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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 388
10.20379/dbaud-0388

Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Grass über die ideologischen Auseinandersetzungen innerhalb der SPD vor dem SPD-Bundesparteitag in Hannover : Die ideologischen Auseinandersetzungen innerhalb der SPD vor dem Bundesparteitag in Hannover

Gespräch mit Günter Grass über Auseinandersetzungen innerhalb der SPD Was erwartet Grass von dem SPD-Parteitag in Hannover? Grass: hat nichts gegen politischen Streit, die Form der Auseinandersetzung habe sich jedoch "ideologisiert"; der sozialdemokratische Wähler könne dadurch seine Partei nicht mehr vollständig identifizieren und reagiere verstimmt; nach ihrem Wahlsieg habe die SPD eine besondere Verantwortung den Wählern gegenüber; Ist Grass' Unbehagen gegenüber der SPD gewachsen? Wird das Vertrauen der Wähler missbraucht? Grass: das Vertrauen der Wähler werde missachtet, nicht missbraucht; die SPD sonne sich in ihrem Wahlsieg; War der Austritt der Stamokap-Gruppe (Stamokap = Staatsmonopolistischer Kapitalismus) in Frankfurt für die SPD willkommen? Grass: der Vorstand der Jungsozialisten habe beispielhaft richtig gehandelt, indem er auf theoretischer Grundlage die Position der Stamokap-Gruppen untersucht und festgestellt, dass diese nicht zur SPD passt; in Zukunft habe die DKP das "Vergnügen" mit der Stamokap; Grass wünscht sich ein ähnliches Vorgehen innerhalb der CDU in Bezug auf NPD-Anhänger in deren Reihen; Meint Grass, dass die Jungsozialisten an Boden gewonnen haben? Grass: die JuSos haben an Ansehen und Boden gewonnen durch politische Leistungen; von Natur aus seien die Jungsozialisten aber Revisionisten im Verhältnis zum Godesberger Programm; daher müssten die JuSos prüfen, wie machbar ihre Forderungen sind; das "Reizwortvokabular des 19. Jahrhunderts" dürfe den JuSos nicht das Konzept verderben; Begriffe wie "Proletarier" oder "bürgerlich" müssten geprüft werden; den Bürgern müssten Begriffe wie "Vergesellschaftungen" klar gemacht werden; in der SPD würden Leute benötigt, die sich nicht durch die Links-Rechts-Auseinandersetzung verwirren ließen; Brandts Begriff der "neuen Mitte", in der die SPD stehe, treffe zu; Wird es wieder eine so begeisterte Wählerinitiative wie 1972 geben? Grass: kann sich das nicht vorstellen; Wählerinitiativen müssten in Zukunft kritischer und sachlicher ihrer Partei gegenüber auftreten; das Verhalten der SPD nach ihrem "enormen Wahlsieg" verwundere: die SPD habe noch nicht begriffen, dass sie nun keine Oppositionspartei mehr ist; Brandt habe Recht, wenn er die SPD aus ihr Wahlversprechen als Regierungspartei hinweise.


Urtitel:
Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Grass über die ideologischen Auseinandersetzungen innerhalb der SPD vor dem SPD-Bundesparteitag in Hannover
Anfang/Ende:
Günter Grass, die…keine Sekunde vergessen.
Genre/Inhalt:
Politik
Historischer Kontext:

Parteitag der SPD in Hannover nach dem Sieg der Bundestagswahl 1972

Schlagworte:

Person:
Brandt, WillyGND; Vogel, Hans Jochen
Sach:
Wähler; Wahl; Wahlversprechen; Jungsozialisten; Wahlsieg; Opposition; Godesberger Programm; Stamokap
Geo:
Hannover
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
04.04.1973
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Archivnummer:
DOK1090/2 (1001090)
Produktionsnummer:
015460
Teilnehmende:

Person:
Bub, DieterGND (Interviewpartner)
Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Anmerkung:
Die 22. Tagung im Jahr 1960 fand vom 4.-6.11 1960 im Rathaus Aschaffenburg statt, die 23. Tagung vom 27.-29.10.1961 im Jagdschloß Göhrde bei Lüneburg.SW

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Zitierform:

Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Grass über die ideologischen Auseinandersetzungen innerhalb der SPD vor dem SPD-Bundesparteitag in Hannover.

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