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Medienarchiv

„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1151
10.20379/dbaud-1151

Ende der Lyrik

Schmitt, Hans-Jürgen GND

Abnehmende Bedeutung der Poesie (Lyrik); trotzdem Produktion von Gedichten; Band von Horst Bieneck "Vorgefundene Gedichte" (1969); neue Alltagspoesie; Kunst kann in jedem Moment des täglichen Lebens gefunden und geschaffen werden; Grass, Born und Brinkmann als Beispiele; Lage zum "Ende der Lyrik": 90 Lyrikbände im "Tintenfass" verzeichnet, darunter renommierte Autoren; Schreibstagnation in der Lyrik; Widerstände beim Schreiben fehlen, kritische Reaktion von Außen auf die Gedichte fehlt; A.W. Schlegel: Gedichte als "bloßer Luxus des Geistes" - taucht heute wieder auf; kann Lyrik noch interessant sein?; Funktionslosigkeit fordert das schlechte Gewissen des Poeten heraus; nur ästhetische Wirkung der Lyrik; DDR: Lyrik gerät zu einer gefährlichen Metapher, sie kann dort viel und mehr aussprechen als in Westdeutschland; Dichterlesungen bis 1965 (Enzensberger), Lehrstühle vor Poetik (Bachmann u.a.), Gruppe 47 fordert politische Literatur; Forderung nach politischer Literatur unwirksam bei der Lyrik; Politisierung der Studentenbewegung - florierende Taschenbuchliteratur; Dichter geraten wieder in die Wirkungslosigkeit; Hausbuch deutscher Lyrik, 1970 erschienen: Goethe an erster Stelle, kaum Modernes; Vorstellungen von Lyrik sind immer noch mit klassischen Gedichten Goethes und einiger Romantik-Gedichte identisch; Zitat "Lyrisches" von Goethe; Lyrische "Seelensprache" bleibt verständlich; Zitat "Septembermorgen" und "An die Nachgeborenen" (Mörike); Adorno "Lyrik und Gesellschaft" - dialektischer Rettungsversuch der Lyrik; Allgemeinverständis von Lyrik ist immer noch gebunden an die Poesie des 19.Jahrhunderts; traditionelle Gedichte: Trostfunktion, erinnerbar; Enzensberger zur Lyrik; wer schreibt noch Lyrik? - von Grass ist nichts neues zu erwarten; immer noch Landschafts- und Kunstgegenstandslyriker, die zu niemandem sprechen; Celan konnte noch an die Allgemeinheit sprechen; Zitat eines späten Celan-Gedichts; späte Gedichte nur noch eine "linguistische Gebärde", Verweigerung an der Gesellschaft; Gedicht vs. Traktat; Enzensbergers "Empörungslyrik" suggeriert seine Meinung als allgemeine Meinung; Zitat eines Enzensberger-Gedichts; Enzensberger: "Schaffen wir auch hier, französische Zustände"; Grass' Gedichtband "Ausgefragt": Vergeblichkeit der Versuche, als Lyriker mit der Sprache eingreifen zu können wird immer wieder zum Thema, aus der "Empörungslyrik" scheint "Ohnmachtslyrik" zu werden; Zitat Grass-Gedicht "Irgendwas machen"; bei Grass fällt alles Lyrische weg; Zitat Grass-Gedicht "Ohnmacht"; Spruchlyrik nur verzweifelter Angriff eines einzelnen; Sprache müsste allgemeiner Gegenstand gesellschaftlichen Denkens sein, um wirksam zu sein - dann aber wäre Lyrik überflüssig; Erich Frieds Lyrik reagiert nur auf Vorhandenes und bildet kein neues Bewusstsein; weiteres zur Lyrik Erich Frieds; dritter Weg: konkrete Poesie, Technokratie der Sprache, bleibt auch unter sich und nur auf sich bezogen; Ernst Jandl als einziger zitierbarer gegenwärtiger Lyriker; Verfügbarkeit von Jandls Poesie durch Medien und Rundfunk; bei Jandl gilt: das Medium ist die Botschaft; Renate Rasp: "Verballyrik"; Rolf-Dieter Brinkmank: "Schauspielerin" - Nähe zu Prosaformen; weitere Beispiele von anderen Autoren; lyrische Texte werden selten anders als zwischen zwei Buchdeckeln zugänglich gemacht; neue Medien übernehmen Unterhaltungsfunktion von Poesie; Sprachkunst geht in der Informationsflut der Massenmedien unter; poetische Mitteilung ist langwierig; Lyrik ist in Deutschland eine anachronistische Kunstform.


Urtitel:
Ende der Lyrik
Anfang/Ende:
Dass es um…hinzugeben bereit war.
Genre/Inhalt:
Lyrik
Schlagworte:

Person:
Bienek, HorstGND; Celan, PaulGND; Enzensberger, Hans MagnusGND; Fried, ErichGND; Jandl, ErnstGND; Goethe, Johann Wolfgang; Brecht, BertoltGND; Mörike, EduardGND; Mohn, Franz
Sach:
Literaturkritik; Gedicht; Lyrik; Dichter
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
02.08.1971
Datum Erstsendung:
07.08.1971
Aufnahmeort:
Frankfurt am Main ?
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
born digital
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Herkunft:

Sender / Institution:
Hessischer Rundfunk (HR)
Sendereihe:
Das Funk-Feuilleton
Archivnummer:
B001518808/321676
Produktionsnummer:
2130-3291
Teilnehmende:

Person:
Richter, ArnoldGND (Sprecher(in))
Person:
Schmitt, Hans-JürgenGND (Autor(in))
Person:
Diess, Karl-WalterGND (Sprecher(in))
Person:
Corino, KarlGND (Redaktion)
Person:
Heise, GertraudGND (Sprecher(in))
Person:
Richter, ArnoldGND (Sprecher(in))

Zitieren

Zitierform:

Schmitt, Hans-Jürgen: Ende der Lyrik. Frankfurt am Main ? .

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