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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 983
10.20379/dbaud-0983

Die Plebejer proben den Aufstand

Vorrede: Günter Grass ist auf Lesereise und trägt Auszüge aus "Die Plebejer proben den Aufstand" vor; das Stück behandelt den niedergeschlagenen Aufstand in der DDR am 17.Juni 1953 und war in der DDR bisher verboten; seine daher sowohl literarische als auch politische Lesereise beginnt Grass in Schwerin; Bericht von Katja Pohls: Trotz eines nicht ausverkauften Hauses in Schwerin war das Interesse in der Hansestadt groß; Grass habe vor dem Publikum betont, dass ihm ein ganz besonderes Anliegen sei, hier in Schwerin seine Lesereise zu beginnen und den DDR-Bürgern damit ein Stück DDR-Geschichte zurückgeben zu können. Die Bundesrepublik habe diesen Feiertag allzu lange nur für sich beansprucht. In einem O-Ton hebt Grass die Aktualität des Stücks hervor; diese "wankelmütige und sich absichernde Haltung der Intellektuellen" habe "gewisse Entsprechungen bis in die Gegenwart hinein"; das Stück habe sich daher "gehalten" und finde folglich nun neues Intesse; den engagierten Vortrag von Grass verfolgt das Schweriner Publikum sehr aufmerksam; nach der Lesung stellt Grass sich den Fragen des Publikums, die vor allem auf die bevorstehende Wahl am 18.März und das Thema Wiedervereinigung zielen; Grass' Position, in der er sich für eine ganz allmähliche, behutsame Zusammenführung der deutschen Staaten ausspricht, stößt überraschenderweise auf große Zustimmung; dies erklärt sich jedoch vor allem durch die Zusammensetzung des Publikums, das vorwiegend aus Intellektuellen besteht; (2 Statements von Zuschauern: Grass vertritt eine richtige, aber nicht mehrheitsfähige Meinung); O-Ton Grass zu dessen Erfolg: seine Vorstellung von einer "Konföderation als Vorstufe für Weiteres" sei nicht "marktschreierisch"; das Publikum habe diese Haltung aufgenommen und sich kritisch und nachdenklich gezeigt; der vorschnelle Ruf nach "Einheit" anstelle eines Einheisprozesses bringe "weder die Einheit noch die Einigung"; auch als literarische Autorität wird Grass gefragt, vor allem nach der Zukunft der DDR-Schriftsteller; Grass selber sieht sich dabei als "Mahner"; O-Ton Grass: Grass sieht sich auf seiner Lesereise in die DDR "in einer Tradition"; man habe schon Anfang der 60er Jahre eine "Arroganz" von Rudolf Augstein, eines "politischen Alles- und Besserwissers" gegenüber dem Intellektuellen Karl Jaspers feststellen können; es gäbe aber zumindest ein kleines Publikum, das es für lohnenwert erachten würde, solchen Überlegungen zuzuhören; die Grass-Leserschaft in der DDR wird sich wohl noch weiter erhöhen; auf der Frankfurter Buchmesse erscheint das Gespräch Grass-Augstein und Ende des Jahres "Die Plebejer proben den Aufstand" im Aufbau-Verlag.


Urtitel:
Günter Grass liest aus seinem bisher in der DDR verbotenen Drama über den 17. Juni 1953
Anfang/Ende:
(Anmoderation) Noch einmal Literatur…Aufbau Verlag erscheinen. (Abmoderation)
Genre/Inhalt:
Politik
Schlagworte:

Person:
Augstein, RudolfGND; Jaspers, KarlGND
Werke:
Die Plebejer proben den Aufstand
Sach:
Intellektuelle; Aufstand; Einigung; Konföderation; Wiedervereinigung; Publikum; Einheit; Buchmesse; Lesereise
Geo:
Schwerin; BRD; Frankfurt; DDR
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
12.03.1990
Aufnahmeort:
Schwerin
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sendereihe:
Radio Bremen aktuell
Archivnummer:
303551
Teilnehmende:

Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Person:
Pohls, Katja (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Günter Grass liest aus seinem bisher in der DDR verbotenen Drama über den 17. Juni 1953. Schwerin .

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