten Grass und Heym Wege der friedlichen Koexistenz der beiden deutschen Staaten aufgezeigt; das zweite Gespräch sieben Jahre später ist ein schlechtes "Remake" des ersten Gesprächs: Heym und Grass diskutieren kaum miteinander, zeigen sich vielmehr einstimmig und "verheddern" sich in der Innen- und Wirtschaftspolitik; beide beklagen den Untergang der DDR-Wirtschaft, verlieren jedoch kein Wort über Umweltverschmutzung; die Diskussion über Stasi-Unterlagen wird zur Presseschelte, das Thema Rechsradikalismus nutzt Grass für Angriffe auf die CDU; die Diskussion hat den Charakter von "Schattenboxen". Ausschnitt aus dem Gespräch Grass - Heym: Heym: Die Linke in Europa sei gespalten und zerschlagen; durch die Auflösung der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten… Grass [unterbricht]: bestreitet, dass die Linke zerschlagen sei, weil es die Sowjetunion nicht mehr gebe; die Linke sei "aus eigener Ohnmacht kaputt"; Die folgenden Monologe in der Diskussion sind holprig, der belgische Moderator gibt ihnen wenig Anregungen und Struktur; am Ende stehen Warnungen von Grass und Heym: Grass warnt davor, dass die westdeutsche Wirtschaft Pommern und Schlesien aufkaufen werde, Heym davor, dass die Deutschen in ganz Europa die Macht übernehmen könnten; Heym: Der massive deutsche Kapitalismus, der durch den Zweiten Weltkieg "etwas zusammengestutzt" worden sei, sei nun in voller Stärke zurückgekehrt; die D-Mark sei die große, entscheidende Geheimwaffe; mit der D-Mark könne man sehr viel einfacher, preiswerter und unblutiger erobern; man könne nun sagen, dass nichts dagegen sprechen würde, wenn die Deutschen die Oberhand in Europa gewinnen würden; Heym und Grass sehen Deutschland im luftleeren Raum, nur ganz in der Ferne gebe es Osteuropa, von einer westeuropäischen Integratioen sprechen sie nicht; die Dritte Welt wird von Grass und Heym bei der Antwort auf eine Zuhörerfrage gestreift; junge Leute äußern sich besorgt über Zukunftsperspektiven; Grass geht daraufhin "selbstgefällig, rechthaberisch" über die Frage hinweg; Heym hingegen gesteht Ratlosigkeit; Heym: geht davon aus, dass es einen erneuten Wandel geben werde; die Deutschen hätten gelernt, eine Regierung gewaltlos zu stürzen; manchmal wiederhole sich Geschichte; Das zweite Gespräch von Grass und Heym kreist um die Bundesrepublik als "wirtschaftlicher Riese und intellektueller Zwerg".



Urtitel:
Kommentar über das Gespräch, das Stephan Heym und Günter Grass als Gäste des Goethe-Instituts in Brüssel unter dem Titel "Nachdenken über Deutschland" führten
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Dass sie allesamt... Remake-Formel rächte sich.
Genre/Inhalt:
Politik
Präsentation:
Feature
Historischer Kontext:

Diskussion im Brüsseler Haus der Kunst als Veranstaltung des Goethe-Instituts.

Schlagworte:

Sach:
Deutsche Einheit; Wirtschaft; Umweltzerstörung; D-Mark
Geo:
DDR; Europa; Sowjetunion; Osteuropa
Zeit:
1984
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
18.12.1991
Datum Erstsendung:
18.12.1991
Aufnahmeort:
Hamburg. Brüssel, Belgien
Sprachen:
deutsch
Original:

Originallänge:
00:06:12
Analog/Digital:
born digital
Original-Tonträger:
CD
Datenformat:
WAV
Kopie:

Länge der Kopie:
00:07:42
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
ARD
Sendereihe:
Texte und Zeichen: Das Kulturjournal
Archivnummer:
6912998 000
Produktionsnummer:
H6912998
Teilnehmende:

Person:
Bettinger, Sven-Claude (Vorredner(in))
Person:
Grass, Günter (Beitragende(r))
Person:
Heym, Stefan (Beitragende(r))

Zitieren

Zitierform:

Kommentar über das Gespräch, das Stephan Heym und Günter Grass als Gäste des Goethe-Instituts in Brüssel unter dem Titel "Nachdenken über Deutschland" führten. Hamburg. Brüssel, Belgien .

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