Logo der Günter Grass Stiftung Bremen

Webdatenbank

Medienarchiv

„Gestern wird sein, was morgen gewesen ist. Unsere Geschichten von heute müssen sich nicht jetzt zugetragen haben.“
Günter Grass, Das Treffen in Telgte (1979)
DB-Nummer: 1466

Grablegung oder Lektüreservice : Die ersten Kommentarbände

Zimmermann, Harro GND

Erschienen sind die Kommentarbände zur Danziger Tilogie (Blechtrommel, Katz und Maus, Hundejahre), zu den Gedichten und den Theaterstücken von Günter Grass bei Steidl; Ausführungen und Erklärungen unterstützen "zum ersten Mal" (wie fälschlicherweise im Bericht behauptet) die Lektüre von Grass' Werken, die mitlerweile "entrückte Texte" seien; Vorstellung der Kommentarbände auf der Leipziger Buchmesse in einer von Stefan Lohr geführten Diskussion mit Volker Neuhaus, Eckhard Fuhr und Günter Grass; Grass: ist über den Plan zu Kommentarbänden zunächst skeptisch gewesen; bei der Danziger Trilogie hätte es sich aber angeboten, um nachwachsende Lesergenerationen mit dem Umständen vertraut zu machen (z.B. Abkürzungen, Anspielungen usw.); es habe beim Hanser verlagt eine sehr gute, kommentierte Jean-Paul-Ausgabe gegeben, die Grass sehr gerne gelesen habe; Lohr: erläutert den Inhalt und Aufbau der Kommentarbände; der Band zu den Theaterspielen ist von Dieter Stolz, der Band zu den Gedichten von Werner Frizen kommentiert worden; Nutzung von Archiven für die Kommentarbände, sodass informative Grafiken eingebunden werden konnten (historisches Danzig, Manuskriptseiten); Hauptherausgeber ist Volker Neuhaus; Wer ist für Neuhaus hauptsächlicher Nutzer der Kommentarbände? Neuhaus: alle, die sich mit Grass didaktisch oder wissenschaftlich beschäftigen; Idee zu Kommnetarbänden sei 27 Jahre alt; Neuhaus ist seinerzeit gebeten worden, zu Grass' 60. Geburtstag eine Gesamtausgabe für den Luchterhand-Verlag zu konzipieren und hat eine Kommentierund der Werke angeregt; Grund: Zeitroman, der zum historischen Roman wird; Aufschlüsseln von Dinglichkeit; weiterer Grund: Grass gelte zwar als Massenautor, aber in wissenschaftlichen Kreisen als schwieriger Autor; bei seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Grass' Werken habe Neuhaus festgestellt, dass die Werke nicht so schwierig seien, wenn sie sich "gegenseitig Kontext geben"; Stolz und Frizen verweisen auf Bilder, die in der Epik und im grafischen Werk wieder auftauchten; dadurch "Bildgrammatik" oder "Wortgrammatik" des Schaffens von Günter Grass; Leser bekomme dadurch Hinweise für das Verständnis; Helen Wolff habe ihre Werke immer mit Kommentaren versehen; Lohr: fragt Eckhard Fuhr zu seiner Einschätzung, wie das Feuilleton die Kommentarbände aufnehmen wird; Fuhr: das Feuilleton zeichne sich durch Distanz zur Germanistik aus; daher vermutlich zunächst Skepsis gegenüber Kommentarbänden; auch Fuhr selbst sei zunächst skeptisch gewesen, habe eine "germanstisch-philologische Beerdigung" beführchtet; die Bände seien aber bereits physisch und haptisch "in einem sehr luftigen Gewand"; keine Einstiegsschwierigkeiten; zufälliger, aber wichtiger Zeitpunkt für das Erscheinen: Debatte um Helene Hegemanns Buch, über das in den Feuilletons Verwirrung geherrscht habe (Plagiatsvorwürfe; Werk-Definitionen); in diesem Kontext begrüßt Fuhr die "populäre oder popularisierte" Philologie; möglicher Moment der Besinnung in den Feuilletons; Grass: verlegerischer Mut zu Kommentarbänden; überraschende Begegnung mit dem eigenen Werk und Schaffen für den Autor z.B. durch Archivmaterial; für den Leser würden Grass' Anfänge als Schriftsteller in der Lyrik sichtbar; Motive aus späteren Werken seien oft in Gedichten vorgeprägt; "Leseabenteuer" der Kommentarbände; Lohr: Konkurrenz zur eigenen Werkdeutung? Neue Entdeckungen zur Sicht auf das eigene Werk, mit denen Grass nicht übereinstimmt? Grass: Misstrauen gegenüber der Germanistik, da diese sich auf einzelne Interpretationen von Werken beschränke, während es "hunderte und aberhunderte von Interpretationen" gebe; Festlegung für die Schüler durch die Interpretation des Lehrers; "etwas kunstfeindlicheres" als eine Beschränkung auf eine Interpretation gebe es nicht; Ambivalenz der Interpretation; die Germanisten der Kommentarbände verstünden aber ihr Handwerk und interpretierten nicht einseitig.


Urtitel:
Grablegung oder Lektüreservice - die ersten Kommentarbände zum Werk von Günter Grass sind erschienen
Anfang/Ende:
Für die Blechtrommel…Steidl herausgekommen sind. (Abmoderation)
Genre/Inhalt:
Literatur
Historischer Kontext:

Erscheinen der Kommentarbände zur Grass-Werkausgabe

Schlagworte:

Person:
Stolz, DieterGND; Neuhaus, VolkerGND; Wolff, HelenGND; Hegemann, HeleneGND; Frizen, WernerGND
Werke:
Die Blechtrommel; Hundejahre; Katz und Maus
Sach:
Werkausgabe; Kommentarband; Philologie; Interpretation; Germanistik
Aufnahme:

Aufnahmedatum:
19.03.2010
Datum Erstsendung:
28.03.2010
Aufnahmeort:
Leipzig, Buchmesse
Sprachen:
deutsch
Original:

Analog/Digital:
born digital
Datenformat:
CD-A
Kopie:

Datenformat Sichtung:
mp3
Datenformat Archiv:
WAV
Herkunft:

Sender / Institution:
Radio Bremen (RB)
Sendereihe:
Literaturzeit
Teilnehmende:

Person:
Zimmermann, HarroGND (Autor(in))
Person:
Zimmermann, HarroGND (Sprecher(in))
Person:
Grass, GünterGND (Mitwirkende(r))
Person:
Lohr, StefanGND (Sprecher(in))
Person:
Neuhaus, VolkerGND (Mitwirkende(r))
Person:
Fuhr, EckhardGND (Mitwirkende(r))

Zitieren

Zitierform:

Zimmermann, Harro: Grablegung oder Lektüreservice - die ersten Kommentarbände zum Werk von Günter Grass sind erschienen. Leipzig, Buchmesse .

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export