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„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1342
10.20379/dbaud-1342

Funkhausgespräche: Erfahrungen ihrer Zeit : Livediskussion aus dem Kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses: Eine Sendung anläßlich des 30-jährigen Bestehens des Verbandes deutscher Schriftsteller

Begrüßung und einleitende Worte von Hubert Winkels Diskussionsteilnehmer: Felicitas Hoppe, Erich Loest, Jens Sparschuh, Günter Grass Einleitend Fragen und kurze Statements der Schriftsteller zu ihrem Verhältnis zum VS Frage: Bölls Eröffnungsrede "Ende der Bescheidenheit" - wen und was hat Böll damit angesprochen? Grass: Die Schriftsteller seien sprachlos gewesen gegenüber Verlegern, Börsenverein und Buchhandel; sie seien auch unerfahren bei Vertragsangelegenheiten gewesen; das politische Klime (sozialliberale Koalition) sei aber günstig gewesen; mit Willy Brandt, Karl Schiller, Gustav Heinemann und Johannes Rau habe man ein passendes Gegenüber gehabt; aktuell könne man sich fragen, ob die Gewerkschaften (IG Druck und Papier, Ver.di) bereit sein würden, für die Schriftsteller zu streiten; die Anwesenheit Willy Brandts habe damals die Wichtigkeit der Gründung des Schrifstellerverbandes unterstrichen; eine Zeit lang habe die "Einigkeit der Einzelgänger" gegolten. Frage: Studentenproteste, APO etc. als Teil des Aufbruchsklimas, das zur Gründung des VS geführt hat? Grass: Die Gesellschaft sei "mobil" gewesen, Vietnam und das amerikanische Vorbild Berkeley seien Antriebe gewesen; bis dahin hätten sie die Studenten kaum politisch beteiligt; die KP habe innerhalb des VS zunehmend eine eigene Fraktion gebildet; dies habe Unmut, Streit und Auseinandersetzungen in den VS gebracht; diese Auseinandersetzungen seien aber überwunden; Tiefpunkt sei eine VS-Tagung 1984 in Saarbrücken gewesen; Anlass: Gründung eines neuen polnischen Schriftstellerverbandes. Frage: Grass ist auch Mitglied der Gruppe 47 gewesen; gibt es eine Verbindung zwischen dem Ende der Gruppe 47 1968 und der Gründung des VS 1969? Grass: Grundsätzlicher Unterschied zwischen Gruppe 47 und anderen literarischen Verbänden: Gruppe 47 ohne festgeschriebene Mitgliedschaft, ohne Statuten, ohne Vorstand etc.; dies sein innerhalb der deutschen "Vereinsmeierei" einzigartig gewesen; die Gruppe 47 habe vor allem aufgrund der despotischen Regeln Hans Werner Richters so lange Bestand gehabt; in der Gruppe 47 habe die Diskussion über das Manuskript im Vordergrund gestanden, politische Diskussionen durften nur nach den Lesungen stattfinden; der Springer-Boykott, der bei der letzten Tagung beschlossen wurde, habe noch immer Bestand. Frage: Hat es im VS von Anfang an politische Diskussionen gegeben? Allgemeinpolitische und/oder sozialpolitische Fragen der Autoren? Grass:Beides; Allegemeinspolitisches habe sich nicht ausschließen lassen (Misstrauensvotum gegen Brandt; Wahlreisen); ideologisch verhärtete Auseinandersetzungen mit dem linken Flügel. Frage: Böll hat in seiner Rede eine "Übersicht über die gesellschaftliche Relevanz unserer Sozialprodukte" gefordert; was bedeutet dies heute? Hoppe: Eine ähnliche Debatte werde heute noch geführt; Bücher würden zunehemend als Produkte und Waren gesehen; dies bedeute auch ein "Ende der Bescheidenheit". Grass: Solidarität oder Einzelkampf? Hoppe: Das Einzelkämpferische habe sich sehr etabliert, der Druck der Verlage sei groß; daneben aber Beschäftigung damit, wie Literatur beschaffen ist und was sie auszeichnet als Produkte; den Warencharakter von Literatur / Kultur könne man nicht volkswirtschaftlich beweisen. Frage: Böll hat die Literatur aus dem rein Geistigen herausheben wollen, heute muss man eine entgegengesetzte Bewegung machen, wenn man Literatur nicht nur als Ware sehen will; Hoppe: dies müsse ausdifferenziert werden; immer noch gelte: Autoren von E-Literatur würden über Geld sprechen, Autoren von U-Literatur hätten das Geld. Sparschuh: In der DDR sei ein Buch in erster Linie ein Aufklärungsgegenstand (in mehrfacher Bedeutung) gewesen; Herrmann Kant habe das Buch ein Lebensmittel genannt; Verbandsgeschichten sehe er (Sparschuh) skeptisch; die Stellung der Literatur sei in der DDR eine gänzlich andere gewesen, über Marktgesetze habe man sich keine Gedanken machen müssen; ein Schriftsteller, der nichts verdient, sei Normalzustand gewesen. Frage: Neben dem VS gibt es