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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1225
10.20379/dbvid-1225

Der weiße Fleck - Streit im Frieden : Europäisches Schriftstellertreffen in Prag

Hermann Kant: Schwierigkeit, eine Friedensbewegung unter Schriftstellern zu initiieren; Dringlichkeit des Anliegens; Differenzen zu Grass, aber Einigkeit darüber, dass eine Friedensbewegung wichtig ist. Grass: Gefahr, dass strittige Themen ausgeklammert werden müssen, was an der Verhalten der Politiker erinnere; dieser Wiederspruch sei zusätzlich mitzutragen; Notwendigkeit bei den Schriftstellern, sich verfolgten Kollegen solidarisch zu zeigen; Grass selbst ist von einem türkischen Schriftsteller um Solidarität gebeten worden für verfolgte Schriftsteller innerhalb der türkischen Friedenbewegung; Grass bedauert, dass der Konsens nicht ausreiche; zur Friedensbewegung gehöre auch Solidarität mit den in Polen verfolgten Schriftstellern; Kant: differenziert zwischen dem türkischen Kollegen und den polnischen Schriftstellern; in Polen sei, im Gegensatz zur Türkei, niemand von der Todesstrafe bedroht; die Fälle seien nicht gleichzusetzen, man müsse sich an Größenordnungen halten; zum Verhalten der Politiker: die Schriftsteller haben sich aufgrund einer politischen Thematik versammelt, somit könne ein derartiges Verhalten nicht verhindert werden; Grass: meint mit Verhalten der Politiker das Ausklammern "unbequemer" Sachverhalte; Fortsetzung des Austauschs über die unbequemen DInge wie die verfolgten Schriftsteller (Beispiel Watzlaw Havel); Kant: man habe sich auf Vorsicht in Bezug auf die Listen verfolgter Schriftsteller geeinigt; Kant habe selbst eine Liste "im Kopf und im Herzen" und kenne Leute, die auf Hilfte warteten; der "große, infernalische Vorgang" dürfe jedoch nicht vergessen werden; Grass: man sei immer wieder zum Thema zurückgekehrt; immer sei die Friedensfrage mitgemeint gewesen; Frage: Unterschied zwischen "utopischen Träumereien" (Günter Gaus) und Notwendigkeit zur Realpolitik; was ist für Kant die Aufgabe des Kongresses (Traum oder konkrete Handlungen)? Kant: Das Träumen lasse sich nicht verbieten; es sei wichtig, dass man sich an die Realitäten halte; Grass: man müsse achtgeben, dass in die Friedensbewegung nicht eine "überschwängliche Schwärmerei" einkehre; notwendig sei der Hinweis auf schon nachweisbare Erfolge (Einflüsse der Friedensbewegung auf amerikanische und deutsche Politik); Grass erhofft sich Ähnliches von der wachsenden Friedensbewegung in der DDR; Frage: Kann die Friedensbewegung zu nationalen Bewegungen führen? Kant: Sieht keine Wichtigkeit darin; wichtig sei vielmehr, dass jeder seinen Beitrag zu einer allgemeinen Aufgabe leiste unabhängig vom Ort; die Friedensbewegung in der DDR sei so alt wie die DDR selbst; "neue Elemente", die Grass sehe und die auch Kant nicht übersehe, dürften nicht dazu verführen, den Beginn der Friedenbewegung zeitlich zu verschieben; Kant habe versucht zu verdeutlichen, dass er sich als Teil der langwährenden Friedensbewegung in der DDR begreift; Grass: es könne nicht ausbleiben, dass die junge Bewegung eine Antwort auf Dinge suche, die ihnen bislang vorenthalten geblieben seien; bislang Auseinandersetzung mit Nationalem und Pluralistischem in Europa, das noch nicht zustanden gekommen sei; nun suche die junge Generation auf eigene Art und Weise nach Antworten; Patriotismus spiele mit eine Rolle aber im positiveren Sinne; keine Beeinflussung von Rechts, sondern eher Verortung im linken Bereich; trotz der Differenzen der beiden deutschen Staaten suche man nach Antworten; Frage: Bemerken Kant und Grass Misstrauen bei den Partnerländern der deutschen Staaten? Kant: Misstrauen können angesichts deutscher Vergangenheit nicht ausbleiben (Stichwort Anne Frank); Erinnerungen der Niederlande an Deutschland; Frage: Misstrauen der Polen oder Tschechen gegen die DDR? Kant: Es gebe hoffentlich niemanden, der den deutschen Faschismus vergessen habe; Grass: bereichtige Vorurteile in allen europäischen Staaten; Grass selbst hat dies in Belgien und in den Niederlanden und in Polen erlebt; dies solle die beiden deutschen Staaten nicht daran hindern eine Regelung zu finden, die nicht bedrohlich erscheine für die Nachbarstaaten; keine "Machtzusammenballung im Sinne einer Wiedervereinigung", aber ein Konsens zwischen den beiden deutschen Staaten, die auf Basis der Kultur eine Nation geblieben seien. <bricht ab>


Urtitel:
Der weiße Fleck - Streit im Frieden
Anfang/Ende:
(Setzt abrupt ein) da es ungeheuer…eine Nation geblieben sind (bricht ab)
Genre/Inhalt:
Politik
Schlagworte:

Sach:
Friedensbewegung
Geo:
Polen; Tschechoslowakei; Türkei
Aufnahme:

Datum Erstsendung:
26.05.1982
Aufnahmeort:
Prag
Sprachen:
deutsch
Betriebsarten:
Stereo
Original:

Analog/Digital:
reformatted digital
Datenformat:
VOB
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
AVI
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (Fernsehen)
Sendereihe:
<Haager Friedensgespräche>
Archivnummer:
0118945
Produktionsnummer:
553995
Teilnehmende:

Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Person:
Kant, HermannGND (Sprecher(in))
Person:
Schulze, MartinGND (Interviewpartner)

Zitieren

Zitierform:

Der weiße Fleck - Streit im Frieden. Prag .

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