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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 408
10.20379/dbaud-0408

Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Grass zum Jahreswechsel 1981/82 über politische und geistige Perspektiven der Zukunft (Tel.) : Zum Jahreswechsel: Politische und geistige Perspektiven der Zukunft - Gespräch mit Günter Grass

Grass: sieht wenig Hoffnung, da die Anzeichen für eine weltweite katastrophale Entwicklung unübersehbar seien, insbesondere um Nord-Süd-Konflikt; Frage: Resthoffnung dadurch, dass Grass in seinem politischen Engagement eher kämpft als resigniert? Grass: es sei eine Feststellung, dass die USA Polen benutzen würden, um einen endgültigen Bruch mit der Sowjetunion herbeizuführen; im Verhalten Amerikas sieht Grass eine "moralische Hybris", da die USA mit Militärdiktaturen in Mittel- und Südamerika seit Jahren verbündet seien und sich über die Diktatur in Polen entrüsteten; gegen die Zustände in Polen müsse man zwar protestieren, aber ohne die moralische Überheblichkeit, die die USA an den Tag legten; Grass befürchtet auch einen Misserfolg der Abrüstungsgespräche in Genf; der Präsident der USA sei nicht in der Lage, eine Weltmacht zu führen und könnte aus Publicity-Gründen die mühsam geschaffenen Verbindungen wieder zerschneiden; Frage: Grass ist auf besondere Weise mit dem Thema Polen verbunden; Grass: die Entwicklung in Polen, die 1980 in polnischen Hafenstädten begonnen habe, sei mehr als nur ein ökonomisches Aufbäumen, nämlich basisdemokratische Forderungen und ein neues Verständnis von Sozialismus; die Forderungen seien nahezu deckungsgleich mit Forderungen 1920/21 in Russland gewesen; durch die Vorgänge in Polen habe es die Möglichkeit einer inneren Reform des Ostblocks gegeben, durch Verhinderung dessen schneide man sich aber ins eigene Fleisch; die kleine Hoffnung bleibe, dass das Verhängen des Kriegsrechts gegen eine so große Bewegung nichts ausrichten könne; Frage: Grass' persönliche Betroffenheit in Bezug auf Polen aufgrund von Grass' Biographie; Grass: hat den "Übergang von Danzig zu Gdansk" seit den 50er Jahren mitverfolgt und hat den Wiederaufbau der Stadt bei zahlreichen Besuchen miterlebt; die Kraft der Polen, Unzeitgemäßes zu tun, habe er dabei bewundert; in Deutschland habe man dagegen mehr kulturelle Bausubstanz zerstört, als dies durch den Krieg geschehen sei Frage: Stichwort Generationenkoflikt, mit dem auch Grass sich auseinandergesetzt hat; was sagt Grass seinen Kindern in Bezug auf die Zukunft? Grass: es habe noch nie eine junge Generation mit so wenig Zukunftsaussichten gegeben; was die Vätergeneration verursacht habe, sei kaum mehr auszugleichen (Ost-West-Konflikt, Nord-Süd-Koflikt, Vielzahl von Krisenherden); die Nachrichtenflut könne kaum mehr geordnet werden; Frage: Zeit für Schriftsteller? Neues von Grass? Grass: wird immer weiterarbeiten und nicht resignieren, weiß aber nicht, was enstehen wird; die Situation könne einem Schriftsteller aber auch die Sprache verschlagen.


Urtitel:
Mittagsmagazin: Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Grass zum Jahreswechsel 1981/82 über politische und geistige Perspektiven der Zukunft
Anfang/Ende:
Ja, ich geh' eigentlich…die Sprache zu verschlagen.
Genre/Inhalt:
Politik
Schlagworte:

Werke:
örtlich betäubt
Geo:
Danzig; Sowjetunion; USA; Gdansk; Polen; Warschau
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
31.12.1981
Datum Erstsendung:
31.12.1981
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Mono
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 2
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Sendereihe:
Mittagsmagazin
Archivnummer:
5124918
Produktionsnummer:
1002735001011.
Teilnehmende:

Person:
Erdenberger, ManfredGND (Interviewpartner)
Person:
Grass, GünterGND (Mitwirkende(r))

Zitieren

Zitierform:

Mittagsmagazin: Gespräch mit dem Schriftsteller Günter Grass zum Jahreswechsel 1981/82 über politische und geistige Perspektiven der Zukunft.

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