unzählige Schriftstellertreffen; kann ein Netzwerk den Verband durch informelle Strukturen ersetzen? Hoppe: Das Netzwerk sei beachtlich; Schriftsteller seien aber auch Konkurrenten, was Verbänden und Gruppen entgegen stehe; es gebe in den Netzwerken auch rein literarischen Austausch; Grass: in Bezug auf die Widerstände gegen Verlage/Verleger habe sich nicht viel geändert; ein Verlag bestehe aus Autoren bzw. Autorenrechten; dies würden Verleger oft vergessen; wenn man seine Ansprüche als Einzelner nicht durchsetzen könne, müsse man sich mit andere zusammentun; dies sei nützlich und notwendig; der VS könne aber nicht das ersetzen, was die Gruppe 47 geleistet habe; die Autoren hätten dort meist aus handwerklicher Sicht gesprochen, die Kritiker hätten nur zuhören müssen; dies könne der VS nicht leisten; es gebe nun neue "Kampflinien" mit den neuen Medien (Internet), man verfalle in Raubdruck-Praktiken, gegen die sich der einzelne Autor nicht zur Wehr setzen könne; Loest: erinnert an die Gründung des Verbandes und die ursprünglichen Aufgaben; unter Lattmann (damals SPD-Abgeordneter im Bundestag) seien fundamentale Dinge in Angriff genommen worden, die heute selbstverständlich seien; dazu gehörten die Künstler-Sozialkasse, die VG Wort und der Rechtsschutz; 1984 habe Lattmann mit Recht in Saarbrücken von der "polnischen Teilung des Verbandes" gesprochen; Grund: Putsch in Polen, Diskussionen unter den Schriftstellern, was Solidarnosc sei: demokratischer Aufstand oder katholische Konterrevolution; weiterer zeitgeschichtlicher Hintergrund: CDU-Regierung unter Helmut Kohl; Grass: zu den Leistungen des VS gehöre auch, dass die Bedingungen für Übersetzer verbessert worden seien; er selbst habe Mitte der 70er Jahre eine Gegenleistung für die Vergabe der Zweitrechte gefordert: die Übersetzertreffen; diese Treffen werden durch den Verlag (heute Steidl, früher Luchterhand) finanziert; Grass hatte sich eine Signalwirkung davon erhofft; für Autoren sei dies eine sehr wichtige Erfahrung, da Übersetzer die genauesten Leser seien und unbequeme Fragen an den Autor stellen würden. Frage: Der Schriftstellerverband der DDR wurde 1952 gegründet; Loest ist zu dieser Zeit ein bekannter Schriftsteller und Vorsitzender des Leipziger Bezirksverbandes; was waren Funktion und Selbstverständnis einer Schriftstellergewerkschaft in der DDR? Loest: Die Gewerkschaft habe sich eingesetzt, dass die Autoren eine Schreibmaschine und Papier bekamen; im Laufe der Zeit sei die Rentenvorsorge hinzugekommen; vor allem aber sei die Gewerkschaft ein politisches Instrument gewesen; dies habe mehr mit Unterdrückug als mit Aufklärung zu tun gehabt; der Verband sei dazu da gewesen, um die Literatur auf den Sozialismus einzuschwören und seine Mitglieder zu überwachen; der Verband habe sich nie vor verfolgte Schriftsteller gestellt, sondern habe immer an der Spitze der Verfolger gestanden; Grass: bestätigt dies; er habe Hermann Kant bei einem Treffen gefragt, wann der Verband sich endlich bei Erich Loest entschuldigen wolle; der Verband habe dazu keine Bereitschaft gezeigt; dies sei vergleichbar mit der Springer-Presse, die nicht fähig sei, sich bei der Familie Böll zu entschuldigen; es habe lediglich Einzelinitativen (z.B. durch Stefan Hermlin) gegeben Sparschuh: stimmt Loest zu; bei einigen Autoren (Volker Braun, Günter de Bruyn) habe die "Zurichtung" allerdings nicht funktioniert. Frage: Loest ist 1956 als Konterrevolutionär verhaftet worden; welche Rolle haben Loests Kollegen im VS gespielt? Loest: der Parteifunktionär habe behauptet, dass Loest seinen Keller zu einem Waffenarsenal umfunktioniert habe; die Partei habe also die Kollegen belogen; die Kollegen hätten nichts machen können. Frage: Loest ist in der DDR geblieben, hat weiter geschrieben und musste wieder neu in den Schriftstellerverband eintreten; warum hat Loest diesen Weg gewählt? Loest: Dies sei ein Kompromiss gewesen, ohne den man nicht hätte existieren können; er habe eine Schreibmaschine, Lesungen und Verlagsverbindungen gebraucht; daraufhin habe er unterschrieben, dass er die Rolle der SED anerkenne; er habe nach und nach immer das geschrieben, was er wollte; in der ersten Zeit nach der Inhaftierung habe er Kriminalromane geschrieben, die ein England spielten, dazu hätten ihm Freunde geraten; dies sei eine gute Idee gewesen, die allerdings von der Stasi gekommen sei; danach habe