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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 900
10.20379/dbvid-0900

Harald Schmidt albert über Günter Grass : Nach Günter Grass' Besuch in Kalkutta

Schmidt, Harald GND

Die Fusion der jahrhundertealten Gegensätze ist endlich gelungen! Harald Schmidt hat die Kultur und den Karneval, den Nobelpreisträger und den Nubbel zusammengebracht mit den Grass-Sessionshits. Ein Vorgehen, das eingehender Betrachtungen bedarf. Hier stimmen wir völlig mit einem anderen Nobelpreisträger überein, mit Thomas Mann, der in seinem Zauberberg schrieb: "Ohne Furcht vor dem Odium der Peinlichkeit neigen wir vielmehr der Ansicht zu, dass nur das Gründliche wahrhaft unterhaltend sei." 1. Grass wird massentauglich geschunkelt Mit einer Abwandlung kölschen Liedgutes versuchte Harald Schmidt Günter Grass herbeizusingen. "Wir sollten ihn so kölsch locken", sagte er. Ein Erfolg versprechender Lockversuch. Schließlich wurde Grass' Theaterstück "Onkel, Onkel" 1958 in Köln uraufgeführt. Hier besteht allerdings keine Verwandtschaft zur von Schmidt zitierten "Tante Jutta aus Kalkutta", einem Boulevard-Stück, das Schmidt in seinem Überschwang, möglichst viele deutsche Literaturnobelpreisträger in 30 Minuten zu erwähnen, fälschlicherweise Heinrich Böll zuschrieb. Es stammt jedoch von Max Reimann und Otto Schwartz. Mit den Grass-Sessionshits - "Und wenn et Blechtrömmelche jeht, dann stonn mer all parat", "Ich bin ene Matzerath, wat willste mache, ich han ene Nobelpreis und dunn järn laache" - fusionierten die Hochkultur und der Boulevard zu einer eingängigen, massentauglichen Einheit. Dabei greift Schmidt auch Lieder auf, die in ihrem Ansatz bereits ein kritisches Potenzial enthalten und somit über das Schunkeln hinaus weisen. Zum Beispiel das zitierte Lied "Mer losse d'r Dom in Kölle", in der Grass-Version "Wir holen den Grass noh Köllle, denn do jehüürt er hin": Es stammt von der Kölner Mundartgruppe "Bläck Fööss" und ist in seiner Kernaussage gegen die Stadtsanierung der siebziger Jahre gerichtet. 2. "Der ostelbische Kolben im Gesicht" In Anspielung auf ein Foto, das Günter Grass zeigte, sagte Harald Schmidt, dieser habe einen "ostelbischen Kolben im Gesicht". Er meinte damit die Pfeife, die ursprünglich jedoch nicht aus der "ostelbischen" Region stammt. Die ältesten bekannten Rauchgeräte stammen von der Insel der Marajo an der Amazonas-Mündung. Sie werden auf etwa 1500 v. Chr. datiert. Schmidt zielte mit der oben zitierten Umschreibung vielmehr auf die Herkunft des deutsch-kaschubischen Schriftstellers, der in Danzig geboren wurde.


Urtitel:
Harald Schmidt
Anfang/Ende:
(BEIFALL) Günter Grass, unser…doch möglich sein.
Genre/Inhalt:
Kultur
Schlagworte:

Person:
Schmidt, HaraldGND; Andrack, ManuelGND
Werke:
Die Blechtrommel; Die Rättin
Sach:
Dritte Welt; Armut
Geo:
Kalkutta
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
03.02.2005
Aufnahmeort:
Köln
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
VOB
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
AVI
Herkunft:

Sender / Institution:
ARD
Sender / Institution:
xxx
Sendereihe:
Late-Night-Show "Harald Schmidt" Folge 6
Teilnehmende:

Person:
Schmidt, HaraldGND (Autor(in))
Person:
Schmidt, HaraldGND (Mitwirkende(r))
Person:
Andrack, ManuelGND (Mitwirkende(r))
Anmerkung:
Auftragsproduktion der ARD. Rechte erfragen!

Zitieren

Zitierform:

Schmidt, Harald: Harald Schmidt. Köln .

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