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DB-Nummer: 2046

Hans-Joachim Schädlich liest aus "Schott" : Treffen der Gruppe 47 auf Schloß Dobris in Prag (Tl. 4 von 24)

Schädlich, Hans-Joachim

Hans-Joachim Schädlich liest aus dem Prosamanuskript "Schott" mehrere unverbundene Abschnitte, die Überschriften dienen nach eigener Angabe nur der eigenen Orientierung Ab 23:35 min. Diskussion über das Gelesene, dabei Kommentar von Günter Grass: Der Text bereite beim Zuhören Vergnügen aufgrund der "Genauigkeit" und des "verbalen Witzes", die sich aus Grammatik und Satzbau ergebe; im Hinblick darauf, dass es sich um einen Auszug aus einem längeren Werk handele, bestehe aber die Gefahr, dass die kunstvolle Methode in Künstlichkeit abdriften könne; wenn das Muster einmal gefunden sei, könne der Text immer weiter verknappt und verkürzt werden; es gebe sehr überzeugende Passagen, etwa wenn ein Autostau als Ballett stilisiert werde; es dürfe aber nicht einzig und allein die Methode im Vordergrund stehen, denn auch diese habe ihre Grenzen in der Behandlung der Wirklichkeit.



Urtitel:
Tagung der Gruppe 47 auf Schloß Dobris in Prag am 25. und 26. Mai 1990
Anfang/Ende:
(setzt abrupt ein)...lesen. Ja. Ja…Deinen angestammten Platz.
Genre/Inhalt:
Literaturkritik
Präsentation:
Lesung
Historischer Kontext:

Tagung der Gruppe 47 auf Schloß Dobris in Prag am 25. und 26. Mai 1990 Hans Joachim Schädlich (* 8. Oktober 1935 in Reichenbach im Vogtland) ist ein deutscher Schriftsteller. Schädlich ist der Sohn eines Kaufmanns. Sein älterer Bruder ist der Historiker Karlheinz Schädlich, seine jüngere Schwester die Medizinerin Hannelore Dege. Schädlich besuchte die Volksschule in Reichenbach und höhere Schulen in Bad Saarow und Templin. Von 1954 bis 1959 studierte er Germanistik und Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Leipzig. 1960 wurde er in Leipzig mit einer sprachwissenschaftlichen Arbeit promoviert. Von 1959 bis 1976 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR in Ost-Berlin. Schädlich begann Ende der Sechzigerjahre mit dem Verfassen von Texten, deren hohe literarische Qualität zwar von Lektoren durchaus gewürdigt wurde, deren Veröffentlichung jedoch wegen der unverhohlenen Kritik, die Schädlich in seinen Arbeiten an den Zuständen in seinem Land übte, von der DDR-Zensur verhindert wurde. Zu Schädlichs einziger literarischer Öffentlichkeit wurden in diesen Jahren private Zusammenkünfte ost- und westdeutscher Schriftsteller in Ost-Berlin, die von Günter Grass initiiert worden waren, und an denen Schädlich von 1974 an teilnahm. Nachdem Schädlich im Dezember 1976 den Protest von DDR-Autoren gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns mit unterzeichnet hatte, wurde Schädlich seines Postens bei der Ost-Berliner Akademie enthoben; er war zudem zunehmenden Schikanen durch staatliche Stellen ausgesetzt. Seinen Lebensunterhalt konnte er sich nur noch als freiberuflicher Übersetzer verdienen. Beim Ministerium für Staatssicherheit lief ab 1976 ein Operativer Vorgang unter dem Namen „Schädling“ gegen Schädlich. Von Grass vermittelt erschienen im August 1977 Schädlichs regimekritische Texte im westdeutschen Rowohlt Verlag unter dem Titel Versuchte Nähe; der Band wurde von der westdeutschen Literaturkritik begeistert aufgenommen und begründete Schädlichs hohes Ansehen als Autor. In der DDR wurde der Druck auf ihn noch stärker; von Seiten des Schriftstellerverbandes der DDR wurde ihm „staatsfeindliche Hetze“ und eine „Herabwürdigung“ der DDR vorgeworfen. Im Dezember 1977 wurde Schädlichs Ausreiseantrag stattgegeben, und er konnte mit seiner Familie in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln. Dort lebte er zuerst in Hamburg und in Dahlenburg; seit 1979 ist er in West-Berlin ansässig. Die ersten Jahre in der Bundesrepublik waren laut Schädlich geprägt durch „Probleme der Entwurzelung und Orientierung“ und Pausen in der literarischen Produktion. Auch Schädlichs erste im Westen entstandene und 1984 veröffentlichte Prosasammlung Irgend etwas irgendwie hatte seinen Wechsel zwischen den beiden deutschen Staaten zum Thema. 1986 folgte Schädlichs erster Roman Tallhover, die fiktive Biografie eines politischen Polizeibeamten durch alle deutschen Staaten von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Im zweiten Roman Schott wird die Suche nach einem Gegenüber zu einem sprachlichen Spiel mit der Fiktion und den Möglichkeiten. Er erschien 1992, Ruth Klüger nannte ihn ein „Meisterwerk“. Anfang 1992 gehörte Schädlich zu den ersten in der DDR verfolgten Künstlern und DDR-Bürgerrechtlern, die in der neu eingerichteten Gauck-Behörde Einsicht in ihre Stasi-Akten nahmen. Aus den Aufzeichnungen erfuhr Schädlich, dass sein älterer Bruder Karlheinz Schädlich unter dem Decknamen IM „Schäfer“ als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit über ihn und andere Personen, darunter auch über Günter Grass, Informationen gesammelt und Berichte angefertigt hatte. Schädlich arbeitete die Beziehung zu seinem Bruder noch im gleichen Jahr in der Erzählung "Die Sache mit B." auf. Hans Joachim Schädlich ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Aus dem P.E.N.-Zentrum Deutschland trat er 1996 im Zuge der Auseinandersetzungen um die Vereinigung von Ost- und Westsektion gemeinsam mit anderen DDR-Dissidenten aus. Er ist Vater eines Sohnes und zweier Töchter. Eine von ihnen ist die Kuratorin Anna Schädlich, die andere die Schriftstellerin Susanne Schädlich, die im Jahr 2009 ihre Familiengeschichte in der autobiografischen Erinnerung Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich veröffentlichte.

Schlagworte:

Sach:
Gruppe 47; Lesung
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
25.05.1990
Aufnahmeort:
Tschechslowakei, Prag: Schloß Dobris
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Anmerkung Qualität:
Bandstörung bei 31:49 min.
Original:

Originallänge:
00:39:26
Analog/Digital:
reformatted digital
Original-Tonträger:
Band
Datenformat:
nicht zutreffend
Kopie:

Länge der Kopie:
00:39:13
Tonträger:
CD
Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Archivnummer:
Tonträgerverweis: W217632
Produktionsnummer:
H6917458. OSTS: 2010012010313600066
Teilnehmende:

Person:
Schädlich, Hans-Joachim (Vorredner(in))
Person:
Schädlich, Hans-Joachim (Autor(in))
Person:
Lohr, Stephan (Redaktion)
Person:
unbekannt, (Vorredner(in))
Person:
Grass, Günter (Vorredner(in))

Zitieren

Zitierform:

Schädlich, Hans-Joachim: Tagung der Gruppe 47 auf Schloß Dobris in Prag am 25. und 26. Mai 1990. Tschechslowakei, Prag: Schloß Dobris .

Rechte

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