er wieder über die DDR geschrieben, dies habe wieder zu Konflikten geführt; 1979 ist dann Stefan Heym verurteilt wurden, nachdem er seinen Roman Collin auch im Westen veröffentlich hatte. Frage: Zweite große Zäsur nach 1972 (Biermann); Loest: hat mit einigen anderen dagegen protestiert und einen Brief an Erich Honecker geschrieben (zusammen mit Becker, Schade); danach "war der Teufel los", die betreffenden Schriftsteller seien aus dem Verband ausgeschlossen worden; Loest sei dazu aufgefordert worden, zu erklären, die Gesetze der DDR nicht mehr zu brechen; Loest habe dies nicht versprechen wollen und sei dann aus dem Verband freiwillig ausgetreten; 1981 habe er nach vielen Anträgen die DDR verlassen können Frage: Sparschuh hat in den 1970er Jahren eine andere Seite des Verbandes erlebt; Sparschuh: korrigiert: erst in den 1980er Jahren; der Verband habe damals aber nicht mehr den Mut gehabt, den Mitgliedern den Sozialismus nahezubringen; der Verband habe nur aus älteren Herren bestanden, die immer nur "abgewunken" hätten; Loest: Herrmann Kant sei kein "Opa" gewesen; Sparschuh: stimmt zu; Hoppe: fragt sich, wie man nach solchen Erfahrungen wieder in den Verband eintreten konnte; das "Ende der Ideologien" werde von den Älteren nicht als solches wahrgenommen; Grass: widerspricht: es gebe eine Tendenz, die offiziell durch die Feuilletons gefördert würde, dass die Egozentrik von Autoren hochstilisiert würde; in der Gruppe 47 wäre ein solches Auftreten lachhaft gewesen; dabei gerate die Solidarität mit Autoren wie Heinrich Böll in Vergessenheit; Hoppe: sucht eine Erklärung für eine Stimmung, mit der sie nicht einverstanden ist; immer wieder werde geklagt, wo die jungen Autoren seien; es sei nicht leicht zu eklären, warum die jungen Autoren nicht da seien; dazu müsse man verstehen, wie Autoren organisiert sind und sich von bestimmten Dingen einfach abgewendet hätten; Stichwort Gruppe 47: Mit deren Despotismus habe man heute noch zu kämpfen; als jüngerer Autor habe man das Gefühl, nicht aus der Schule herauszukommen; es seien immer Erwartungen geschürt worden, die nicht hätten erfüllt werden können; damit habe die junge Generation zu kämpfen; mit Genie-Kult habe dies nichts zu tun, er komme in erster Linie auf das Geld an. Sparschuh: Diese Erwartungshaltung habe es in der DDR auch permanent gegeben; die "tollen" Autoren hätten versucht, das Individuum vor dem "Zugriff der Gesellschaft zu retten"; dies sei aber kein einfacher Konflikt gewesen, in dem beide Seiten Recht gehabt hätten. Track 2: Frage: Das Ablehnen von Individualität als Konzept ist aus Frankreich importiert worden und hat in Berlin am Prenzlauer Berg Früchte getragen; dort hat man nicht - wie Christa Wolf - Individualität gegen Staat setzen wollen; diese Anarachie der Literatur hat damals als Hoffnung gegolten; wäre dies nicht für Sparschuh eine Option gewesen? Sparschuh:Ist einmal bei einem Untergrundtreffen gewesen und hat dieses als sehr unheimlich empfunden; Lesungen in Bücherreien seien ihm lieber gewesen; der Westen habe den Prenzlauer Berg zur inoffiziellen Literatur erklärt, dies habe Sparschuh aber nie interessiert; Goethe habe im Gespräch mit Eckermann gesagt, wer sich nicht gewaltsam isolieren könne, sei verloren; sich von Strömungen und Tendenzen zu isolieren, habe ihm (Sparschuh) und einigen seiner Kollegen immer weitergeholfen. Frage: Loest mag keine Isolation, sonder braucht Geselligkeit; 1984 hat er sich in den Vorstand des VS wählen lassen und dies später als "furchtbare Jahre" empfunden; warum hat er sich überhaupt einem anderen Schriftstellerverband zugewandt? Loest: Eine Gewerkschaft müsse es geben; Loest hat sich mehr vom VS erhofft; es habe den Vorschlag gegeben, dass Loest für den Vorstand kandidieren solle und sich für die Schriftsteller, die aus der DDR in den Westen gekommen waren, einsetzen solle; dem habe er zugestimmt; mit Böll und Lenz habe man schöne Ideen entwickelt, in anderen Zimmern hätten jedoch andere Autoren auch Vorstellungen entwickelt; die beiden Fraktionen hätten sich gegenseitig "Betonfraktion" genannt; die zwei Jahre im Vorstand seien für ihn eine "ziemlich schreckliche Zeit" gewesen, er sei unwissend gewesen und man habe ihn belächelt; er sei trotzdem im Verband geblieben, eine bessere Zeit sei dann nach 1989 gekommen. Frage: Grass ist in den 80er Jahren aus dem VS ausgetreten (Hintergrund: