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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 298
10.20379/dbaud-0298

Als ich siebzehn war : Gespräch mit Günter Grass

Grass erzählt von seiner Jugend: von Elternhaus, Lehrern, HJ-Dienst und der Zeit als Soldat, von seiner Opposition gegen die Erwachsenen: "Wir waren prinzipiell gegen alles Erwachsene, ganz gleich, woher es kam. Die Erwachsenenwelt zeigte sich natürlich sehr oft in Parteiuniform, deswegen war ein bestimmter Typ, den wir den Goldfasan nannten, der Parteifunktionär, der nicht Soldat war, der sich um den Frontdienst drückte, aber das Maul zu Hause aufriss, das war eigentlich für uns der Prototyp des Erwachsenen. An dem wir uns gerieben haben, aber niemals im politischen Sinn, sondern nur, weil es sich um Erwachsene handelte. Es war eine Aggression aus dem Alter heraus, die sich eigentlich auch nach der Kapitulation fortsetzte. Da brach dann wieder ein ganz anderes Bild zusammen. Ich habe dann gleich, sowie die Amerikaner, ich war im Lazarett, weil ich noch bei Berlin verwundet wurde, und hab dann erlebt, wie im ersten Gefangenenlager deutsche Offiziere, die vorher ja das Erziehungsbild, überhaupt das Bild des Mannes sehr bestimmt hatten, hemmungslos hinter amerikanischen Zigarettenkippen hinterher sprangen, die Müllkästen nach Essbarem durchwühlten … Es brach also ein zweites Bild des Erwachsenen zusammen. Und das multiplizierte die Aversion, das Mißtrauen gegen die Erwachsenen, die Skepsis. Und das ist mir geblieben, die Skepsis gegen jede Ideologie." Grass erzählt weiter von Kriegsgefangenschaft und Arbeit im Kalibergbau, von der Begegnung mit Sozialdemokraten, von Steinmetz- und Steinbildhauerlehre, von der Kunstakademie; er schildert seine Schreibanfänge und die Gleichzeitigkeit von Schreiben und Zeichnen; äußert sich über seine literarischen Vorbilder und ihre Funktion; erzählt von seinen Kindern und seinen Erziehungsmaximen.


Urtitel:
Als ich siebzehn war - Gespräch mit Günter Grass
Anfang/Ende:
Auf unsere Anfrage…seinen Söhnen tut.
Genre/Inhalt:
Biographie
Schlagworte:

Person:
Jünger, ErnstGND; Schumacher, Kurt; Hemmingway, ErnestGND; Faulkner, WilliamGND; Trakl, GeorgGND; Apollinaire, GuillaumeGND; Wolfe, ThomasGND; Stadler, ErnstGND; Heym, GeorgGND; Ringelnatz, Joachim; Lorca, GarciaGND; Brandt, WillyGND
Werke:
Beim Häuten der Zwiebel
Sach:
Schreibanfänge; Sozialdemokratie; Zeichnen und Schreiben; Vorbilder
Zeit:
Biografie 1942-1952
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
17.05.1968
Datum Erstsendung:
02.07.1968
Aufnahmeort:
Radio Bremen: FS-Studio
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
born digital
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sendereihe:
Als ich siebzehn war
Archivnummer:
JU1338
Produktionsnummer:
10207
Teilnehmende:

Person:
Bach, IrmgardGND (Interviewpartner)
Person:
Grass, GünterGND (Mitwirkende(r))
Anmerkung:
Vom WDR liegt eine Übernahme vor. Durch die Dabatte 2006 um dGüntetr Grass Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekommt dieses Gespräch eine besondere Bedeutung, da sich hier herr Graqss beretis erstmals öffentllich zum Thema äußerte.

Zitieren

Zitierform:

Als ich siebzehn war - Gespräch mit Günter Grass. Radio Bremen: FS-Studio .

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