Konflik mit der IG Medien); ein weiterer Grund ist wohl die angsprochene politische Gruppenbildung gewesen. Grass: Man habe den Austausch mit den Schriftstellern in der DDR gesucht, auch vor dem Hintergrund der Ostverträge; die DDR-Autoren, die in den Westen gegangen waren, hätten Wert darauf gelegt, auch in ihrem Land (DDR) zu lesen; dies habe zu Widerständen geführt; ausgetreten sei er (Grass), weil er im Verband "wenig Kollegialität erfahren" habe, die Atmosphäre sei oft sogar feindseelig gewesen; Hauptgrund für seinen Austritt sei aber die Befürchtung gewesen, dass der Verband in der Gewerkschaft untergehen würde. Frage: Grass hat zunächst dafür plädiert, dass der Verband in die IG Druck & Papier (später IG Medien) eingeht, dann ist dies zum Austrittsgrund geworden; welche neue Qualität hatte die Erweiterung zur IG Medien erreicht? Grass: Nach den Verhandlungen habe der VS nur noch wie ein Anhängsel der Gewerkschaft gewirkt; es habe unlösbare Konflikte gegeben, z.B. Einsparungen bei Rundfunkanstalten; diese Konflikte würden sich noch verschärfen, wenn es zur Gewerkschaft ver.di komme; der VS müsse achtgeben, dass er seine Interessen wahre. Sparschuh: Es sei ein Problem, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einer Gewerkschaft gegenüber sitzen würden; dass Schrifsteller als Dienstleister gelten sollen, entspricht nicht Sparschuhs Bild von einem Autor. Hoppe: Andere Autoren würden dies mit einem "zynischen Achselzucken" hinnehmen; es handle sich aber um ein allgemeines Zeitproblem; Hoppe fragt sich, wie die Kollegialität verloren gehen kann. Grass: Der Grund sei damals ein ideologischer Druck gewesen, heute seien es Egozentrik und Egoismus; neben "Göttern" und Dienstleistern gebe es aber auch noch die Rolle des subversiven Schreibens; an dieser Art von subversiver Literatur mangele es zur Zeit; dies müsse aber von den Autoren selbst in Angriff genommen werden, der VS könne hier nichts leisten Hoppe: fragt, ob subversives Schreiben nicht auch randständig sei und ob Verbandspolitik dies nicht ausschließe; durch subversives Schreiben rücke man außerdem auch immer in die Nähe der Macht, die man kritisiere. Grass: Dies sei das Risiko des Schriftstellers; wer dies nicht eingehen wolle, solle Beamter werden. Sparschuh: Johannes Rau hat das Schreiben als Art von stiller Anarchie beschrieben, was zutreffe; die Computer-Welt und -Sprache bestehe nur aus Imperativen; ein voller Satz verkörpere darum bereits eine Art von subversivem Zeitgeist Grass: "Eine Mini-Subversion". Frage: In den letzten Jahren hat es sehr wichtige Debatten gegeben, die von Schriftstellern initiiert worden sind (Handke und Serbien, Paulskirchenrede von Walser); die Wirksamkeit von Schriftstellern in die Nation und die Gesellschaft hinein ist also groß. Grass: Wenn man die Gelegenheit bekomme, in der Paulskirche zu sprechen, was bei ihm (Grass) so gut wie nie vorkomme, sei einem ein Stück Öffentlichkeit sicher; bei seiner (Grass') Laudatio auf Yasar Kemal habe er zu vier Fünftel über die Literatur von Kemal gesprochen; außerdem habe er seine Meinung zum Kurdenkoflikt und zur Asylpolitik geäußert, was er zuvor in Interviews schon getan habe ohne eine Reaktion zu bekommen; erst in der Paulskirche (als "Lautverstärker") habe man ihn gehört; die Reaktionen seinen undifferenziert gewesen; dass bei Walser sogleich er Faschismus-Verdacht und die "Auschwitz-Keule" aufgekommen sei, findest Grass "unmöglich"; etwas Ähnliches sei Peter Sloterdijk widerfahren; die Reaktionen auf solche Einwände seien zu sensationslüstern, man wolle "aus jedem Furz ein Event machen"; die notwendigen Debatten würden dabei auf der Strecke bleiben; Grund dafür seien aber auch die Feuilletons und die Redaktionen, auf die man als Schriftsteller angewiesen sei; Subversive Inhalte entstünden dann, wenn der Autor einen "sperrigen Stoff" wähle; artistisches Können sei lediglich die Voraussetzung dafür; in der artistischen Übung, wie Grass selbst sie auch betrieben habe, könne aber nichts Subversives entstehen, sondern nur anspruchsvolle Unterhaltung; in den ästhetischen Anspruch komme dann aber Harmlosigkeit und Beliebigkeit hinein; dies sei nicht ausreichend für das, was Literatur leisten könne Hoppe: Es gebe nicht nur subversive Texte auf der einen und die Spaßkultur auf der anderen Seite; viele Bereiche (z.B. die Lyrik) seien damit nicht zu fassen.


Urtitel:
Funkhausgespräche: Sopeilart Funkhausgespräche - Erfahrungen ihrer Zeit
Anfang/Ende:
Track 1: (Anmoderation) Ja, schönen guten…hat, neu anzufangen; Track 2: (setzt abrupt ein) gab's tatsächlich in…Aufmerksamkeit. Gute Nacht. (BEIFALL) Track 2: Nun gab es...Aufmerksamkeit, gute Nacht. (BEIFALL)
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

Jubiläumskongress des Verbandes Deutscher Schriftsteller Literaturnobelpreis für Günter Grass

Schlagworte:

Person:
Böll, HeinrichGND; Kant, HermannGND; Kunze, RainerGND; Wolf, ChristaGND; Brandt, WillyGND; Schiller, KarlGND; Heinemann, GustavGND; Rau, JohannesGND; Lattmann, DieterGND; Walser, MartinGND; Handke, PeterGND; Kemal, YasarGND; Sloterdijk, PeterGND
Werke:
Ende der Bescheidenheit
Sach:
Gruppe 47; ver.di; Schriftstellerverband; Gewerkschaft; IG Druck & Papier
Geo:
Polen; DDR; Saarbrücken
Zeit:
1984; 1969
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
02.12.1999
Datum Erstsendung:
02.12.1999
Aufnahmeort:
Köln; Funkhaus, Kleiner Sendesaal
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Datenformat Sichtung:
MPEG 1
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Sendereihe:
WDR 3
Archivnummer:
5038108
Teilnehmende:

Person:
Winkels, HubertGND (Interviewpartner)
Person:
Loest, ErichGND (Sprecher(in))
Person:
Hoppe, Felicatas (Sprecher(in))
Person:
Grass, GünterGND (Sprecher(in))
Person:
Sparschuh, JensGND (Sprecher(in))
Person:
Fend, Lothar (Redaktion)

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Zitierform:

Funkhausgespräche: Sopeilart Funkhausgespräche - Erfahrungen ihrer Zeit. Köln; Funkhaus, Kleiner Sendesaal .

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